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Wahl zum Bundespräsidenten : Das Kreuz mit den Promis

  • -Aktualisiert am

Ottfried Fischer, Tölzer „Bulle”, war schon 2004 für die SPD dabei Bild: ddp

Noch fünf Wochen bis zu „Deutschland sucht den Bundespräsidenten“: Weil am 23. Mai nicht nur Profis, sondern auch bekannte Amateure mitwählen dürfen, ist die Laien-Polit-Show schön unberechenbar - und richtig sexy.

          Lange bitten musste man ihn nicht. Ein Anruf genügte, und Feridun Zaimoglu war überzeugt, dass er dabei sein wollte beim „Ausflug in die Hauptstadt“. Er freut sich schon. Wie es sich gehört für Anlässe wie „eine Hochzeit oder ein Fest“, wird er am 23. Mai Anzug tragen, „aber ohne Krawatte“. Wird am Kieler Hauptbahnhof in den ICE einsteigen, in Hamburg umsteigen und ab nach Berlin, viereinhalb Stunden. Das „Reisekostenabrechnungsformular“ fand sich bereits in seinem Briefkasten, die Bundesregierung lässt sich nicht lumpen: Der Schriftsteller (“Kanak Sprak“, „Leyla“) reist erster Klasse.

          Noch fünf Wochen bis zu „Deutschland sucht den Bundespräsidenten“. Die beliebte Laien-Polit-Show hat ihre festen Regeln. Anders als in Amerika, anders als in Frankreich darf bei uns das ganze echte Volk zwar nicht mitspielen. Volksartiger Charakter ist dennoch garantiert, nämlich dank Mitbürgern wie Feridun Zaimoglu. Der Deutsche mit türkischen Eltern wurde von der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen nominiert als einer der 1224 Delegierten der Bundesversammlung. Wie sie sich zusammensetzt, ist eine Frage, die bei „Wer wird Millionär?“ schon manchem Kandidaten das Genick gebrochen hat. Kurz zusammengefasst: Zur Bundesversammlung zählen die 612 Abgeordneten des Bundestages und die gleiche Anzahl an Vertretern der Länder - nicht notwendigerweise Landtagsabgeordnete, sondern Prominente, Sportler, Künstler - wer auch immer von den Landtagsfraktionen der Parteien als geeignet nominiert wird.

          „Ach, den kenn ich doch“

          Feridun Zaimoglu, so viel schon mal zur Beruhigung der Grünen, ist kein Wackel-Abstimmer. „Ich mache keinen Hehl aus meiner großen Sympathie. Viele Argumente sprechen für Frau Schwan: ihre Klugheit, ihr Charme, ihr Wissen.“ Interviews mit ihr hat der Kieler Delegierte schon seit Monaten verfolgt. Nun ist er neugierig, sie selbst zu erleben. Und nicht nur sie. Er spekuliert, „dass man in der Hektik mit so jemandem wie Friede Springer oder Nina Petri zusammenstößt und sich daraus ein Gespräch entwickelt. Man wird sich beäugen - so nach Art von: Ach, den kenn ich doch.“

          Doris Schröder-Köpf wählt für die bayerische SPD
          Doris Schröder-Köpf wählt für die bayerische SPD : Bild: dpa

          Genau - die kennt man doch, die große Verlegerin. Diese Schauspielerin. Oder diese süße Fußball-Nationalspielerin Martina Müller (für die niedersächsische SPD dabei). Sie und ihresgleichen sind es, die den Wettkampf Köhler gegen Schwan und Sodann prickelnd und sexy machen, für die Zuschauer draußen im Lande ebenso wie für die agierenden Amateure, die es ausnahmslos als „Ehre“ einstufen, dabeisein zu dürfen. Aber deshalb die Unabhängigkeit aufgeben? Kommt nicht in Frage, jedenfalls nicht für Nina Petri (“Polizeiruf 110“, „Lola rennt“), von der Hamburger SPD ins Rennen geschickt. „Ich werde mich vorbereiten“, kündigt sie an, „mir die Kandidaten anschauen und dann meine Entscheidung treffen.“ Nur keine Eile: „Gewählt wird schließlich erst am 23. Mai.“

          Ein einmaliges Volkstheater

          Den eigenen Glamourfaktor spielt die fünfundvierzigjährige alleinerziehende Mutter eher herunter, um allerdings hinzuzufügen: „Ich habe in Hamburg eine gewisse Präsenz, und ich kann meinen Mund nicht halten, wenn es um Ungerechtigkeit Frauen gegenüber geht. Ich engagiere mich beim Frauen-Notruf und für das Projekt Schulen für Afrika.“ Sie sei häufig auf ihre neue Rolle angesprochen und sogar gefragt worden, was sie anziehen werde. „Bei einer Gala überlege ich mir vorher genau, welches Abendkleid ich anziehe.“ Das tut in diesem Fall „nich nötich“, wie es in Hamburg heißt.

          Die Wahlfrau kann sich auf einen Kollegen freuen, der ihr in der Menge kaum entgehen dürfte: Ottfried Fischer, der populäre „Bulle von Tölz“. Ein Wiederholer, der bereits 2004 dabei war und daher weiß, wie es geht. Nicht schaden kann es, etwas zu lesen mitzunehmen. Denn das Procedere zieht sich; mehr als 1200 Menschen stehen herum, gucken, schwätzen, laufen rein, laufen raus, stecken schließlich blaue Stimmzettel in Plexiglas-Urnen und warten, ob Bundestagspräsident Lammert sich ebenso schöne Versprecher leistet wie Wolfgang Thierse beim letzten Mal, als er die Abgeordneten in die „Osthalde“ statt in die Osthalle schickte. Viele fotografieren jedes Gesicht, das ihnen irgendwie bekannt vorkommt, geben sich gegenseitig Autogramme und rufen ins Mobiltelefon: „Nee, ist noch nicht ausgezählt. Hast du mich im Fernsehen gesehen?“ Kurz: Es ist einmaliges Volkstheater, und so wird sich Christian Stückl, der Intendant der gleichnamigen Münchner Bühne und Regisseur der Oberammergauer Passionsfestspiele (für die Grünen dabei), ganz daheim vorkommen: „Als Theatermensch finde ich es spannend und möchte es unbedingt sehen.“

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