http://www.faz.net/-gpf-37fg

Wahlkampf : Wirbel um Geis´ Gerede von "durchrasster Gesellschaft"

  • Aktualisiert am

Geis: Warum lasst ihr nicht Deutschland den Deutschen? Bild: dpa

Der CSU-Politiker Norbert Geis hat mit seinen Äußerungen zur „durchrassten Gesellschaft“ politischen Wirbel ausgelöst.

          Der Ausspruch „durchrasste Gesellschaft“ von Unions-Kanzlerkandidat Edmund Stoiber (CSU) aus dem Jahr 1988 sorgt im Bundestagswahlkampf für Wirbel. Der CSU-Politiker Norbert Geis wies am Mittwoch Berichte zurück, er habe diesen Begriff verteidigt.

          In der Sendung „Vorsicht! Friedmann“ im Hessischen Fernsehen hatte Moderator Michael Friedmann am Dienstagabend Geis nach seiner Bewertung von Stoibers Ausspruch „durchrasste Gesellschaft“ gefragt. Daraufhin antwortete der nach Angaben des Senders, es gehe darum, dass Deutschland auch den Deutschen gehören solle, „so wie den Franzosen Frankreich und den Italienern Italien.

          Geis distanziert sich nicht

          Warum lasst ihr nicht Deutschland den Deutschen?“, hatte Geis gefragt. Von diesen Äußerungen wollte sich Geis jedoch nicht distanzieren. Er habe lediglich Stoiber verteidigen wollen und versucht, dessen Worte einzuordnen, sagte der Abgeordnete.

          „Aus dem demokratischen Spektrum verabschiedet“

          Der Vorsitzende des Zentralrats der Juden, Paul Spiegel, sagte am Mittwoch, Geis habe sich „aus dem demokratischen Spektrum verabschiedet“. Der Zentralrat erwarte, dass die Unionsfraktion „entsprechende Konsequenzen zieht“.

          Heftige Reaktionen

          Die CDU distanzierte sich vorsichtig, SPD, Grüne und PDS reagierten empört. CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer sagte in Berlin, der Begriff der „durchrassten Gesellschaft“ sei nicht sein Sprachgebrauch. Der Grünen-Rechtsexperte Volker Beck forderte die Union auf, „sich von den rassistischen Ausfällen von Norbert Geis zu distanzieren“. Während Stoiber Kreide fresse, zeige die zweite Reihe der Union dem rechten Wählerspektrum, „dass der Weg in die Mitte nicht ernst gemeint ist“.

          Der SPD-Parlamentarier Dieter Wiefelspütz sagte: „Herr Geis hätte besser geschwiegen.“ PDS-Vize Petra Pau sprach von einem „Aufstand der Unanständigen“. Sie betonte: „Geis zündelt.“

          Stoiber hatte 1988 als CSU-Generalsekretär gesagt, der SPD-Politiker Oskar Lafontaine wolle „eine multinationale Gesellschaft auf deutschem Boden, durchmischt und durchrasst“. Den Ausdruck durchrasst hatte Stoiber hinterher öffentlich bedauert.

          Weitere Themen

          Hoffen auf den Schub

          Italien nach der Wahl : Hoffen auf den Schub

          Bei Regionalwahlen in der italienischen Provinz versuchen die Parteien Erfolge zu sammeln. Sie hoffen, damit den Stillstand in der Regierungsbildung überwinden zu können.

          Grönland vor Machtwechsel Video-Seite öffnen

          Debatte um Unabhängigkeit : Grönland vor Machtwechsel

          Seit 2009 ist das dänische Arktisgebiet weitgehend selbständig, doch Kopenhagen kontrolliert noch die Außen- und Verteidigungspolitik. Aaja Chemnitz Larsen möchte das ändern und könnte damit mit der politischen Tradition ihres Landes brechen.

          Muss es immer pompös sein?

          Zukunft der deutschen Serie : Muss es immer pompös sein?

          Mit Serien wie „Babylon Berlin“ und „Bad Banks“ ist die deutsche Serie international angekommen. Zu viel gutes Fernsehen könne es gar nicht geben, heißt es bei der Kölner Branchenkonferenz „Serien-Summit“. Und wie geht es weiter?

          Topmeldungen

          Herzogin Kate bekommt Sohn : It’s a boy!

          Der royale Nachwuchs ist da – und die spannende Frage nach dem Geschlecht des dritten Kindes von Prinz William und Herzogin Kate beantwortet. Oh boy!

          FAZ Plus Artikel: Merkel und Macron : Die zwei von der Baustelle

          Die Regierungen in Paris und Berlin haben eigene Vorstellungen für Europas Zukunft. Bei den Finanzen kommen Merkel und Macron kaum voran – auf anderen Feldern schon. Einen Staatsempfang bei Donald Trump bekommt aber nur einer von beiden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.