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Weltflüchtlingstag : So viele Flüchtlinge wie noch nie

  • -Aktualisiert am

Flüchtlingskinder, die aus Syrien geflohen sind, in einem Zeltlager bei Mafrag. Bild: obs

Zum Weltflüchtlingstag legt das UN-Flüchtlingskommissariat einen Bericht über Flucht und Verfolgung vor: Dieser zeigt, dass das weltweite Ausmaß von Flucht und Vertreibung im Jahr 2016 den höchsten jemals registrierten Stand erreicht hat.

          65,6 Millionen Menschen sind auf der Flucht. Das ist mehr als die Einwohnerzahl von Großbritannien. Die Weltjahresstatistik der UN-Flüchtlingskommission kommt zum Schluss, dass im Schnitt einer von 113 Menschen weltweit von Flucht betroffen ist. Insgesamt ist Syrien in Relation zur Gesamtbevölkerung weiterhin das Land, welches am stärksten von Flucht und Vertreibung betroffen ist. Kinder und Jugendliche machen laut des Berichts die Hälfte der weltweiten Flüchtlingsbevölkerung aus.

          Anlässlich des Weltflüchtlingstages, der 2001 von den Vereinten Nationen eingeführt und der jährlich am 20. Juni für erhöhte Aufmerksamkeit sorgen soll, hat das UN-Flüchtlingskommissariat (UNHCR) den Statistischen Jahresbericht zu den globalen Entwicklungen von Flucht und Vertreibung veröffentlicht. Laut des Berichts hat das weltweite Ausmaß von Flucht und Vertreibung im Jahr 2016 den höchsten jemals registrierten Stand erreicht. Danach ist die Zahl der Menschen auf der Flucht um 30.000 auf 65,6 Millionen gestiegen.

          Mit 5,5 Millionen Menschen bleibt Syrien weltweit das größte Herkunftsland von Flüchtlingen

          Diese Zahl setzte sich zusammen aus drei Arten von Flucht: Binnenvertriebenen, Flüchtlingen und Asylbewerbern.

          Mit 40,3 Millionen Personen, die von Binnenvertreibung betroffen sind, bilden die Menschen, die innerhalb ihres Heimatsandes geflohen sind, die größte Personengruppe. Hierbei sind die Länder Syrien, Irak und Kolumbien am stärksten von Binnenflucht betroffen.

          Die Zahl der Flüchtlinge beträgt 22,5 Millionen Menschen und ist damit höher als jemals zuvor. Die Türkei nimmt mit 2,9 Millionen weltweit die meisten Menschen auf. 98 Prozent von ihnen kommen aus Syrien. Als Flüchtling gilt laut Genfer Flüchtlingskonvention eine Person, die „aus der begründeten Furcht vor Verfolgung wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Überzeugung sich außerhalb des Landes befindet, dessen Staatsangehörigkeit sie besitzt, und den Schutz dieses Landes nicht in Anspruch nehmen kann oder wegen dieser Befürchtungen nicht in Anspruch nehmen will.“ 2016 bleibt Syrien mit 5,5 Millionen Menschen weltweit das größte Herkunftsland von Flüchtlingen. Afghanistan folgt mit 2,5 Millionen Flüchtlingen. Ausschlaggebender Faktor des neuen Anstieges von Flüchtlingen im Jahr 2016 war jedoch die Situation im Südsudan. Durch erneute Kämpfe im Juli 2016 zwischen der Armee und den Rebellen kam es zu einer Massenflucht von 739.00 Menschen die bis zum Jahresende aus dem Südsudan flohen. Insgesamt waren 2016 1,4 Millionen Menschen aus dem Südsudan geflohen. 2017 ist diese Zahl weiter gestiegen.

          Die dritte Gruppe der Betroffenen bilden mit 2,8 Millionen die Asylbewerber, das heißt Menschen, die internationalen Schutz suchen, sich aber noch in dem Asylprozess befinden. Die Vereinigten Staaten und Deutschland sind die Länder mit den meisten Asylbewerbern. 

          „Es besteht eine Notwenigkeit zur Solidarität und zu gemeinsamen Zielen bei der Prävention und Lösung von Krisen“

          Der UN-Flüchtlingskommissar Filippo Grandi beschreibt die momentane Situation als inakzeptabel und appelliert an „die Notwenigkeit zur Solidarität und zu gemeinsamen Zielen bei der Prävention und Lösung von Krisen“. Hierbei wird die gestiegene Politisierung des Asylthemas und die wachsenden Beschränkungen beim Zugang zum Schutz in vielen Regionen kritisiert. Dies gilt auch als eine Anspielung auf Europa: Obwohl die Flüchtlingspolitik seit Mitte 2015 in der Europäischen Union auf der Spitze der politischen Agenda steht, besteht weiterhin ein großes Ungleichgewicht zwischen den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union. Die Zahl der Asylbewerber hat zwar in der Europäischen Union im Verglich zu 2015 abgenommen; Deutschland, gefolgt von Griechenland, ist jedoch weiterhin das Land mit den meisten Asylanträgen innerhalb der EU.

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