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Hessen-SPD Walter fordert Nissen zum Rückzug auf

Die Schlammschlacht in der hessischen SPD geht weiter. Obwohl sich die Frankfurter Bundestagskandidatin Ulrike Nissen für negative Äußerungen über die „Abweichlerin“ Carmen Everts entschuldigt hatte, bezeichnete der „Abweichler“ Jürgen Walter sie als „brutal und hirnlos“.

© AP Der Streit geht weiter: Carmen Everts und Jürgen Walter im November im Wiesbadener Landtag

Die von der Frankfurter SPD als Direktkandidatin für den Bundestag nominierte Politikerin Ulrike Nissen hat sich in einem offenen Brief an FAZ.NET bei den drei SPD-Abgeordneten Silke Tesch, Carmen Everts und Jürgen Walter für ihre Äußerung entschuldigt, der „Abweichlerin Frau Everts sollen die Beine abfaulen“.

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Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung hatte über den Satz berichtet, mit dem Frau Nissen auf einem Unterbezirksparteitag in Frankfurt kritisiert hatte, dass Frau Everts der SPD-Vorsitzenden Andrea Ypsilanti die Gefolgschaft bei der Wahl zur Ministerpräsidentin verweigerte.

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Nissen: „Ich schäme mich!“

Frau Nissen hatte sich am Sonntag bei FAZ.NET bereits bei Silke Tesch entschuldigt, nachdem sie durch den Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung erfahren hatte, dass ihre Parteifreundin als Kind durch einen Unfall ein Bein verloren hat.

nissen © Wonge Bergmann Vergrößern Herdprämie: Ulrike Nissen überreicht Oskar Lafontaine im August 2007 den „1. Herdprämien Ehrenpreis”

In ihrem offenen Brief schreibt Frau Nissen jetzt: „Die Aussage ,Beine abfaulen‘ ist widerlich! Ich bedaure meine Wortwahl ausdrücklich. Der Ärger/Enttäuschung darüber, dass Ihr 24 Stunden vor der Abstimmung Euer Gewissen entdeckt habt, mag noch so groß gewesen sein, es rechtfertigt so eine Aussage in keinem Fall!!! Das Wort ,abfaulen‘ in der Verbindung mit einem Menschen (ob gesund oder nicht) gebraucht zu haben, beschämt mich selbst außerordentlich und ich kann mich dafür nur entschuldigen. Ich schäme mich für diese Aussage und bedaure sie zutiefst!“

Walter: „Brutal und hirnlos!“

Walter teilte am Montag mit, angesichts des Schicksals, das Silke Tesch als Kind erlitten habe, sei die Entgleisung Nissens an „Niedertracht und Gemeinheit nicht zu überbieten“. Frau Nissens Äußerung sei „menschenverachtend“. Nissen habe sich damit für „öffentliche Ämter aller Art disqualifiziert“.

Walter teilte weiter mit, er erwarte, dass Frau Nissen auf eine Kandidatur für die Bundestagswahl 2009 verzichte. Es sei inakzeptabel, dass die SPD von einer „derart brutalen und hirnlosen Person“ repräsentiert werde. Bestürzt zeigte sich Walter auch über die Reaktion vieler Delegierter des Frankfurter SPD-Unterbezirksparteitags, die der Entgleisung Nissens applaudiert hatten. „Wenn das so weiter geht in der hessischen SPD, dann werden noch mehr anständige Sozialdemokraten aus der Partei austreten“, äußerte Walter.

Auch ein Vorstandsmitglied des hessischen SPD-Bezirks Süd, der ehemalige Europa-Abgeordnete Ozan Ceyhun, unterstützt Walters Forderung, Nissen solle von einer Bewerbung für den Bundestag absehen. Ceyhun sagte dieser Zeitung: „Ich schäme mich, dass bei uns, bei den Sozialdemokraten, derart menschenverachtende Äußerungen gemacht werden können.“

Quelle: F.A.Z.

 
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