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Weihnachtsansprache Papst ruft zu Frieden und Gerechtigkeit auf

25.12.2008 ·  In seiner Ansprache am ersten Weihnachtsfeiertag hat Papst Benedikt XVI. mehr Frieden und Gerechtigkeit in aller Welt gefordert. Anschließend spendete er vom Zentralbalkon des Petersdoms den traditionellen Segen Urbi et Orbi.

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Papst Benedikt XVI. hat zum Weihnachtsfest mehr Frieden und Gerechtigkeit in aller Welt gefordert. In seiner Ansprache am 1. Weihnachtsfeiertag gedachte das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche am Donnerstag vor allem den Opfern von Kriegen, Terrorismus und Armut und mahnte Solidarität und weniger Egoismus unter den Menschen an.

„Wenn die Menschen nur an ihre eigenen Interessen denken, wird unsere Welt zugrunde gehen“, sagte der Papst vor Zehntausenden Menschen auf dem Petersplatz in Rom. Anschließend spendete er vom Zentralbalkon des Petersdoms den traditionellen Segen Urbi et Orbi (Der Stadt und dem Erdkreis) und fügte Weihnachtsgrüße in 64 Sprachen hinzu.

Wünsche für Frieden in Nahost

Ausdrücklich sprach der Papst, der im nächsten Jahr im Heiligen Land erwartet wird, die erneute Eskalation im Nahost-Konflikt an. Er hoffe, dass Israelis und Palästinenser nach dem Ende der Waffenruhe und dem Wiederaufflammen der Gewalt auf einen Weg zum Frieden zurückfänden. Benedikt erinnerte zudem an die Konflikte im Libanon, im Irak sowie die afrikanischen Krisenregionen Simbabwe, Kongo, Darfur und Somalia. Er gedachte aber auch derjenigen in den wohlhabenden Staaten, die sich wegen der Finanzkrise und der Folgen Sorgen um ihre Zukunft machten.

Zuvor hatte der Papst in seiner nächtlichen Weihnachtspredigt ein Ende der Not von Kindern in aller Welt angemahnt. Er verurteilte die Misshandlung von Minderjährigen in jeder Form, etwa durch die Rekrutierung von Kindersoldaten und durch sexuellen Kindesmissbrauch. Katholiken müssten alles in ihrer Macht stehende tun, um dem Leiden dieser Kinder ein Ende zu setzen, forderte der Papst während der Mitternachtsmesse im Petersdom. Die Menschheit brauche eine Bekehrung der Herzen, um die Welt vom Bösen zu befreien. „Nur wenn die Menschen sich ändern, wird die Welt sich ändern, und um sich zu ändern, brauchen die Menschen das Licht, das von Gott kommt.“

Der Papst hat im vergangenen Jahr wiederholt den Missbrauch von Minderjährigen durch katholische Geistliche thematisiert und sich auch dafür entschuldigt. In seiner Weihnachtspredigt ging der Pontifex jedoch nicht ausdrücklich darauf ein.

Mehr Engagement für Kinder

In seiner Mitternachtsmesse hatte der Papst die millionenfache Not armer und ausgebeuteter Kinder in der Welt beklagt und für Frieden in Nahost gebetet. In seiner Predigt im dicht besetzten Petersdom in Rom rief das Oberhaupt der Katholiken am frühen Donnerstagmorgen dazu auf, „alles zu tun, damit die Not dieser Kinder ende; alles zu tun, damit das Licht von Bethlehem die Herzen der Menschen anrührt.“ Gott sei im übrigen da, „wo die Menschen nicht die Erde zum Paradies machen wollen und dann zur Gewalt greifen.“

Gedacht werden müsse vor allem auch an die Straßenkinder ohne zuhause, an die Kinder, die als Soldaten missbraucht und zu Werkzeugen der Gewalt gemacht werden, sagte Joseph Ratzinger. Er machte auch auf die Kinder aufmerksam, „die durch die Porno-Industrie und durch alle die schändlichen Formen des Missbrauchs bis in die Tiefe ihrer Seele hinein verwundet werden.“

Tausende auf dem Petersplatz

Wer an den Ort Bethlehem denke und an das Land, in dem Jesus gelebt habe, der bete auch darum, dass dort Frieden werde, sagte der Papst. „Dass der Hass und die Gewalt enden. Dass Verstehen erwache, eine Offenheit der Herzen, die die Grenzen öffnet.“ Es gehe darum, dass dort jener Friede einkehre, „von dem die Engel in jener Nacht gesungen haben“, sagte Benedikt eindringlich. Er plant im Mai des kommenden Jahres eine längere Reise in das Heilige Land.

