http://www.faz.net/-gpf-8cgdz
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 17.01.2016, 17:19 Uhr

Wahlkampf in Rheinland-Pfalz Mit den Waffen zweier Frauen

Julia Klöckner will Ministerpräsidentin werden, Malu Dreyer will es bleiben. Was tun? Natürlich kämpfen - lächelnd, freundlich und mit allen Tricks.

von
© Picture-Alliance Das selbe Ziel im Blick: Julia Klöckner (links) und Malu Dreyer.

Malu Dreyer und Julia Klöckner haben nicht viel übereinander zu sagen. Die beiden Spitzenkandidatinnen für die rheinland-pfälzische Landtagswahl werden von Journalisten zwar ständig gefragt, wie sie die jeweils andere finden – und wie das erste Duell zweier Frauen um ein Ministerpräsidentenamt. Aber da kommen nur Floskeln.

Timo Frasch Folgen:

Das hat vor allem strategische Gründe. Die CDU und ihre Landesvorsitzende Klöckner wissen, dass Frontalangriffe auf Dreyer schlecht ankämen, allein schon, weil die multiple Sklerose hat. Die SPD ihrerseits sieht in der Fokussierung auf Ministerpräsidentin Dreyer die letzte Chance, nach einem Vierteljahrhundert weiter an der Macht zu bleiben. Derzeit liegen die Sozialdemokraten bei 31 Prozent, die CDU lag bei 37. Dreyer ist zwar erst drei Jahre im Amt; sie hat es auch nicht selbst erobert, sondern von ihrem Vorgänger Kurt Beck geerbt.

Zehn Jahre Altersunterschied

Trotzdem wird sie von ihrer Partei als „unsere Landesmutter“ inszeniert. Zu diesem Image passt es nicht, wenn man schlecht über andere spricht. Es ist, davon abgesehen, nicht Dreyers Stil. Kein Wunder, dass auch sie die Konkurrentin weitgehend ignoriert.

 
Wahlkampf in Rheinland-Pfalz: Dreyer im Vergleich mit Klöckner

Den beiden Frauen dürfte das nicht schwerfallen, sie sind einander innerlich fremd. Klöckner wurde 1972 geboren. Sie ist groß geworden in einem Dorf nahe Bad Kreuznach, auf dem elterlichen Weingut. Das ist ein Umfeld, in dem es nicht immer zimperlich zugeht, in dem die Kraft des Faktischen noch sehr gegenwärtig ist. Mit Anfang zwanzig wurde sie zur Deutschen Weinkönigin gewählt. Sie war es gerne – und hat dabei ihre Erfahrungen gemacht.

Zum Beispiel, dass es nichts bringt, jedes Wort von anderen, Männer inbegriffen, auf die Goldwaage zu legen. Eine Szene aus dem Mainzer Landtag, 2014: Vor der Sitzung stehen ein paar Abgeordnete aus Klöckners Fraktion sichtlich geschmeichelt um ihre Chefin herum. Einer der Herren macht einen Scherz über ihren Ausschnitt. Klöckner erwidert: „Kann ich was für den Winkel deiner Augen?!“

Mehr zum Thema

Auch Dreyer kann keck sein – aber so was wäre untypisch für sie. Sie ist gut zehn Jahre älter als Klöckner. Die Friedens- und die Frauenbewegung hat sie in einer Lebensphase mitbekommen, in der man dafür am empfänglichsten ist. Zwar ist auch Dreyer nicht in der großen Stadt aufgewachsen, aber immerhin in Neustadt an der Weinstraße. Dreyers Mutter war Erzieherin, der Vater Schuldirektor. Das war damals Bildungsbürgertum: konservativ, aber doch weltläufig genug, dass der Herr des Hauses, der in der CDU war, von seiner Tochter nicht dieselbe politische Präferenz verlangte.

Dreyer stand früh ziemlich weit links – und tut es heute noch. Keine gute Sache war vor ihrem Engagement sicher, schon gar nicht die feministische. Eine Wahl zur Weinkönigin hätte sich damit kaum vertragen. Die Rolle einer Landesmutter allerdings auch nicht. Beim „Adventsgrillen“ der Landesregierung wurde Dreyer gefragt, ob sie mit dem Begriff „Landesmutter“ angesichts ihrer Biographie Schwierigkeiten habe. Dreyer: „Zu meiner eigenen Überraschung geht es mir eigentlich ziemlich gut damit. Das hätte ich mir am ersten Amtstag nicht vorstellen können. Das sage ich auch ganz frank und frei. Wenn ich auf Veranstaltungen bin, dann sagen total viele Leute: Sie sind ’ne prima Landesmutter. Am Anfang ist das seltsam, irgendwie. Inzwischen ist es so ein Stück Identifikation der Leute mit meinem Amt, meiner Person, das ist positiv.“

1 | 2 | 3 | 4 | 5 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Sichere Herkunftsstaaten Kretschmann verspricht Zustimmung

Baden-Württembergs Ministerpräsident schert mit seiner Entscheidung aus der Linie der Grünen aus. Der erzielte Kompromiss sei ausreichend. Andere Grüne feiern hingegen die Verlegung der Abstimmung. Mehr

17.06.2016, 11:36 Uhr | Politik
Quiz zum Brexit Britische Sonderwege

Sagen die Briten sich von der EU los? Es wäre nicht der einzige Punkt, in dem sie ihren eigenen Weg gehen. Testen Sie Ihr Wissen über die britischen Besonderheiten! Mehr Von Julia Bähr und Andrea Diener

22.06.2016, 14:15 Uhr | Wirtschaft
Suche nach entflohenem Mörder Jetzt doch öffentliche Fahndung

Nach der Flucht eines Häftlings in Limburg beginnt die öffentliche Suche. Bisher hat die Staatsanwaltschaft darauf verzichtet. Die CDU-Opposition sieht Widersprüche bei der Fahndung. Mehr

17.06.2016, 18:14 Uhr | Rhein-Main
Ohne Arme, ohne Beine Ich bin nicht behindert, ich werde behindert

Janis McDavid hat keine Arme und keine Beine, bewegt sich völlig souverän und fährt sogar Auto. Ich will ein ganz normales Leben führen, sagt er. Ein Interview. Mehr Von INGE KLOEPFER, Fotos JULIA ZIMMERMANN

01.06.2016, 16:52 Uhr | Wirtschaft
Junge Akademie Mainz Mitgefühl unter Juristen und Bakterien

In der neugegründeten Jungen Akademie Mainz suchen Nachwuchsforscher den Austausch über Fächergrenzen hinweg. Zentral ist die Neugier auf das, was Wissenschaftler in anderen Disziplinen tun. Mehr Von Sascha Zoske

26.06.2016, 09:17 Uhr | Beruf-Chance

So nicht!

Von Lorenz Hemicker

Die Regierung Erdogan besteht auf einem Besuchsverbot für deutsche Politiker bei der Bundeswehr in Incirlik. Ein beispielloser Schritt unter Nato-Partnern. Die Verteidigungsministerin kontert - mit der richtigen Antwort. Mehr 54 151

Abonnieren Sie den Newsletter „Politik-Analysen“