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Wahlkampf Schröder: Duell mit Stoiber, wenn Merkel kneift

02.08.2005 ·  Der Kanzler hat im Streit über ein zweites „Fernsehduell“ mit der Kandidatin der Union eine neue Variante ins Spiel gebracht. „Wenn Frau Merkel keine Zeit hat, soll sie doch Herrn Stoiber zum zweiten Duell schicken“, sagte Schröder.

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Im Streit der Parteien um die Zahl der „Fernsehduelle“ vor der Bundestagswahl hat Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) eine neue Variante ins Spiel gebracht.

„Mein ernsthafter Vorschlag wäre: Wenn Frau Merkel keine Zeit hat, soll sie doch Herrn Stoiber zum zweiten Duell schicken“, sagte Schröder der „Passauer Neuen Presse“: „Wenn Frau Merkel jetzt sagt, sie habe für ein zweites Duell keine Zeit, ist das ein vorgeschobenes Argument“, kritisierte er. Aus seiner Sicht habe sich die Abfolge von zwei TV-Duellen bewährt. Immerhin hätten 2002 bei jeder der beiden Redeschlachten rund 15 Millionen Wählerinnen und Wähler zugeschaut.

Der Kanzler forderte die Fernsehsender auf, Merkels Haltung nicht zu akzeptieren: „Es ist letztlich Sache der Sendeanstalten, ob sie sich von der CDU diese Informationsverweigerung bieten und an der Nase herumführen lassen oder nicht.“ Er stehe für zwei TV-Duelle zur Verfügung. Das sei „eine demokratische Selbstverständlichkeit“. Er habe „nichts zu verbergen“, erklärte Schröder.

CSU „Elefantenrunde“ als Kompromiß

Merkels Verhandungsführer für die TV-Debatten, Willi Hausmann, setzte sich gegen Vorwürfe aus dem Regierungslager zur Wehr. „Offenbar meint Schröder, er brauche mindestens zwei TV-Anläufe gegen Angela Merkel, um wenigstens einmal gut gegen sie auszusehen“, sagte er der „Leipziger Volkszeitung“. „In 90 Minuten oder etwas mehr läßt sich alles besprechen, was politisch interessant ist und wenn dieses Duell dann noch von vier TV-Sendern gleichzeitig übertragen wird, ist ein Maximum an Aufmerksamkeit gewährleistet.“

Unterdessen hat die CSU eine „Elefantenrunde“ als Kompromiß vorgeschlagen. Diese sollte nach den Vorstellungen des CSU-Fraktionsvorsitzenden im bayerischen Landtag, Joachim Herrmann, ein zweites Duell zwischen Schröder und Merkel ersetzen, das die CDU-Vorsitzende unter Berufung auf Terminprobleme bislang ablehnt. An diesem Mittwoch treffen sich die großen Fernsehsender in Berlin zu einem weiteren Gespräch mit Vertretern Schröders und Merkels, um die festgefahrene Situation zu überwinden.

Entscheidung am Mittwoch?

Bei einem ersten solchen Gespräch am vergangenen Samstag sahen sich die Sender ARD, ZDF, RTL und ProSieben/Sat1 mit der Situation konfrontiert, daß Schröder zu zwei TV-Duellen bereit war, Merkel jedoch nur zu einem. Damit war eine Aufteilung wie 2002 nicht möglich, als es ein Duell unter Moderation und Regie der öffentlich-rechtlichen Sender gegeben hatte und eines unter Federführung der Privatsender.

Angesichts dieser „neuen und überraschenden“ Situation müßten die Sender nun neue Vorschläge erarbeiten, sagte ein ZDF-Sprecher am Montag. Ein RTL-Sprecher äußerte die Hoffnung, daß am Mittwoch eine Entscheidung fallen werde. Zur Vorbereitung des Treffens gebe es Kontakte zwischen den Sendern, die letztlich „am selben Strang ziehen“. Sollte es nur ein TV-Duell geben, ist als Termin der 4. September im Gespräch.

Scheut Merkel die direkte Aueinandersetzung?

Der Münchner CSU-Fraktionsvorsitzende Herrmann sagte der „Bild“-Zeitung: „Am 18. September stehen nicht zwei Kanzlerkandidaten zur Wahl, sondern mehrere Parteien. Darum schlage ich vor, daß wir anstelle eines zweiten Duells Schröder-Merkel eine Elefantenrunde mit den Vorsitzenden der im Bundestag vertretenen Parteien machen, wie wir sie von früher her kennen.“

Sollte Merkel ein zweites TV-Duell verweigern, sei der Kanzler auch bereit, seine Reformpolitik allein im Fernsehen zu erläutern, sagte ein Regierungssprecher am Montag in Berlin. Die bisherige Position Merkels nannte er angesichts des großen öffentlichen Interesses „merkwürdig“. Es stelle sich die Frage, ob sie „die direkte Auseinandersetzung mit dem Kanzler scheut“.

Wenig öffentliches Interesse an Fernseh-Duellen

Merkel hatte ihre Weigerung mit Zeitproblemen begründet. Auch sei ein Fernsehduell nur eine von vielen Möglichkeiten, den Bürger zu informieren. Sie wolle auch in Talkshows gehen und sei zu einer Fernsehrunde der Spitzenkandidaten der Bundestagsfraktionen bereit, hieß es seitens der Union.

Das Interesse der Bürger an Streitgesprächen der Spitzenkandidaten im Fernsehen ist nach einer aktuellen Umfrage nicht besonders groß. 47,6 Prozent sind gar nicht an solchen Fernseh-Duellen interessiert, ergab eine repräsentative Omniquest-Umfrage für den „Kölner Stadt-Anzeiger“ (Dienstag). 29,7 Prozent sagten, sie wünschten sich ein TV-Duell; 20 Prozent wollten gerne zwei davon sehen. 87,2 Prozent gaben an, ihre Wahlentscheidung werde durch ein Duell im Fernsehen „nicht beeinflußt“.

Quelle: FAZ.NET mit Material der dpa/AFP
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