http://www.faz.net/-gpf-8yv85

Koalitionsverträge vorgestellt : Schwarz-gelb bläst in NRW zur „Aufholjagd“

  • Aktualisiert am

Sind sich einig: Die Parteivorsitzenden Armin Laschet (CDU, rechts) und Christian Lindner (FDP) präsentieren in Düsseldorf den Koalitionsvertrag. Bild: dpa

CDU und FDP in NRW machen einen Haken unter ihren Koalitionsvertrag – und wollen ein Zeichen über die Landesgrenzen hinaus setzen. Auch in Schleswig-Holstein verbinden die Koalitionspartner mit ihren Unterschriften große Ziele.

          Die neue schwarz-gelbe Koalition in Nordrhein-Westfalen will die kommenden fünf Regierungsjahre für eine „Aufholjagd“ in NRW nutzen und dennoch die im Jahr 2020 greifende Schuldenbremse einhalten. Die Vereinbarungen im Koalitionsvertrag mit der FDP seien auf dieses Ziel durchgerechnet, sagte der designierte Ministerpräsident und CDU-Landeschef Armin Laschet am Freitag bei der Vorstellung des Koalitionsvertrags in Düsseldorf. Die Finanzlage des Landes sei aber nicht so rosig, wie es des scheidende Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) zuletzt dargestellt habe. Walter-Borjans hatte erklärt, das Land könne bis 2020 mit wachsenden Haushaltsüberschüssen rechnen.

          Laschet kündigte an, die Koalition wolle die derzeitige „Aufbruchsstimmung“ nutzen. „Wir brauchen eine Aufholjagd in Nordrhein-Westfalen“, sagte er. „Wir wollen den wirtschaftlichen Riesen Nordrhein-Westfalen entfesseln.“

          Allerdings lässt die künftige Koalition bei den Themen Finanzen und Neuverschuldung zahlreiche Details noch offen. „Wir planen mit dem, was wir vorfinden an Aufgaben, die jetzt zu lösen sind“, sagte Laschet. Bei zahlreichen Themen wie etwa der Finanzierung der Kitas habe die rot-grüne Vorgängerregierung ungelöste Probleme hinterlassen. Eventuell werde Schwarz-Gelb deshalb nach der Sommerpause einen Nachtragshaushalt vorlegen, um diese Probleme zu lösen.

          CDU erhält neun Ministerien, die FDP drei

          Die neue Regierung soll ein Kabinett mit zwölf Ministerien stellen, von denen die CDU neun erhalten soll, die mitregierende FDP drei, darunter ein neues Querschnittsministerium für Wirtschaft und Digitales sowie das Ministerium für die Schulpolitik. Diese war ein Hauptgrund für das Scheitern der abgewählten rot-grünen Landesregierung bei der Landtagswahl am 14. Mai. In ihrem Vertrag haben die angehenden Koalitionäre beschlossen, wieder zum neunjährigen Gymnasium als Regelfall zurückzukehren. Das ebenfalls FDP-geführte Ministerium für Familie und Integration soll in Nordrhein-Westfalen Aufgaben übernehmen, die in anderen Bundesländern im Innenressort angesiedelt sind.

          Wenn sowohl die FDP-Basis bei einer Mitgliederbefragung als auch ein CDU-Landesparteitag den Koalitionsvertrag billigen, soll Laschet am 27. Juni zum neuen Ministerpräsidenten gewählt werden. FDP-Chef Christian Lindner sagte am Freitag, er werden den Vertrag den Mitgliedern seiner Partei vorbehaltlos empfehlen.

          „Wir wollen die Menschen wieder machen lassen“, sagte Lindner, der ein Ende der rot-grünen „Kümmererpolitik“ vergangener Jahre ankündigte. Schwarz-Gelb wolle in NRW eine „neue Dynamik durch Freiheit und Zutrauen“ auslösen, kündigte Laschet zudem an.

          Ökonomie und Ökologie verbinden: Die Verhandlungsführer der schleswig-holsteinischen Koalitionsverhandlungen, (von links nach rechts) Heiner Garg (FDP), Monika Heinold (Bündnis 90/Die Grünen) und Daniel Günther (CDU).
          Ökonomie und Ökologie verbinden: Die Verhandlungsführer der schleswig-holsteinischen Koalitionsverhandlungen, (von links nach rechts) Heiner Garg (FDP), Monika Heinold (Bündnis 90/Die Grünen) und Daniel Günther (CDU). : Bild: dpa

          Das angestrebte Regierungsbündnis in Nordrhein-Westfalen könnte nach Einschätzung von FDP-Chef Christian Lindner durchaus auch ein Zeichen setzen für die Bundespolitik. „Wir sind uns durchaus gemeinsam darüber im Klaren, dass wir hier Konturen einer neuen Zusammenarbeit von Freien und Christdemokraten zeigen“, sagte Lindner. Der Koalitionsvertrag in NRW werde genau 100 Tage vor der Bundestagswahl am 24. September vorgestellt. „Das ist natürlich Zufall, aber trotzdem interessant“, sagte Lindner.

          Weitere Themen

          Steinmeier bittet Grüne und FDP zum Gespräch Video-Seite öffnen

          Nach Jamaika-Aus : Steinmeier bittet Grüne und FDP zum Gespräch

          Nach dem Ende der Jamaika-Sondierungen wird weiter darum gerungen, ob doch noch eine Regierung gebildet werden kann oder es zu Neuwahlen kommt. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sprach in Berlin mit den Grünen-Chefs Simone Peter und Cem Özdemir sowie FDP-Chef Christian Lindner.

          Topmeldungen

          Der Offshore-Windpark Butendiek etwa 30 Kilometer vor Sylt in der Nordsee

          F.A.Z. exklusiv : EU streicht Betrieben Ökostrom–Befreiung

          Für bis zu 10.000 Betriebe steigt ab Januar die Stromrechnung, weil die EU ihnen die Befreiung von der Ökostromumlage gestrichen hat. Zusatzkosten in Millionenhöhe werden erwartet.

          Neue Regierung : Österreichs Wirtschaft frohlockt

          Die neue Regierung aus ÖVP und FPÖ könnte den Standort Österreich in die Top-Liga zurückführen, glauben österreichische Geschäftsleute. Die Volkswirte sehen das allerdings deutlich skeptischer.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.