Auf dem Petersplatz vor der Basilika verfolgten zahlreiche Menschen die liturgisch leicht veränderte Mitternachtsmesse bei kaltem Winterwetter auf Videoleinwänden. Am Nachmittag war dort im im Rahmen einer Gebetsstunden die riesige Weihnachtskrippe eingeweiht worden. Benedikt zündete dabei eine Kerze als Licht des Friedens an.

Es ist das vierte Weihnachtsfest des deutschen Kirchenführers seit seiner Wahl zum Papst im April 2005. Die Christmette wurde von Fernsehsendern in Dutzende Länder überspielt, in die meisten als Live-Übertragung. Der Papst verliest am Mittag auf dem Petersplatz die Weihnachtsbotschaft und spendet dann den Segen „Urbi et Orbi“.

Huber kritisiert Ackermann

In Deutschland fordert Kirchenführer an Heiligabend als Lehre aus der Finanzkrise eine Rückbesinnung auf nicht-materielle Werte. Der Boom an den Finanzmärkten habe sich im Nachhinein „als Tanz um das goldene Kalb“ erwiesen, sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Wolfgang Huber, im Deutschlandradio Kultur. „Dass wir diesen Tanz nun wirklich hinter uns lassen und Geld nicht länger vergötzen, das ist für mich eine ganz wichtige Lehre des zu Ende gehenden Jahres“, sagte der höchste Repräsentant von rund 25 Millionen evangelischen Christen und Bischof von Berlin und Brandenburg.

In seiner Weihnachtspredigt im Berliner Dom rief Huber zur Solidarität mit den Armen auf. „Meine Sorge gilt ganz besonders denen, die in wachsender Zahl an den Suppenküchen warten, die auf eine Mahlzeit bei der Armentafel hoffen, weil sie sich anderes schlicht nicht leisten können.“ Der Bischof forderte, dass sich auch die an den Rand der Gesellschaft Gedrängten mit eigener Kraft ihren Lebensunterhalt verdienen können müssten.

Stärker noch als die Sorge um die wirtschaftliche Entwicklung müsse „die Unruhe sein, mit der wir gerade heute für eine gerechte Beteiligung aller eintreten“, mahnte Huber. Massive Kritik übte er an Finanzmanagern. Die Ausnutzung persönlicher Freiheit und die Vernachlässigung von Verantwortung hätten „unsere Welt in eine tiefe Krise gestürzt“. „Dass „Verzocken“zu einem der Unworte dieses Jahres gewählt wurde, zeigt, von welcher Denkweise wir uns abwenden müssen“, kritisierte Huber.

Huber kritisiert Ackermann

Der EKD-Ratsvorsitzende hatte schon in einem am Mittwoch erschienenen Interview an die Bankmanager appelliert, zu ihrer Verantwortung zu stehen. „Es gibt eine ethische Verpflichtung zu nachhaltiger Wertsicherung“, erklärte er in der „Berliner Zeitung“. Sie müsse Vorrang haben vor dem kurzfristigen Gewinn und der Bezahlung der „Banker“. Für die Zukunft forderte Huber, den Markt an Rahmenbedingungen zu binden, „die sowohl seine soziale und ökologische als auch seine wirtschaftliche Verträglichkeit auf Dauer sicherstellen“.

Die Akteure auf dem Finanzmarkt müssten in gleicher Weise für die Schäden haftbar gemacht werden können, die sie anrichten, wie sie von den Gewinnen profitieren. Auch wünsche er sich von Managern mehr Bescheidenheit, betonte Huber. Als negatives Beispiel kritisierte er den Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann. Zur Begründung verwies er auf das von Ackermann vorgegebene Renditeziel von 25 Prozent. Solche Ziele zu setzen, sei eine Form des Götzendienstes. „In den aktuellen Zusammenhängen ist das Geld zum Gott geworden“, sagte Huber.

Weihnachten als „Quelle der Orientierung für die Gesellschaft“

Im Münchner Liebfrauendom verurteilte Erzbischof Reinhard Marx Tendenzen zu einer inhumanen Ökonomie. „Eine Wirtschaft, die sich nicht am Menschen orientiert, die die Würde des Menschen nicht in den Mittelpunkt stellt, zerstört letztlich die Grundlagen des menschlichen Miteinanders“, sagte Marx nach Angaben des Ordinariats. Er bezeichnete die Weihnachtsbotschaft von der Menschwerdung Christi als „Leitbild der Gesellschaft“. Weihnachten sei nicht einfach eine Ruhepause in hektischer Zeit, sondern eine „unersetzbare Quelle der Orientierung für die Gesellschaft“. Die Heilige Schrift stelle die Geburt Christi bewusst in den Kontext einer politischen und gesellschaftlichen Auseinandersetzung, sagte Marx.

