15.12.2008 · Nach den Wahlparteitagen herrscht in Hessen Klarheit: Es tritt (wieder) das linke gegen das bürgerliche Lager an. Fast scheint die hessische SPD froh, wieder den geliebten Feind zum Gegner zu haben. Doch auch in der CDU ist man über die neue, alte Gegnerin nicht unglücklich.
Von Berthold KohlerWirklich wieder Koch? Das fragt die hessische SPD auf Wahlplakaten, die sie derzeit klebt, offenbar in der Hoffnung, niemand möge sich beim Anblick von sozialdemokratischer Wahlwerbung die Frage stellen: Wirklich wieder SPD? Denn die Bilanz, die sie seit dem „gefühlten“ Wahlsieg vor einem knappen Jahr aufmachen muss, fällt ungefähr so berauschend aus wie die von General Motors. In weniger als zwölf Monaten opferte Andrea Ypsilanti der Perspektive der Macht die Glaubwürdigkeit, die Einheit und die Regierungsfähigkeit ihrer Partei. Verglichen mit den Katastrophen der hessischen SPD, hatte selbst die Bundes-SPD eine gute Zeit. Fast froh scheinen die hessischen Genossen daher zu sein, wieder den geliebten Feind zum Gegner zu haben, auch wenn der Koch-muss-weg-Militantismus zu einem Wirklich-wieder-der-Defätismus zusammenschrumpfte.
Doch entschieden wird die Wahl erst im Januar. Zwar kann mit dem Namen Schäfer-Gümbel auch in Hessen immer noch nicht jeder etwas anfangen. Als politisch „unverbraucht“ zu gelten, muss heutzutage aber nicht unbedingt ein Nachteil sein. Über eine Koalition mit der Linkspartei redet der SPD-Spitzenkandidat, als gehe es nur um die Frage, ob man nächstes Jahr eine Fichte oder eine Tanne als Christbaum vor dem Landtag aufstellt. Auch mit Beiläufigkeit kann man eine Wende einleiten.
Eiskalte Offerte
Zu einem Bembel-Obama ist Schäfer-Gümbel zwar noch nicht gereift, seit ihn Frau Ypsilanti aus ihrem Tross hervorzog. Doch tritt er schon jetzt mit der eiskalten Offerte an die Wähler heran, entweder Koch oder wenigstens die eigene Meisterin politisch zu entsorgen. Auch wenn manche in der hessischen SPD glauben, die Naturgesetze der Politik gälten nicht für sie, wird sich Frau Ypsilanti bei einer krachenden Niederlage nur schwer an der Spitze von Partei und Fraktion halten können. Wie sagte ihr Kronprinz: Wir beenden das Hütchenspiel.
Damit herrscht in Hessen Klarheit. Es tritt das bürgerliche gegen das linke Lager an. Grüne wie Linkspartei haben noch daran zu tragen, dass sie mit vom Ross der Frau Ypsilanti stürzten. Aber auch Koch zog aus dem abgelaufenen Jahr Schlüsse für den Wahlkampf. Die stille Zeit, der Advent, hat für ihn diesmal acht Sonntage. Ohnehin muss ihm die Noch-SPD-Chefin wie das Christkind vorkommen. Eine solche Chance für ein Comeback ist noch keinem christlichen Politiker beschert worden, schon gar nicht von sozialdemokratischer Hand.