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Aktualisiert: 17.08.2014, 12:14 Uhr

Landtagswahl in Sachsen Gegen die Vormacht der CDU

Am 31. August ist Landtagswahl in Sachsen. 14 Parteien buhlen um die Gunst der Wähler. Doch nur sieben davon dürfen sich realistische Hoffnungen auf einen Einzug ins Parlament machen. Die Parteien im Kurzporträt.

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© dpa Ziel der Träume: der Plenarsaal im sächsische Landtag

14 Parteien treten am 31. August zur Landtagswahl in Sachsen an. Sechs davon sind bereits im Dresdner Parlament vertreten: CDU, Linke, SPD, Grüne, FDP und NPD. Darüber hinaus stellen sich dem Wettbewerb um Wählerstimmen: Piraten, AfD, Freie Wähler, Tierschutzpartei, Deutsche Soziale Union (DSU), Bürgerrechtsbewegung Solidarität (BüSo), Bürgerbewegung pro Deutschland und die PARTEI.

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Unter letzteren hat lediglich die AfD eine reelle Chance, in den Landtag und damit erstmals in ein deutsches Parlament zu kommen. FDP und NPD dagegen müssen um ihren Wiedereinzug bangen. Sollten es beide abermals schaffen, könnten erstmals sieben Fraktionen im Sächsischen Landtag vertreten sein.

CDU

Die CDU regiert seit Herbst 1990 ununterbrochen den erst kurz zuvor wieder gegründeten Freistaat. Drei Mal holte die Partei mit Kurt Biedenkopf an der Spitze die absolute Mehrheit, und nicht wenige in der Union sahen Sachsen politisch schon auf dem besten Weg zu bayerischen Verhältnissen – mit Laptop, ja, aber ohne Lederhose. Bei der Landtagswahl 2004 kam der Absturz: Statt knapp 60 nur noch 41,1 Prozent. Der CDU-Vorsitzende Georg Milbradt musste in eine Koalition mit der vier Mal kleineren SPD ziehen.

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2009 holte die CDU mit Stanislaw Tillich 40,2 Prozent. Zusammen mit der FDP bildet sie nun die letzte schwarz-gelbe Regierung Deutschlands. In aktuellen Umfragen kommt die Union auf 43 Prozent. Einige Parteimitglieder liebäugeln da schon wieder mit der absoluten Mehrheit, doch die wird es angesichts der Vielzahl kleiner Parteien, die ins Parlament einziehen könnten, nicht geben.

Stanislaw Tillich © dpa Vergrößern „Der Sachse“ hieß 2009 der Wahlkampfslogan, weil er so bekannt war: Ministerpräsident Stanislaw Tillich

Spitzenkandidat der sächsischen CDU ist abermals Stanislaw Tillich. Der 55-jährige Sorbe aus Panschwitz-Kuckau bei Bautzen ist Diplomingenieur für Konstruktion und Getriebetechnik und seit 1987 CDU-Mitglied. Nach Stationen als Abgeordneter in der ersten frei gewählten Volkskammer der DDR und im Europaparlament führte er seit 1999 in Sachsen verschiedene Ministerien und wurde 2008 Regierungschef. Zurzeit ist er der dienstälteste CDU-Ministerpräsident Deutschlands. Tillich ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder.

SPD

Das „rote“ Sachsen war einst Kernland der SPD. 1863 wurde die Partei in Leipzig gegründet, in den zwanziger Jahren stellte sie im Freistaat beinahe ununterbrochen den Ministerpräsidenten. 1990 jedoch konnten die Sozialdemokraten an die glorreiche Vergangenheit nicht anknüpfen. Mit Anke Fuchs – wie Kurt Biedenkopf ein West-Import – als Spitzenkandidatin erreichte sie 19,1 Prozent – ihr bis heute bestes Ergebnis. Bei allen folgenden Wahlen ging es weiter bergab; 2004 war mit 9,8 Prozent der vorläufige Tiefpunkt erreicht, und doch kam die Partei damit erstmals nach der Wiedervereinigung im Freistaat in Regierungsverantwortung. Aktuelle Umfragen sehen die SPD bei 14 Prozent, und nach Lage der Dinge könnte sie nach fünf Jahren Opposition in die Regierung zurückkehren, sollte die FDP an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern.

Sächsische SPD tagt in Leipzig © dpa Vergrößern Martin Dulig möchte die SPD wieder in die Regierung führen

Spitzenkandidat der sächsischen SPD ist Martin Dulig. Der 40-Jährige Maurer und Diplompädagoge ist seit 1992 in der SPD. 2004 wurde er Landtagsabgeordneter, kurz darauf Parlamentarischer Geschäftsführer und zwei Jahre später Fraktionsvorsitzender. Seit 2009 ist er Parteichef. Dulig lebt in Moritzburg bei Dresden. Er ist verheiratet und hat sechs Kinder im Alter von 8 bis 23 Jahren.

Die Linke

Die Linke startete 1990 – damals noch als PDS - mit nur zehn Prozent in Sachsen, wo ein Jahr zuvor die friedliche Revolution ihren Ausgangspunkt genommen hatte. Bis 1999 verdoppelte die SED-Nachfolgepartei ihr Ergebnis und ist seitdem zweitstärkste Kraft im Freistaat – freilich mit gebührendem Abstand zur Union. Lange war die Linke die mitgliederstärkste Partei in Sachsen, doch auch hier wurde sie jüngst von der CDU überholt, die noch 12.000 Mitglieder hat. Die Linke kommt auf knapp 10.000 Genossen, Tendenz stark fallend. 2004 erreichte sie mit 23,6 Prozent ihr bisher bestes Ergebnis. Diesmal dürften es wie vor fünf Jahren gut 20 Prozent sein – ausreichend für die Oppositions-Führerschaft, aber zu wenig, um regieren zu können.

Rico Gebhardt © dpa Vergrößern Rico Gebhardt wird nach Wahl mit der Linken wohl wieder in der Opposition sein

Spitzenkandidat der sächsischen Linken ist Rico Gebhardt. Der 51-Jährige ist gelernter Koch, trat 1981 in die SED ein. 2004 wurde er Landtagsabgeordneter in Dresden, 2009 schließlich Partei- und 2012 Fraktionsvorsitzender. Gebhardt stammt aus Aue im Erzgebirge, er ist verheiratet und hat einen erwachsenen Sohn sowie drei kleine Kinder.

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