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Weltaidskonferenz Betrifft Frauen

18.08.2006 ·  Aids ist keine Gefahr mehr, die nur Randgruppen fürchten müssen. Was vor 25 Jahren als Krankheit unter homosexuellen Männern begann, ist heute eine Epidemie, die größtenteils Frauen betrifft. FAZ.NET-Spezial zur Weltaidskonferenz.

Von Peter-Philipp Schmitt
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Als vor 25 Jahren in San Francisco und New York die ersten homosexuellen Männer an einer merkwürdigen Form von Krebs starben und amerikanische Mediziner begannen, an eine mögliche Epidemie zu denken, hätte wohl nicht einmal der größte Pessimist daran geglaubt, daß daraus eine Pandemie werden könnte, die größtenteils Frauen betrifft.

Die Zeiten, als Weltaidskonferenzen überschaubare Veranstaltungen für Wissenschaftler waren, die versuchten, eine Krankheit in den Griff zu bekommen, mit der sich nur Randgruppen infizierten, sind zwar schon lange vorbei.

Doch erst bei der XV. Konferenz in Bangkok rückten die Hauptbetroffenen wirklich ins Rampenlicht. Dabei hatten sie zwei große Repräsentantinnen: die Inderin Sonia Gandhi und die Südafrikanerin Graça Machel. Beide stammen aus zwei der am schlimmsten von Aids heimgesuchten Länder, deren Regierungen bis vor wenigen Jahren zudem nicht bereit waren, sich ernsthaft mit Präventionsmöglichkeiten auseinanderzusetzen.

Geprägt von Persönlichkeiten aus dem Westen

Die diesjährige Konferenz im kanadischen Toronto wird zwar wieder einmal maßgeblich von Persönlichkeiten aus dem privilegierten Westen (Bill Clinton, Bill Gates, Richard Gere) geprägt, doch nie zuvor haben sich die Delegierten einer Weltaidskonferenz mit solcher Vehemenz für die Rechte von Frauen eingesetzt.

Täglich werden in Toronto neue Studien vorgelegt, die zeigen, daß Vergewaltigung in der Ehe in vielen Ländern genauso notorisch ist wie das regelmäßige Fremdgehen der Ehemänner. „HIV-Prävention", hat Melinda Gates gesagt, „gehört in die Hände von Frauen."

Kein Heilmittel in Form eines Impfstoffs

Genau daran arbeiten immer mehr Wissenschaftler, seit sie einsehen mußten, daß ein Heilmittel in Form eines Impfstoffs wohl auch in zwanzig Jahren noch nicht zu haben sein wird. In Toronto wurden daher nun klinische Studien einiger vielversprechender Präventionsmöglichkeiten vorgestellt - darunter Diaphragma und Mikrobiozide. Sie könnten schon in zwei, drei oder vier Jahren als HIV-Schutz auf dem Markt sein.

Nach wie vor wird die Bekämpfung der Krankheit durch Stigmatisierung, Diskriminierung und vor allem die Ungleichheit der Geschlechter erschwert. Um so wichtiger wird es, Frauen mit „weiblichen Kondomen" in die Lage zu versetzen, sich ohne Zustimmung der Männer zu schützen.

Quelle: F.A.Z., 17.08.2006, Nr. 190 / Seite 1
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Jahrgang 1967, Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

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