20.09.2004 · Der amerikanische Sender CBS hat eingestanden, daß von ihm präsentierte militärische Unterlagen über eine bevorzugte Behandlung von Präsident Bush während des Vietnamkrieges möglicherweise gefälscht waren.
Der amerikanische Fernsehsender CBS hat Fehler in seiner Berichterstattung über den umstrittenen Militärdienst von Präsident George W. Bush eingestanden Es seien Dokumente verwendet worden, deren Echtheit nicht bewiesen werden könne, teilte CBS-Nachrichtenchef Andrew Heyward am Montag mit. „Wir hätten sie nicht verwenden sollen, das war ein Fehler, den wir zutiefst bedauern“, hieß es in der Erklärung. Der Sender kündigte eine unabhängige Untersuchung an.
Die umstrittenen Unterlagen waren am 8. September in der renommierten Sendung „60 Minutes“ des Starjournalisten Dan Rather ausgestrahlt worden. Der Chef der Einheit der texanischen Nationalgarde, in der Bush Anfang der 70er diente, Oberstleutnant Jerry Killian, behauptete darin angeblich, die Dienstaufzeichnungen des späteren Staatschefs seien geschönt worden. CBS berichtete zudem, Bush habe über Beziehungen seiner Familie den sicheren Posten bei der Nationalgarde erhalten, der ihn vor dem Vietnam-Einsatz bewahrte.
Zweifel an der Glaubwürdigkeit
Die Witwe Killians äußerte später Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Dokumente. Experten wiesen zudem daraufhin, daß die ihrem Mann zugeschriebenen Aktennotizen nicht mit einer der damals üblichen Schreibmaschinen verfaßt worden seien. CBS beharrte zunächst auf der Echtheit der Dokumente, die von dem früheren Nationalgardisten Bill Burkett stammten. In einem Interview, das am Montag abend gesendet werden sollte, gab Burkett zu, die CBS-Journalisten über die Herkunft der Dokumente getäuscht zu haben. Er habe dies getan, um seine eigentliche Quelle zu schützen.
Das Weiße Haus begrüßte am Montag die Erklärung des Fernsehsenders. Es seien jedoch noch Fragen offen, fügte Regierungssprecher Scott McClellan in Derry im Bundesstaat New Hampshire hinzu. So sei zu klären, warum CBS den Angaben Burketts Glauben geschenkt habe. Die vermuteten Unregelmäßigkeiten während seines Militärdienstes sind ein Dauerbrenner im Wahlkampf zwischen Bush und seinem demokratischen Herausforderer John Kerry.
Anders als der Präsident diente Kerry in Vietnam und erhielt dort mehrere Tapferkeitsmedaillen. Nach Vorwürfen der Demokraten hatte Bush im Februar seine Militärakten veröffentlichen lassen. Die Unterlagen ließen jedoch eine Reihe von Fragen offen. Nach einer richterlichen Anordung veröffentlichte das Pentagon am Freitag weitere Dokumente.