Einen menschlicheren Umgang miteinander hält der Bischof des Bistums Magdeburg, Gerhard Feige, für geboten. „Nicht Stärke und Macht, Reichtum und Schönheit, Intelligenz und Erfolg sind das Maß aller Dinge, sondern die göttliche Würde, die einem jeden Menschen innewohnt, vom Embryo bis hin zum Sterbenden“, betonte der katholische Oberhirte in seiner Weihnachtsbotschaft. Der Geistlichebe klagte, dass die „einzigartige Würde des Menschen aber immer wieder in Frage gestellt oder sogar mit Füßen getreten (werde): durch Mord und Totschlag, Missbrauch und Gewalt, in der Forschung wie in der Medizin, unter ökonomisch-wirtschaftlichen Aspekten wie im alltäglichen Umgang miteinander.“ Viele fühlten sich durch Arbeitslosigkeit und Verarmung ins soziale Abseits gedrängt und entehrt.

Der Paderborner Bischof Becker verurteilte die Spekulationen mit nicht gedeckten Immobiliendarlehen, die Auslöser der globalen Finanzkrise waren, als Betrug an gutgläubigen Menschen. Die Gier, die hinter diesen Machenschaften stecke, müsse man offen benennen, forderte er. Als Konsequenz sprach sich Becker für eine internationale Finanzaufsicht aus. „Eigentum verpflichtet und istnicht nur zum Spekulieren geeignet„, sagte er dem „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld.

Käßmann appelliert an Gemeinsinn und Nächstenliebe

Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann rief zu „Hoffnung,Vertrauen und Zuversicht“ auf. Im Jahr 2009, das bereits zum Krisenjahr ausgerufen worden sei, drohten Arbeitsplatzabbau und ein Konjunktureinbruch, sagte die Bischöfin der größten evangelischen Landeskirche in ihrer Predigt an Heiligabend in Hannover. Viele Menschen hätten Angst, aber sie könnten nicht nur mit Angst leben. In Krisenzeiten sei mehr Miteinander gefragt, appellierte Käßmann an Gemeinsinn und christliche Nächstenliebe.

Auch im neuen Jahr müsse zwischen Wichtigem und Unwichtigem unterschieden werden: „Fernsehen, Geld und Lottozahlen sind weniger wichtig als Glaube, Liebe, Hoffnung„, sagte Käßmann. SchnelleRenditen seien nicht so interessant wie ein Einstehen füreinander: „Ein Miteinander bringt mehr als Egomanie.“

„Gefährdete Menschen gehören in die Mitte der Gesellschaft“

Der rheinische Präses Nikolaus Schneider bezeichnete die Geburt Christi als Neuanfang und Verheißung Gottes gegen alle Ängste und Wirtschaftsrisiken. Dass Jesus den Menschen Gott bringe sei ein „Schutzwall“ gegen die Schrecken unsicherer Wirtschaftsaussichten oder die Ankündigung von Arbeitsplatzverlusten, sagte Schneider in Düsseldorf. Die realen Gefahren könnten gläubige Menschen nicht „in Schockstarre versetzen“. Der oberste Theologe der Evangelischen Kirche im Rheinland sprach sich gegen Ausgrenzung und für mehr gesellschaftlichen Zusammenhalt aus. „Gefährdete Menschen gehören in die Mitte der Gesellschaft“, so Schneider.

Deutschland sollte nach Ansicht von Bischof Hans-Jürgen Abromeit mehr irakische Flüchtlinge aufnehmen. In seiner Weihnachtsbotschaft erinnerte der Bischof der Pommerschen Evangelischen Kirche an die weltweit 67 Millionen Menschen, die gegenwärtig auf der Flucht seien. Eine besondere Gruppe stellten die Flüchtlinge aus dem Irak dar, von denen ein großer Teil Christen seien. Der Bitte der UN, solchen Flüchtlingen, die wegen Bedrohungen auf absehbare Zeit nicht zurückkehren könnten, Schutz zu gewähren, würden noch zu wenige Staaten Folge leisten. „Auch Europa hält sich sehr zurück und damit auch die Bundesrepublik Deutschland“, beklagte der Landesbischof.

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