16.01.2004 · Mit indischer Musik und Aufrufen zu Frieden, sozialer Gerechtigkeit sowie einer "besseren Welt" hat am Freitag das vierte Weltsozialforum in Bombay begonnen. Die Veranstalter gaben an, daß sich 78 000 Personen aus 130 Ländern für das Forum registriert haben.
Mit indischer Musik und Aufrufen zu Frieden, sozialer Gerechtigkeit sowie einer "besseren Welt" hat am Freitag das vierte Weltsozialforum in Bombay begonnen. Die Veranstalter gaben an, daß sich 78.000 Personen aus 130 Ländern für das Forum registriert haben. Bis zum Ende der Veranstaltung am kommenden Mittwoch werden mehr als 100.000 Besucher erwartet. Das Weltsozialforum begreift sich als Gegenveranstaltung zum Weltwirtschaftsforum, das in der kommenden Woche in Davos beginnen soll.
In mehr als 1.200 Diskussionsveranstaltungen wollen sich die Teilnehmer, die hauptsächlich Nichtregierungsorganisationen repräsentieren, über Fragen der internationalen Politik und der Weltwirtschaft austauschen. Ein Schwerpunkt soll auf die Behandlung ethnischer und religiöser Konflikte gelegt werden. Das Gastgeberland Indien stellt nach Schätzungen etwa die Hälfte aller Teilnehmer. Allein aus der Kaste der "Unberührbaren" (Dalits) haben sich 30.000 Teilnehmer angemeldet. Erfahrene Aktivisten glauben allerdings, daß die Politik des amerikanischen Präsidenten Bush in den Mittelpunkt der Kritik rücken wird. An ihm machen die meisten Teilnehmer die Entwicklungen fest, gegen die sie opponieren - von der Besetzung des Iraks bis hin zur "neoliberal" geprägten Globalisierung.
"Gestaltung der Globalisierung"
Anders als in Porto Alegre treten in Bombay keine Staatschefs auf. Die Regierung in Delhi hat das Ereignis ignoriert. Zu den Rednern gehören die iranische Friedensnobelpreisträgerin Schirin Ebadi und der Ökonom Joseph Stiglitz aus den Vereinigten Staaten. Massenzulauf erwarten auch Arundhati Roy aus Indien und Naomi Klein aus Kanada. Aus Deutschland haben sich 240 Teilnehmer angemeldet, darunter viele Gewerkschafter. Auch die Staatsministerin im Auswärtigen Amt Müller hat einen Besuch angekündigt.
Kurz vor dem Beginn der Veranstaltung hatte die deutsche Sektion der globalisierungskritischen Attac-Bewegung Vorwürfe an die Bundesregierung gerichtet. Sie spreche von "Gestaltung der Globalisierung", meine aber "Sozialabbau", sagte Sven Giegold von Attac.
Unklar war zu Beginn des Forums, welchen Einfluß die Bewegung "Mumbai Resistance 2004" auf die Veranstaltung ausüben wird. Das Bündnis, das die offizielle indische Bezeichnung für Bombay im Namen führt, wirft dem Weltsozialforum vor, seine politischen Ziele nicht konfrontativ genug zu verfolgen. Anders als das akademisch geprägte Forum öffnete sich die Resistance-Bewegung auch gewalttätigen Gruppen, unter ihnen bewaffnete Widerstandsorganisationen aus Indien und Nepal.