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Wahlkampf Iran Mit Obamas Mitteln

04.06.2009 ·  Nach dem Vorbild Obamas bedient sich Ahmadineschad-Herausforderer Mussawi in seinem Wahlkampf aller technischen Mittel. Seine Anhänger simsen, bloggen und stellen Videos ins Netz, um die junge Generation zu mobilisieren. Von ihrer Wahlbeteiligung hängt ab, ob Ahmadineschad weiter im Amt bleibt.

Von Christiane Hoffmann, Frankfurt
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So amerikanisch ist es in Iran noch nie zugegangen: Nach dem Vorbild Barack Obamas bedient sich im laufenden Präsidentschaftswahlkampf Präsident Mahmud Ahmadineschads Herausforderer, der ehemalige Ministerpräsident Mir Hussein Mussawi, aller technischen Mittel von Facebook über YouTube bis zu SMS.

Seine Anhänger simsen, bloggen und stellen Videos ins Netz, um die junge Generation zu mobilisieren. Denn von ihrer Wahlbeteiligung wird abhängen, ob Ahmadineschad weitere vier Jahre im Amt bleibt.

„Würde der iranischen Nation beschädigt“

Am Mittwochabend war der iranische Wahlkampf ganz im Westen angekommen. Da saßen sich Ahmadineschad und Mussawi in einem anderthalbstündigen Fernsehduell gegenüber. Zum ersten Mal in der iranischen Geschichte haben so die Wähler die Chance, sich ihre Meinung vor der Wahl am 12. Juni beim direkten Gegenüber der Kandidaten zu bilden.

Teherans Straßen waren am Abend so leergefegt wie sonst nur bei Fußball-Länderspielen. Und die Fernsehzuschauer bekamen einen offenen Schlagabtausch geboten, der mit allen Höflichkeitsregeln der gewöhnlich eher in Andeutungen und blumigen Wendungen ausgetragenen politischen Debatten brach.

Mussawi, der mit seinen 67 Jahren der älteren Politikergeneration angehört, attackierte den Amtsinhaber im Ton ruhig, aber in der Sache scharf: Er habe Mitleid mit dem iranischen Volk wegen der Amtsführung Ahmadineschads, sagte er: "In Ihrer Außenpolitik haben Sie die Würde der iranischen Nation beschädigt."

Schande sei über Iran gebracht worden. Mussawis kritisierte auch die "Bemerkungen" Ahmadineschads zum Holocaust, die international die Sympathien für Israel eher gestärkt hätten. Für die israelische Regierung sei die Politik Ahmadineschads geradezu ein Segen.

Zum ersten Mal: Ehefrau aktiver Bestandteil im Wahlkampf

Ahmadineschad verteidigte geschickt seine Außenpolitik, indem er die jüngste Kursänderung der amerikanischen Politik gegenüber Iran als sein Verdienst darstellte. Ansonsten bemühte er sich, Mussawi in die Nähe des unpopulären ehemaligen Präsidenten Rafsandschani zu rücken, der vor vier Jahren gegen den damals weitgehend unbekannten Bürgermeister von Teheran unterlegen war.

"Gegen mich tritt nicht ein einzelner Kandidat an, sondern eine Gruppe, deren Hauptstütze Herr Haschemi Rafsandschani ist", sagte Ahmadineschad, der Mussawi zweimal während dessen Redezeit ins Wort fiel. Er wandte sich in einem direkten persönlichen Angriff gegen Mussawis Ehefrau Sahra Rahnavard. Mussavi bezieht - auch dies ein Novum in Iran - seine Frau aktiv in den Wahlkampf ein.

Mussawi, der vor allem in der städtischen Mittelschicht Anhänger hat, warf dem Präsidenten vor, das Land in Richtung einer Diktatur zu führen. Seine Regierungsarbeit sei von "Abenteurertum, Instabilität, Rechtlosigkeit und Radikalismus" geprägt.

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Jahrgang 1967, politische Korrespondentin der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

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