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Wahlkampf in Rheinland-Pfalz : Mit den Waffen zweier Frauen

Das selbe Ziel im Blick: Julia Klöckner (links) und Malu Dreyer. Bild: Picture-Alliance

Julia Klöckner will Ministerpräsidentin werden, Malu Dreyer will es bleiben. Was tun? Natürlich kämpfen - lächelnd, freundlich und mit allen Tricks.

          Malu Dreyer und Julia Klöckner haben nicht viel übereinander zu sagen. Die beiden Spitzenkandidatinnen für die rheinland-pfälzische Landtagswahl werden von Journalisten zwar ständig gefragt, wie sie die jeweils andere finden – und wie das erste Duell zweier Frauen um ein Ministerpräsidentenamt. Aber da kommen nur Floskeln.

          Timo Frasch

          Politischer Korrespondent für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland mit Sitz in Wiesbaden.

          Das hat vor allem strategische Gründe. Die CDU und ihre Landesvorsitzende Klöckner wissen, dass Frontalangriffe auf Dreyer schlecht ankämen, allein schon, weil die multiple Sklerose hat. Die SPD ihrerseits sieht in der Fokussierung auf Ministerpräsidentin Dreyer die letzte Chance, nach einem Vierteljahrhundert weiter an der Macht zu bleiben. Derzeit liegen die Sozialdemokraten bei 31 Prozent, die CDU lag bei 37. Dreyer ist zwar erst drei Jahre im Amt; sie hat es auch nicht selbst erobert, sondern von ihrem Vorgänger Kurt Beck geerbt.

          Zehn Jahre Altersunterschied

          Trotzdem wird sie von ihrer Partei als „unsere Landesmutter“ inszeniert. Zu diesem Image passt es nicht, wenn man schlecht über andere spricht. Es ist, davon abgesehen, nicht Dreyers Stil. Kein Wunder, dass auch sie die Konkurrentin weitgehend ignoriert.

          Den beiden Frauen dürfte das nicht schwerfallen, sie sind einander innerlich fremd. Klöckner wurde 1972 geboren. Sie ist groß geworden in einem Dorf nahe Bad Kreuznach, auf dem elterlichen Weingut. Das ist ein Umfeld, in dem es nicht immer zimperlich zugeht, in dem die Kraft des Faktischen noch sehr gegenwärtig ist. Mit Anfang zwanzig wurde sie zur Deutschen Weinkönigin gewählt. Sie war es gerne – und hat dabei ihre Erfahrungen gemacht.

          Zum Beispiel, dass es nichts bringt, jedes Wort von anderen, Männer inbegriffen, auf die Goldwaage zu legen. Eine Szene aus dem Mainzer Landtag, 2014: Vor der Sitzung stehen ein paar Abgeordnete aus Klöckners Fraktion sichtlich geschmeichelt um ihre Chefin herum. Einer der Herren macht einen Scherz über ihren Ausschnitt. Klöckner erwidert: „Kann ich was für den Winkel deiner Augen?!“

          Auch Dreyer kann keck sein – aber so was wäre untypisch für sie. Sie ist gut zehn Jahre älter als Klöckner. Die Friedens- und die Frauenbewegung hat sie in einer Lebensphase mitbekommen, in der man dafür am empfänglichsten ist. Zwar ist auch Dreyer nicht in der großen Stadt aufgewachsen, aber immerhin in Neustadt an der Weinstraße. Dreyers Mutter war Erzieherin, der Vater Schuldirektor. Das war damals Bildungsbürgertum: konservativ, aber doch weltläufig genug, dass der Herr des Hauses, der in der CDU war, von seiner Tochter nicht dieselbe politische Präferenz verlangte.

          Dreyer stand früh ziemlich weit links – und tut es heute noch. Keine gute Sache war vor ihrem Engagement sicher, schon gar nicht die feministische. Eine Wahl zur Weinkönigin hätte sich damit kaum vertragen. Die Rolle einer Landesmutter allerdings auch nicht. Beim „Adventsgrillen“ der Landesregierung wurde Dreyer gefragt, ob sie mit dem Begriff „Landesmutter“ angesichts ihrer Biographie Schwierigkeiten habe. Dreyer: „Zu meiner eigenen Überraschung geht es mir eigentlich ziemlich gut damit. Das hätte ich mir am ersten Amtstag nicht vorstellen können. Das sage ich auch ganz frank und frei. Wenn ich auf Veranstaltungen bin, dann sagen total viele Leute: Sie sind ’ne prima Landesmutter. Am Anfang ist das seltsam, irgendwie. Inzwischen ist es so ein Stück Identifikation der Leute mit meinem Amt, meiner Person, das ist positiv.“

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