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Wahl in Schleswig-Holstein : Im Norden nichts Neues?

  • -Aktualisiert am

SPD-Kanzlerkandidat Schulz, Spitzenkandidat und Ministerpräsident Albig: Geht die Wahl in Kiel am Ende so aus, wie die Umfragen es vorhersehen? Bild: dpa

Vor der Wahl in Schleswig-Holstein sind viele Wähler noch unentschlossen. Mancher Wahlkämpfer hofft schon, dass sie am Sonntag strategisch wählen wie jüngst im Saarland. Aber ist das in Schleswig-Holstein überhaupt sinnvoll? Ein Gastbeitrag.

          Die Vorwahlwürfel in Schleswig-Holstein sind gefallen: Mit dem „Politbarometer Extra“ der Forschungsgruppe Wahlen ist am Donnerstag die letzte Umfrage vor dem Wahlgang am Sonntag im hohen Norden erschienen. Die Zahlen sind in Bewegung, die Vorsprünge knapp, der Ausgang offen. „Zudem wissen 35 Prozent der Wähler noch nicht sicher, wen oder ob sie wählen wollen“, heißt es beim ZDF. Jetzt beginnt also die Zeit der Strategen – weniger in den Parteizentralen, sondern der Wählerschaft. Oder?

          Jedes Wort der ZDF-Meldung gilt es zu beachten: „wen oder ob sie wählen“. Bekannt ist nämlich seit langem: Bürger, die so kurz vor einer Wahl noch unentschlossen sind, weisen ein deutlich geringeres Interesse an Politik, Parteien und Wahlen auf. Viele sind noch unentschlossen, gerade weil sie sich nicht intensiv mit Politik beschäftigen – mit der Konsequenz, dass sie am Wahltag einfach nichts tun und zu Hause bleiben. Das bedeutet keineswegs, dass diese Gruppe für Wahlkämpfer auf den letzten Metern uninteressant ist, im Gegenteil: Die Partei, der es gelingt, die Wählergruppe auf der Zielgeraden zu erreichen und zu motivieren, kann einen immensen Vorteil daraus ziehen. Ob das klappt, ist aber nicht klar. Klar dagegen ist: Um „Strategen“ der Wählerschaft handelt sich zumindest bei diesen Wählern sicher nicht.

          Umfrage zur Landtagswahl in Schleswig-Holstein

          , Umfrage von:
          Quelle: wahlrecht.de Alle Ergebnisse aus Bund und Ländern

          Die strategischen Wähler müssen also woanders sein. Wähler, die bis zur letzten Sekunde warten, um eine für sie optimale Wahlentscheidung zu treffen, nicht zuletzt als Reaktion auf letzte Umfragen. Die Wahl im Saarland hat das jüngst gezeigt: Die Saarländer wollten unbedingt ihre beliebte Ministerpräsident Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) behalten. Letzte Umfragen deuteten aber darauf hin, dass ihr Verbleib im Amt in Gefahr war. Also haben sich genügend Saarländer der CDU zugewandt, um genau diesen AKK-Verbleib im Amt zu sichern.

          Wie wählt man in Schleswig-Holstein strategisch?

          Sich auf diese Weise nachträglich einen strategischen Reim auf einen Wahlausgang zu machen, ist vergleichsweise einfach. Was lässt sich aber im Vorfeld einer Wahl erwarten? Was könnte es bedeuten, in Schleswig-Holstein strategisch zu wählen? Und was bedeutet das überhaupt?

          Für Wahlforscher ist die Sache klar: Strategisch wählt eine Person dann, wenn sie nicht ihre eigentliche Lieblingspartei, sondern eine andere Partei wählt. Warum sollte ein Wähler das tun? Weil er glaubt, so bestimmte Ziele besser erreichen zu können. Diese „Ziele“ können sich dabei auf die Zusammensetzung des Parlaments oder auch die Zusammensetzung der Regierung beziehen. Aber schauen wir uns einfach die Situation in Schleswig-Holstein an, ehe wir uns in abstrakt-philosophische Diskussionen über strategisches Wählen verlieren. Gibt die aktuelle Situation dort Anlass für strategische Überlegungen?

          Thorsten Faas

          Fangen wir mit den Piraten an: Sie zogen 2012 mit 8,2 Prozent in den Kieler Landtag ein. Und heute? Im „Politbarometer Extra“ werden sie noch nicht einmal mehr separat ausgewiesen, ihr Einzug in den Landtag scheint ausgeschlossen: Sie werden an der Fünfprozenthürde scheitern. Versetzen wir uns trotzdem in die Lage von Piraten-Fans. Was sollen sie tun? Die Piraten zu wählen, würde bedeuten, die eigene Stimme zu verschwenden – zumindest in dem Sinne, dass die eigene Stimme dann keinen Niederschlag in der Zusammensetzung des künftigen Landtags finden würde. Strategisches Wahlverhalten könnte bedeuten, andere Parteien als zweitbeste Alternativen zu wählen, die mit größerer Wahrscheinlichkeit in den Landtag einziehen. Die inhaltlichen Positionen von Piraten, Linken und Grünen etwa stimmen an vielen Stellen überein (siehe etwa den Wahlomat für Schleswig-Holstein). Eine solche strategische Stimme für Grün würde damit zwar den Piraten schaden, wäre aber der Vertretung der inhaltlichen Interessen eines Wählers im Parlament zuträglich.

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