25.01.2005 · Viele Kandidaten der mehr als 250 Parteien, Gruppen und Wahlbündnisse tauchen auf deren Flugblättern überhaupt nicht auf. „Wir müssen sie am Leben halten“, heißt es wegen der Angst vor Terroranschlägen.
Der irakische Wahlkampf nahm zuletzt an vielen Orten konspirative Züge an. In Teilen der Hauptstadt Bagdad und nördlich davon erinnern nur Plakate daran, daß die ersten freien Wahlen seit Jahrzehnten bevorstehen.
Die Angst herrscht selbst unter den Kandidaten der „Vereinigten Irakischen Koalition“ vor; das schiitische Wahlbündnis hat eigentlich gute Aussichten, als Sieger aus den Wahlen am 30. Januar hervorzugehen. Aber auf seinen Flugblättern standen zuletzt nur die Namen von gut dreißig der mehr als zweihundert Kandidaten - „wir müssen sie am Leben halten“, heißt es über die nicht genannten Bewerber.
Nicht alle Iraker ließen sich abschrecken
Die sich verschlechternde Sicherheitslage ließ keine große Begeisterung für die Wahlen aufkommen. Aber nicht alle Iraker ließen sich abschrecken: Gab es im Januar vor zwei Jahren, als noch Saddam Hussein herrschte, nur die Baath-Partei, reichten im Dezember mehr als 250 Parteien, Gruppen und Wahlbündnisse ihre Unterlagen für eine Kandidatur ein.
Die Unabhängige Irakische Wahlkommission sprach zuletzt von 111, die sich beteiligen. Das Feld der etwa 7.000 Bewerber ist längst übersichtlicher geworden und hat sich weitgehend entlang der religiösen und ethnischen Linien gegliedert. Zwar haben die drei wichtigsten Listen auch Kandidaten aus anderen Lagern aufgestellt, aber es ist klar, wer sie dominiert.
Landes- oder Provinzlisten gibt es nicht
Das hat zum Teil auch mit dem Wahlsystem zu tun: Der gesamte Irak wird als ein Wahlkreis betrachtet, Landes- oder Provinzlisten gibt es bei der Parlamentswahl nicht - auch wenn gleichzeitig Regionalwahlen stattfinden.
Es gilt das Verhältniswahlrecht. Das heißt, entsprechend ihren Stimmenanteilen erhalten Parteien und Listen Sitze im 275 Abgeordnete umfassenden Parlament.
Frauen werden ins Parlament einziehen
Garantiert ist auch, daß eine größere Zahl von Frauen ins Parlament einziehen wird: Auf den Wahllisten mußte jeder dritte Platz von einer Kandidatin besetzt werden. Die Wahlen, deren Vorbereitung eine kleinere UN-Mission technisch mit vorbereitete, können aber wohl nicht in allen 18 Provinzen ungehindert stattfinden. Ministerpräsident Allawi gestand schon Schwierigkeiten vor allem in den Provinzen Ninive, wo auch Mossul liegt, und Anbar ein.
In einigen Gebieten wurde aus Sicherheitsgründen noch nicht bekanntgegeben, wo genau die Wahllokale eingerichtet werden. Insgesamt werden es wohl weniger als die ursprünglich angekündigten 5000 Lokale sein.