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Flashmobs : Blitzmeuten im Spätwahlkampf

Weggemobbt: Merkel-Plakat in Hamburg Bild: REUTERS

Sie kommt scheinbar aus dem Nichts, ist laut, und ihr Jubel bedeutet kein Lob: die Blitzmeute. Der sogenannte „Flashmob“ changiert zwischen Internet-Spaßgesellschaft und Protestbewegung 2.0. Nicht nur Kanzlerin Merkel macht er zu schaffen.

          Sie kommt scheinbar aus dem Nichts, ist laut und ihr Jubel bedeutet kein Lob: die Blitzmeute. Schon zum zweiten Mal hatte Angela Merkel am Montagabend während einer Wahlkampfrede in Mainz mit etwa 150 Besuchern zu schaffen, die jeden ihrer Sätze - gleich welchen Inhalts - mit einem lautstarken und langgezogenen „Yeaahh“-Ruf quittierten.

          Reinhard Bingener

          Politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.

          Reinhard Veser

          Redakteur in der Politik.

          Marie Katharina Wagner

          Redakteurin in der Politik.

          Am vergangenen Freitag war der Kanzlerin auf dem Gänsemarkt in Hamburg bei einer Veranstaltung Ähnliches widerfahren. In Mainz hatten die Rufer ihr Repertoire allerdings schon erweitert: Neben dem Jubelruf wurden wahllos einzelne Wörter aus der Rede der Kanzlerin wiederholt, etwa „Wachstum“, „fünf“ oder „Hintertür“. Der erfolgreichste Mitschnitt bringt es bei „Youtube“ auf mehr als 200.000 Aufrufe (siehe auch das Video bei Youtube: Flash Mob bei Merkel-Auftritt in Hamburg).

          Zwischen Internet-Spaßgesellschaft und Protestbewegung 2.0

          Die Aktion der Blitzmeute changiert zwischen Internet-Spaßgesellschaft und Protestbewegung 2.0, zwischen „Smartmob“ und „Flashmob“. Der Flashmob sucht lediglich die Zerstreuung und Erheiterung in den Zwängen des Großstadtlebens, der Smartmob hingegen ist eine Form der politischen Agitation. Beiden ist gemeinsam, dass der Aufruf zur Ad-hoc-Vergemeinschaftung über Blogs, Twitter, SMS und MMS verbreitet wird. Die Grenzen zwischen Spontaneität und konzertierter Aktion sind dabei jeweils fließend.

          Flashmob in Kiew
          Flashmob in Kiew : Bild: AFP

          Ausgangspunkt der Flashmobs in Hamburg und Mainz war die Verunstaltung - wohlwollender könnte man auch sagen: die Verfremdung - eines CDU-Plakats. Auf diesem wurde unter einem Konterfei der Kanzlerin mit dem Schriftzug „Die Kanzlerin kommt“ für deren Auftritt auf dem Hamburger Gänsemarkt geworben. Statt der Kanzlerin mit schwarzem Filzmaler einen schmalen Oberlippenbart oder einen raumgreifenden Gebissschaden anzudichten, erweiterte ein Unbekannter den Satz „Die Kanzlerin kommt“ um die Worte „und Alle so: Yeaahh“.

          Über ein Foto des Plakats entspann sich eine Diskussion in Internetforen, wie denn die eigenartige Komik dieser Worte auf einen Begriff zu bringen sei. Ein Eintrag am Tag vor Merkels Rede bündelte dann die Diskussion zu einem Aufruf: „Gerne wäre ich morgen in Hamburg! Wer geht hin? Ein ,Yeaahh'-Flashmob?“, dem ein anderer Besucher des Forums sogleich die Pointe für den Auflauf lieferte: „LOL, ein Flashmob, der nach jedem Satz ,Yeaahh!' ruft, wäre unglaublich fantastisch :)“.

          Campact-Mob und Blitzmeute

          Zunächst galt die Internet-Plattform „Campact“ als Initiator der Flashmobs in Hamburg und Mainz. Campact organisiert per Newsletter Kampagnen gegen Atomkraft und andere Themen und hatte schon seit dem 15. September zu Flashmobs bei Wahlkampfauftritten von Angela Merkel, Guido Westerwelle und Karl-Theodor zu Guttenberg aufgerufen. Auf ein Zeichen hin hielten etwa hundert Aktivisten kollektiv schwarz-gelbe Anti-Atomkraft-Plakate hoch und zerrissen sie dann stumm.

          In Hamburg vermischte sich der Campact-Mob mit der Yeah-Blitzmeute, so dass sich die Plakat-Aktion „zu den ersten Worten der Kanzlerin verselbständigte“ und nicht „wie geplant - auf unser Zeichen“ begann, wie Campact im Internet schrieb. Christoph Bautz aus dem Führungsteam der Plattform distanzierte sich von den Yeah-Rufern. Ihre Aktion sei „eher unpolitisch“ gewesen und außerdem eine „massive Störung“ der Veranstaltung, was Campact ausdrücklich ablehne. Ihr Ziel sei es, durch die Flashmobs kurze Impulse zu geben, die nur etwa eine Minute dauerten.

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