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AfD in Sachsen-Anhalt : Ein Rechtsausleger

Das Mikrophon in die Höhe streckend: Der Landesvorsitzende der Partei "Alternative für Deutschland" (AfD), Andre Poggenburg (r) und Björn Höcke im Oktober 2015 in Magdeburg Bild: dpa

Sachsen-Anhalts AfD-Spitzenkandidat André Poggenburg bemüht sich, den Eindruck von Bürgerlichkeit zu erzeugen. Dabei ist sein AfD-Landesverband wahrscheinlich um einiges radikaler als die Bundespartei.

          „Ich bin vierzig Jahre alt und Kaufmann.“ Der Spitzenkandidat der AfD in Sachsen-Anhalt trägt hellbraune Lederschuhe, einen dunkelbraunen Anzug sowie eine dunkle Krawatte. Die Haare sind sorgsam geföhnt. Seit 22 Jahren sei er Unternehmer. „Ich komme aus der Mitte der Gesellschaft.“ Statt sich hinter dem Rednerpult zu verstecken, steht André Poggenburg ohne Manuskript und nur mit einem Mikrofon in der Hand mitten im Saal. Unter der holzgetäfelten Decke der Halberstädter Gaststätte erläutert er den etwa siebzig Zuhörern seinen rasanten Aufstieg in der Partei. „Ich hatte das Glück, Kreisvorsitzender in der AfD zu werden“, erklärt Poggenburg in erkennbarem Bemühen um eine gewählte Ausdrucksweise. Mittlerweile habe er „die Ehre“, auch den Landesvorsitzenden „zu stellen“.

          Reinhard Bingener

          Politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.

          In solchen Momenten sorgt Poggenburg selbst dafür, dass das Bild, das er von sich zu zeichnen versucht, kippt. Der gutbürgerliche Anzug, den Poggenburg gerade in den Tagen vor der Landtagswahl am Sonntag trägt, sitzt nicht. Parteiinterne Gegner, die Poggenburg mit rüden Methoden aus dem Landesverband gedrängt haben soll, beschreiben ihn schon seit Längerem als einen doppelgesichtigen „Karrieristen“. Im Januar kam heraus, dass Poggenburg auch keineswegs der erfolgreiche Unternehmer ist, als den er sich bis heute präsentiert. Allein in den vergangenen drei Jahren wurden gegen Poggenburg mehrere Erzwingungshaftandrohungen ausgestellt, nachdem er offene Rechnungen nicht beglichen hatte und den Offenbarungseid verweigerte. Ein Strafverfahren wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung wurde nur gegen Zahlung einer Geldauflage eingestellt. Dem Eindruck, dass hier jemand dringend auf neue Einnahmequellen angewiesen ist, kann Poggenburg kaum mehr etwas entgegensetzen. Sein Drei-Mann-Betrieb für Autokühlerreparaturen hat seit dem Jahreswechsel die Geschäftstätigkeit eingestellt.

          Verschwörung und Wahlbetrug

          Wie Poggenburg als Person ist auch der AfD-Landesverband in Sachsen-Anhalt so kurz vor der Wahl um einen gediegenen Auftritt bemüht. Die Protestzüge, während deren die Menge im Herbst „Wer Deutschland nicht liebt, soll Deutschland verlassen“ skandierte, sind „Bürgerrunden“ in Gaststätten gewichen. „Wir sind Mitte“, erklärt Poggenburg seinen Zuhörern in Halberstadt. „Vielleicht auch Mitte-rechts.“ Im Landtagswahlprogramm findet sich eine Passage zur „identitätsstiftenden Kulturpflege“, anhand deren vielleicht greifbarer wird, was Poggenburg unter Mitte-rechts versteht. Orchester und Theater sieht die Partei demnach „in der Pflicht“, einen „positiven Bezug“ zur Heimat zu fördern. „Neben den großen klassischen internationalen Werken“ sollen sie stets „klassische deutsche Stücke“ spielen und diese „so inszenieren, dass sie zur Identifikation mit unserem Land anregen“. Was passiert, wenn Theater und Orchester ein neues Stück aufführen möchten oder ein klassisches Stück auf eine Art präsentieren, die aus Sicht der AfD nicht zur Identifikation mit Deutschland beiträgt, wird nicht weiter ausgeführt.

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