Zwei Jahre nachdem die umstrittene Wehrmachtsausstellung wegen Fälschungsvorwürfen geschlossen wurde, eröffnet die Schau nun an diesem Dienstag in einer komplett überarbeiteten Fassung in Berlin.
Der Leiter des Hamburger Instituts für Sozialforschung, Jan Philipp Reemtsma, der für die Konzeption der umstrittenen Schau verantwortlich zeichnet, stellte am Vormittag die Änderungen in der wissenschaftlich neu konzipierten Fassung vor. Die Ausstellung ist nach Auskunft der Veranstalter keine korrigierte, sondern eine Neufassung der Vorgängerschau. Kultur-Staatsminister Julian Nida-Rümelin eröffnet am Abend die Ausstellung in den Räumen der Berliner Kunst-Werke.
Geschichte, neu geschrieben, blieb anfechtbar
Vor sechs Jahren wurde die "Wehrmachts-Ausstellung" in Hamburg vorgestellt. Mit bisher unveröffentlichtem Foto- und Dokumentarmaterial berichtete sie zum ersten Mal über systematische Morde der deutschen Wehrmacht an Zivilisten in Osteuropa während des Zweiten Weltkriegs. Die Wellen schlugen hoch. Es gab positive und negative Stimmen. Vor allem konservative Kreise wehrten sich aber, weil ihre Vorstellungen von einer „sauberen Wehrmacht“ nicht mehr zu halten waren. Auch viele ehemalige einfache Soldaten, die nicht bei der verbrecherischen SS oder Gestapo gedient hatten, fühlten sich angegriffen.
Die "Wehrmachts-Ausstellung" zog zwischen 1995 und 1997 durch 33 deutsche und österreichische Städte. Über 900.000 Besucher strömten in die Schausäle und diskutierten über ein Kapitel deutscher Vergangenheit, das sich für viele Zeitgenossen nun noch düsterer darstellte. Die Ausstellung schlug hohe Wellen. Am 9. März 1998 wurde in Saarbrücken ein Sprengstoffanschlag auf die Schau verübt.
Kritik wurde laut, die spektakuläre Schau wurde geschlossen
Im November 1999 wurde auch Kritik von Historikern laut. Damals wies Bogdan Musial nach, dass manche der gezeigten Fotografien nicht zu den Bildunterschriften passten. Nach massiven Vorwürfen wurde die Ausstellung geschlossen und ein Gremium einberufen, das das ausgestellte Material noch einmal kritisch untersuchte. Ein Jahr später wurden die Ergebnisse veröffentlicht. Es hatte sich herausgestellt, dass sachliche Fehler, Ungenauigkeiten und Flüchtigkeiten bei der Zuordnung des Materials unterlaufen waren und durch die Art der Präsentation "pauschale und suggestive Aussagen" getroffen wurden. Den Fälschungsvorwurf wies das Hamburger Institut für Sozialforschung allerdings zurück. Die Hauptthesen der Ausstellung bedurften auch nach genauer Prüfung des 16-köpfigen wissenschaftlichen Ausschusses keiner Korrekturen.
Unveränderte Thesen, neue Präsentation
Auch die neue Ausgabe hält an der These fest, dass "die Wehrmacht als Institution während des Zweiten Weltkrieges an der Planung und Durchführung eines beispiellosen Rassen- und Vernichtungskrieges umfassend beteiligt war". Ein Teil der neuen Schau widmet sich der Nachkriegszeit und den Nürnberger Prozessen sowie der Strafverfolgung und Integration ehemaliger Wehrmachtsoffiziere in die Nachkriegsgesellschaft. Ab Mittwoch ist die Schau für das Publikum zu besichtigen. Es darf neu diskutiert werden.