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SPD-Debakel in NRW : Drei zu null für Merkel

Auf die Kanzlerin kommt es an: Angela Merkel im CDU-Wahlkampffinale in Aachen. Bild: dpa

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz hatte Nordrhein-Westfalen zur Testwahl für den Bund erklärt. Nun liegen die Kanzlerin und ihre CDU fast uneinholbar in Führung. Doch es gibt auch Warnungen in der Union:„Hochstimmungen können trügen.“

          Von wegen Kopf an Kopf. Von wegen knapper Ausgang. Groß ist die Freude im Konrad-Adenauer-Haus, der CDU-Zentrale in Berlin. Lang sind die Gesichter bei der SPD im Willy-Brandt-Haus. Von diesem Sonntag an haben die beiden Kanzlerkandidaten, Angela Merkel und Martin Schulz, auf unterschiedliche Weise zu versichern, die Bundestagswahl sei noch lange nicht entschieden. Die Bundeskanzlerin kann es mit einem verkappten Lächeln tun. Der Herausforderer nur mit trauriger Miene.

          Günter Bannas

          Leiter der politischen Redaktion in Berlin.

          Majid Sattar

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Am Wahlabend werden im Konrad-Adenauer-Haus Erfahrungen wieder aufgewärmt, in Nordrhein-Westfalen, dem bevölkerungsreichsten Land, würden Bundestagswahlergebnisse vorweggenommen – selbst wenn derlei Analysen auch ihre Ausnahmen haben. Später brandet noch einmal Beifall auf, als die Hochrechnungen ein Scheitern der Linkspartei an der Fünfprozentklausel voraussagen. Schwarz-Gelb in Düsseldorf erscheint möglich. So wie 2005. Ein Zeichen für den kommenden September?

          „Die Herzkammer der SPD erobert“

          Zum zweiten Mal seit 1966, als der Sozialdemokrat Heinz Kühn Ministerpräsident in Düsseldorf wurde, wird ein CDU-Politiker das Amt des Regierungschefs dort übernehmen: Armin Laschet, einer der treuesten Unterstützer Merkels in der CDU-Parteiführung – in der Flüchtlingspolitik vor allem, aber auch stets dann, wenn konservative Kreise der CDU mancherlei Grundsätze von Merkels Politik kritisierten. Überschwänglich wird Laschet bei der Berliner CDU gefeiert. Daniel Günther, der CDU-Wahlsieger vom vergangenen Sonntag in Schleswig-Holstein, und Annegret Kramp-Karrenbauer, die Siegerin an der Saar vom März, feiern mit.

          Stets loyal an Merkels Seite: CDU-Spitzenkandidat und Ministerpräsident in spe, Armin Laschet.
          Stets loyal an Merkels Seite: CDU-Spitzenkandidat und Ministerpräsident in spe, Armin Laschet. : Bild: dpa

          Groß ist der Jubel bei der CDU. In der SPD wird gesagt, das Leben gehe weiter. Im Wettkampf Schwarz gegen Rot steht es drei zu null. Zum zweiten Mal binnen einer Woche hat die CDU etwas geschafft, was ihr seit Merkels Amtsantritt als Bundeskanzlerin nicht gelungen war: Der SPD ein Ministerpräsidentenamt abzujagen. Ein wenig wird im Adenauer-Haus geklatscht, als die Verliererin Hannelore Kraft ihren Rücktritt vom SPD-Landesvorsitz bekannt gibt.

          Sekunden später erscheint Peter Tauber. „Ich kann Euch gar nicht hören“, ruft der CDU-Generalsekretär. Also: Beifall. „Die CDU hat die Herzkammer der SPD erobert“, ruft er. Rot-Grün sei abgewählt. „Das ist ein toller Tag für die CDU.“ Und: „Armin Laschet hat einen klaren Regierungsauftrag.“ Und: „An einem solchen Abend sind wir stolz.“ Aber: „Wir empfinden auch Demut vor dem Wählerauftrag.“ Übermut soll vermieden werden – getreu der Erfahrung, der komme vor dem Fall.

          Tauber bleibt bei der Linie, es sei bei den drei Landtagswahlen dieses Jahres um Landes- und nicht um Bundespolitik gegangen – eine Bemerkung, die auch Hannelore Kraft an diesem Abend verwendet. Kraft sei, sagt Tauber, wegen einer „verheerenden Leistungsbilanz“ abgewählt worden. „Wir haben auf die richtigen Themen gesetzt.“ Bildungs- und Schulpolitik, innere Sicherheit und Wirtschaftspolitik sind gemeint. „Deswegen waren Armin Laschet, Daniel Günther und Annegret Kramp-Karrenbauer erfolgreich.“ Natürlich verwendet Tauber die Formel Merkels: „Eine Landtagswahl ist eine Landtagswahl.“ Doch sagt er auch: „Natürlich ist das Rückenwind für die gesamte Partei.“ Erst heiße es feiern, dann arbeiten. „Wir wissen auch: Die Bundestagswahl ist noch weit hin.“ Wie schon am vergangenen Sonntag verwendet Tauber zum Ausdruck seiner Freude einen altmodischen Begriff. „Hurra“, ruft er zum Abschluss seines Statements.

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