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SPD vor Landtagswahl : Die Verteidigung der Herzkammer

Für die SPD in Essen sieht es vor der Landtagswahl in NRW recht düster aus. Bild: dpa

Die SPD in Essen hat allen Grund zur Panik: Vor der Wahl in NRW am Sonntag gibt es zu viele hausgemachte Probleme – und auch die AfD könnte im Kerngebiet der Sozialdemokratie kräftig punkten. Wie ernst sieht es tatsächlich aus?

          Essen ist eine geteilte Stadt. Im Süden stehen Villen, da ist man Düsseldorf näher als dem Ruhrgebiet. Der Norden hingegen ist so etwas wie das Armenhaus der Stadt. Über ihn gibt es zwei Erzählungen. Die eine geht so: Die Armut wächst, die Straßen vermüllen, libanesische Clans haben an vielen Stellen die Oberhand gewonnen, und es gibt keine Arbeit. „Die Leute haben das Gefühl, dass sich keiner für sie mehr interessiert“, sagt Guido Reil. Er ist nach 26 Jahren von der SPD zur AfD gewechselt, viele Medien haben über ihn berichtet. Jetzt will er im Essener Norden als Direktkandidat direkt gewinnen. In ostdeutschen Ländern hat die AfD unter anderen Vorzeichen schon direkt gewonnen. Reil sagt: „Wir stürzen die SPD hier vom Thron.“

          Timo Steppat

          Redakteur in der Politik.

          Die SPD fährt im Essener Norden seit Jahrzehnten hohe Ergebnisse ein. Für Thomas Kutschaty, der auch Justizminister in Nordrhein-Westfalen ist, waren es beim letzten Mal 58 Prozent der Erststimmen. Besser schnitt nur Hannelore Kraft im nahen Mühlheim ab (59 Prozent). Wenn Thomas Kutschaty über den Norden von Essen spricht, klingt das so ziemlich nach dem Gegenteil von dem, was Guido Reil sagt. Seine Erzählung handelt von Stadtteilen, die zwar „Herausforderungen“ ausgesetzt seien, in denen es eine schwierige Ausgangslage gebe, aber in denen sich einiges tue: „In Stadtteilen wie Altenessen oder Karnap ist es uns gelungen, die Probleme anzupacken.” So gebe es mehr Kinderärzte, Wohnraumverbesserungen, die Bausubstanz sei saniert und die soziale Mischung aus Eigenheimen und Sozialwohnungen angepasst worden. Für Kutschaty sind das SPD-Erfolge, weil die Sozialdemokraten hier immer schon regiert haben. Für Kutschaty geht es aufwärts, für Reil radikal abwärts.

          Unter dem SPD-Schirm: Die Landtagsabgeordnete Britta Altenkamp macht Wahlkampf im Essener Stadtteil Margarethenhöhe. Bilderstrecke
          Unter dem SPD-Schirm: Die Landtagsabgeordnete Britta Altenkamp macht Wahlkampf im Essener Stadtteil Margarethenhöhe. :

          Wie soll es erst im Rest des Ruhrgebiets werden?

          Über die Frage, wie die AfD die Herzkammer der Sozialdemokratie bedrohen könnte, ist viel geschrieben worden. Für die SPD ist sie entscheidend. Muss sie im Ruhrgebiet stark Federn lassen, hat sie kaum noch Chancen, stärkste Kraft im Landtag zu werden. Mit fünf Millionen Menschen ist die Region wahlentscheidend. Und geht es in Essen schief, wo man immer besonders oben auf war, wie soll es dann erst im Rest des Ruhrgebiets werden?

          Dazu muss man wissen: Nordrhein-Westfalen ist keineswegs, wie es häufig geschrieben wird, ein reines Stammland der SPD. Durch die Jahre der absoluten Mehrheit 1990 und 1995 hat sich dieser Eindruck zwar festgesetzt. Es war die Zeit, in der Johannes Rau als Übervater der Genossen den Slogan „Wir in NRW“ prägte, ein Gefühl der Gemeinschaft schaffte. Er eroberte neue Schichten für die Partei, besetzte die Mitte. Und weite Teil des übrigen Bundeslandes sind sowieso strukturkonservativ: In den Karten aber, die die Ergebnisse der Landtags- und Bundestagswahlen zeigen, kann man auch etwas anderes sehen. Der Niederrhein etwa, das Münsterland oder die Eifel sind Regionen, in denen die CDU Hausmacht ist. Die SPD ist da chancenlos – umso wichtiger werden die besagten „Herzkammern“.

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