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Veröffentlicht: 16.03.2016, 09:33 Uhr

Wahlkampfmanager Stauss „Wir hatten Glück, dass Klöckner Panik bekam“

Frank Stauss gilt als die SPD-Geheimwaffe, der Mann für aussichtslose Fälle. Jetzt hat der Wahlkampfstratege Malu Dreyer zum Sieg verholfen. Im Interview gibt er Einblick hinter die Kulissen eines Wahlkampfes. Sein Erfolgsgeheimnis: Haltung.

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© dpa Julia Klöckner will nach der Niederlage in Mainz bleiben.

Der Tag nach der Wahl in Rheinland-Pfalz. Frank Stauss ist noch etwas müde. Es ging gestern lange in Mainz und jetzt ist er wieder in Berlin. Stauss ist Teilhaber einer Werbeagentur, sie heißt Butter. Sie macht Werbung für Joghurt, Versicherungen, Telefongesellschaften – und für Politik. Stauss entwickelt Wahlkampagnen.Und er hat einen Ruf in der Branche. Er kennt sich mit aussichtslosen Fällen aus. 25 Wahlkämpfe in 20 Jahren, schreibt er auf seiner Homepage.

Timo Steppat Folgen:

2005, als die SPD in den Umfragen weit abgeschlagen war, hat Gerhard Schröder fast doch noch die Wahl gegen Angela Merkel gewonnen. An der eigenen Mythenbildung hat Stauss mit dem Bestseller „Höllenritt Wahlkampf“ mitgewirkt. Er hat auch die Kampagne von Malu Dreyer entworfen. Und Dreyer hat, nachdem sie über zwei Jahre weit abgeschlagen hinter der CDU lag, am Sonntag gegen die als Favoritin gehandelte Julia Klöckner gewonnen.

39113050 © Pressebild Agentur Butter Vergrößern Frank Stauss entwarf den Wahlkampf von Gerhard Schröder 2005 und die Kampagne von Hannelore Kraft 2010.

Ihre Kandidatin Malu Dreyer hat die Wahl in Rheinland-Pfalz gewonnen. Herr Stauss, wie haben Sie das gemacht?

Die Wahl hat Malu Dreyer mit der SPD gewonnen. Wir haben beraten. 

Müssen Sie jetzt so sagen.

Ist auch so. Als Agentur arbeiteten wir relativ lange mit der rheinland-pfälzischen SPD zusammen. Das begann im Frühjahr 2014 und die schwierige Situation war schon früh absehbar. Die letzte Wahl zwischen Ministerpräsident Kurt Beck und der damaligen Herausforderin Julia Klöckner war schon sehr knapp ausgegangen. Es gab im Land eine gefestigte Stimmung, die klar machte, dass die nächste Wahl mit einer Ministerpräsidentin Malu Dreyer kein Selbstläufer sein würde. Dann haben wir angefangen zu arbeiten. Aber Malu Dreyer und die SPD waren immer die, die am Ende gesagt haben: das machen wir -oder nicht.

Wann haben Sie das Konzept für den Wahlkampf entworfen?

Ungefähr 15 Monate vor der Wahl haben wir uns mit dem Landesverband zusammengesetzt. Als Teil der strategischen Beratung haben wir die Ausgangssituation analysiert und gemeinsam Zukunftsthemen identifiziert. Schwerpunkte lagen in der Wirtschafts- und Bildungspolitik, etwa der Vernetzung von Start-Ups mit Uni und Wirtschaft, der Entwicklung des ländlichen Raums, dem demographischen Wandel und der Digitalisierung.

Das wurde gebündelt in einer Tour unter dem Motto „Unser Land von Morgen“. Gegen Ende wurde Malu Dreyer eine höhere Wirtschaftskompetenz zugestanden als der CDU-Kandidatin, was durchaus ungewöhnlich ist. Das war alles schön angelegt, dann kam die Flüchtlingskrise und hat alles dominiert. Dennoch war das wichtige Arbeit, die sich am Ende mit ausgezahlt hat. Das Thema Flüchtlinge war am Anfang des Wahlkampfes noch gar nicht auf der Agenda. Darauf mussten wir erst reagieren.

© Frank Röth, reuters Die SPD in Rheinland-Pfalz ist mit alter Stärke zurück

Wie haben Sie reagiert?

Bei einer Kandidatin wie Malu Dreyer, die ein festes Wertekonstrukt mitbringt, fällt das nicht schwer. Auch der Landesverband der SPD hat eine sehr klare Haltung bewiesen. Die Landesregierung hat ordentlich gearbeitet: Die Flüchtlinge wurden besser als andernorts untergebracht und es gab eine unkomplizierte Registrierung. Dadurch kam es nicht zur großen Unzufriedenheit im Land. Entscheidend war also das Regierungshandeln. Im Wahlkampf haben wir die Plakate und die Kampagne bloß etwas anpassen müssen. 

Was hat die SPD aus Ihrer Sicht richtig gemacht?

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