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Julia Klöckner : Eine Frau mit Zukunft

  • -Aktualisiert am

Julia Klöckner Bild: dpa

Julia Klöckner hat der rheinland-pfälzischen CDU wieder ein Gesicht gegeben. Auch wenn es nicht danach aussieht, als könne sie Kurt Beck ablösen, wird sie in ihrem Landesverband auch künftig die prägende Figur sein.

          Als Julia Klöckner frühmorgens um halb sieben gar nicht morgenmuffelig Butterkuchen, Apfelschorle und den „Klöckner-Kurier“ mit ihrem eigenen Gesicht auf dem Titelblatt an vorbeihastende Passanten verteilt, kann sie noch nicht ahnen, dass ihr fröhlicher Wahlkampf bald Geschichte sein wird. Zum Auftakt ihres Endspurts hat sich die rheinland-pfälzische CDU-Spitzenkandidatin an diesem auch für Deutschland historischen 11. März, dem Tag, an dem die Katastrophe über Japan kam, den Bahnhof ihres Wohnortes Bad Kreuznach ausgesucht. Die 38 Jahre alte, meist perfekt geschminkte Politikerin in Pumps und schickem Kamelhaarmantel ist eine ungewohnt elegante Erscheinung inmitten all der noch müden Pendler, die von der Kreisstadt an der Nahe zu ihren Arbeitsstellen in Mainz oder noch weiter weg fahren müssen. „Man nimmt hier das Leben mit, erfährt viel über alltägliche Probleme wie Zugverspätungen oder Barrierehindernisse für Behinderte beim Einsteigen in den Zug. Deswegen mag ich solche Termine.“ Und die Bürger, denen sie ein munteres „Guten Morgen“ oder „Wie geht es Ihnen?“ zuruft, reagieren erfreut auf die Frau, die hier jeder kennt. Eine Frau, die viele auch einfach nur wie eine gute Freundin oder die Nachbarstochter als „Julia“ begrüßen und ihr viel Glück am Wahlsonntag wünschen. So wie am Stand der örtlichen Frauen-Union, den Julia Klöckner nach ihrer Bahnhofs-Mission und einem üppigen Frühstück in ihrer Lieblingskonditorei besucht.

          Thomas Holl

          Verantwortlicher Redakteur für Politik Online.

          Seit 2002 sitzt die studierte Theologin und Politikwissenschaftlerin für den weit bis in den Hunsrück reichenden Wahlkreis Bad Kreuznach/Birkenfeld im Bundestag. Die Tochter eines Winzers aus dem Weindorf Guldental verdankt der Frauenquote in der CDU, dem Verzicht eines Mannes auf seine politische Karriere und viel Selbstbewusstsein den rasanten Aufstieg zur Landesvorsitzenden und Spitzenkandidatin, die am 27. März ihre Partei aus zwanzig Jahren Opposition erlösen will. Als „Ministerpräsidentin von uns“, wie es auf den CDU-Wahlplakaten steht, will sie in der Staatskanzlei am Mainzer Deutschhausplatz den scheinbar ewig regierenden Ministerpräsident Kurt Beck von der SPD ablösen. „Ich bin selbst durch die Frauenquote überhaupt in die Politik gekommen. Nicht als Quotenfrau, sondern im Wettbewerb auch mit anderen Frauen“, erzählte die gelernte Journalistin jüngst der Deutschen Presse-Agentur.

          1995 zur Deutschen Weinkönigin gekürt

          Nach Studium und einer Anstellung als Religionslehrerin in Wiesbaden absolvierte sie Ende der neunziger Jahre noch ein Volontariat beim Südwestrundfunk, um dann als spätere Chefredakteurin zu einem Weinmagazin zu wechseln. Mit der zunächst lokalen Parteipolitik kam die junge Julia Klöckner, die 1995 zur Deutschen Weinkönigin gekürt wurde, ein Jahr später durch ihren Eintritt in die Junge Union in Berührung. Neben der politischen Präferenz der bekennenden Katholikin für das christliche Menschenbild der Union sprach auch die Geselligkeit in der JU die lebensfrohe Winzerstochter an, wie sie auch heute noch gerne erzählt: „Die konnten besser feiern.“ In die große Politik kam sie dann wenige Jahre später durch Initiative ihres Parteifreundes Prinz Michael zu Salm-Salm. Der adelige Weingutsherr war zweimal erfolglos in dem jahrelang roten Wahlkreis gegen den SPD-Abgeordneten Fritz Rudolf Körper angetreten. In der Analyse seiner Niederlage kam Salm-Salm zu einem Schluss, den acht Jahre später auch der glücklose Landesvorsitzende Christian Baldauf für sich selbst und den Wahlkampf in Rheinland-Pfalz zog: Nur mit einer jungen Frau, die volksnah, modern und gewitzt auftritt, könne die CDU auf SPD-Terrain gewinnen. Der Prinz sprach die frühere Weinkönigin an, die sich nach kurzer Bedenkzeit Ende August 2001 zur Bundestagskandidatur und damit für ihren dritten Beruf als Politikerin entschied. Eine ältere Mitbewerberin, die CDU-intern eigentlich als Favoritin galt, hatte der jugendlichen Frische Frau Klöckners und ihren einflussreichen Fürsprechern nichts entgegenzusetzen. Über das zu erfüllende Frauenquorum bei der Besetzung der rheinland-pfälzischen Landesliste zur Bundestagswahl verschaffte die CDU in Bad Kreuznach der medienerfahrenen Julia Klöckner einen aussichtsreichen Platz, der sie 2002 prompt nach Berlin brachte. Bei den nächsten Bundestagswahlen 2005 und 2009 nahm sie Körper, der sie wie viele Männer sträflich unterschätzt hatte, das Direktmandat ab.

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