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Wahlkampf Der Mann an Stoibers Seite

23.01.2002 ·  Mit dem Medienprofi Michael Spreng hat die Union keinen Missgriff getan. Jetzt kommt es darauf an, mehr als nur das Bild eines Kompetenz-Kanzlers zu entwerfen. Ein Portrait.

Von Susanne Scheerer
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Michael Spreng wird den Kanzlerkandidaten der Union nicht in einen Kaschmir-Anzug zwängen. Eher schon in eine graue Feinstrickweste, mit offenem Hemd und ohne Krawatte. In diesem legeren Outfit wird der ansonsten zugeknöpfte Stoiber derzeit in Bayern herumgezeigt. Allerdings hat das erste richtige Wahlkampfplakat nicht Spreng, sondern die CSU zu verantworten.

Ob er sich so den authentischen Stoiber vorstellt, wurde der gelernte Journalist von seinesgleichen nicht gefragt. Der Medienprofi definierte selbst: ein liebevoller Familienvater, der auch herzlich lachen kann. Eine Kostprobe davon fand sich - welch Zufall - selben Tags auf der Titelseite einer großen Boulevardzeitung. Ein Stoiber wie ihn keiner kennt: milde lächelnd, den kranken Enkelsohn zärtlich auf dem Arm.

Keine öffentlichen Ratschläge

Michael Spreng kennt das Geschäft. Im Gegensatz zu seinem politischen Schützling, dem die Medien seinen Auftritt bei Sabine Christiansen immer noch nachtragen, verhedderte sich der ehemalige Chefredakteur der „Bild am Sonntag“ (BamS) kein einziges Mal. Einmal abgesehen von der Anbiederung an seine Ex-Kollegen von der Presse („Auf Ihrer Seite würde ich mich wohler fühlen“) und einer missglückten Wortneuschöpfung aus der Werbewelt („Das wird für mich eine spannende Challenge“) beherrschte der 53-Jährige die Szene auch in brenzligen Situationen. Herrn Stoiber und Frau Merkel - beide waren ins Konrad-Adenauer-Haus gekommen, um den Leiter des Stoiber-Teams zu präsentieren - schickte Spreng umgehend in die Fraktionssitzung, als er merkte, dass die Journalisten aus seinem Vorstellungstermin eine peinliche Fragestunde für den Kanzlerkandidaten machen wollten. Den drängenden Fragen der Presse entzog er sich mit dem Satz: Öffentlich gebe er seinem neuen Chef keine Ratschläge.

Merkel hat ihren Kopf durchgesetzt

Mit der Wahl Sprengs zum Kandidaten-Berater scheint vorerst ein Schlussstrich gezogen unter den immer noch schwelenden Machtkampf zwischen Edmund Stoiber und der CDU-Vorsitzenden Angela Merkel. Die Partei-Chefin mochte den Stoiber-Favoriten und Intimus des hessischen Ministerpräsidenten Koch, Franz Josef Jung, als Koordinator des Bundestagswahlkampfes nicht akzeptieren. Mit der Berufung Sprengs, einem Nicht-Parteimitglied ohne politische Ambitionen, hat Merkel ihren Kopf durchgesetzt.

Wieder ein Springer-Mann

Spreng ist nicht der erste Ex-Springer-Mann, der das ideale Kandidaten-Bild entwerfen und in der Öffentlichkeit verbreiten soll. Vier Monate vor dem Bundestagswahltermin am 27. September 1998 berief der damalige Kanzler Kohl Ex-„Bild“-Chefredakteur Hans-Hermann Tiedje zu seinem persönlichen Berater. Der von der „taz“ als „Rambo des deutschen Boulevardjournalismus“ apostrophierte Medienmacher sollte die Union aus ihrem Stimmungstief holen.

Spreng, der 1989 fast zeitgleich mit Tiedje in die Redaktionsleitung des Springer-Verlags einstieg, wird dagegen nachgesagt, er sei ein unabhängiger Kopf. Zu diesem Image haben seine kritischen Äußerungen über Alt-Kanzler Kohl und dessen Rolle im CDU-Spendenskandal ebenso beigetragen wie seine Kritik an Springer-Gesellschafter Leo Kirch. Nach elf Jahren an der Spitze der BamS musste Spreng bei Springer seinen Hut nehmen. Seither ist er als freier Medienberater unterwegs.

Kein dritter Missgriff

Nach den Missgeschicken bei der Auswahl des CDU-Generalsekretärs hat die Union zumindest vorübergehend einen Mann gefunden, der etwas von Kampagnen versteht und weiß, wie Medienleute ticken. Einen lupenreinen Kompetenzwahlkampf dürfte es deshalb -trotz der Beteuerungen Sprengs - nicht geben. Mag der Stoiber-Team-Leiter heute die Nase rümpfen über die Show des Kaschmir-Kanzlers, längst weiß er, dass mit nackten Zahlen und solidem Fachwissen keine Bundestagswahl zu gewinnen ist. Doch wie sagte der neue Mann: „Jeder Kandidat ist verbesserungsfähig“.

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