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Nach Düsseldorf? : Röttgens Fehlstart

Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) will vorerst noch keinen Abschied aus Berlin ankündigen Bild: dpa

Norbert Röttgen kann machen, was er will: Geht er ganz nach Düsseldorf, steht er als gescheiterter Energiewende-Minister da; will er zurück nach Berlin, als Karrierist.

          Das nennt man einen Fehlstart. Der Wahlkampf in Nordrhein-Westfalen hat für die CDU noch nicht richtig begonnen, da trägt Norbert Röttgen schon die ersten Blessuren davon. Aus dem Streit über seine Karriere nach der Landtagswahl am 13. Mai geht er nicht ohne Schrammen hervor. Er konnte es zuletzt nur noch falsch machen: Will ein Bundespolitiker als Herausforderer im Landtagswahlkampf nach verlorener Schlacht auf seinen Platz nach Berlin zurückkehren, heißt es, sein „Gastspiel“ sei das Eingeständnis, nicht Ministerpräsident werden zu können; bleibt er aber im Land und sagt der Bundespolitik ade, heißt es genauso, er richte sich frühzeitig in der Oppositionsrolle ein.

          Das eine Mal macht er es der eigenen Partei nicht recht, das andere Mal liefert er dem Gegner Munition. Röttgen hatte sich für den noch schlimmeren Weg entschieden: Er lavierte und fachte damit bei Freund wie Feind die Diskussion gleichermaßen erst so richtig an.

          Viele Freunde scheint Röttgen allerdings nicht zu haben, wenn selbst im eigenen Landesverband und aus der Bundes-Union der kritisch untermalte Ruf laut wurde, endlich Klarheit zu schaffen und sich langfristig auch auf die Rolle als Oppositionsführer vorzubereiten. In Nordrhein-Westfalen mag da das Trauma der Kandidatur Norbert Blüms nachwirken, der 1990 nicht in Düsseldorf bleiben wollte und damit die Resignation einer Partei noch verstärkte, für die Johannes Rau und die SPD einfach eine Nummer zu groß waren. Aber ist Hannelore Kraft schon jetzt so stark?

          Doch auch aus Berlin und aus der Bundespartei kommt nicht viel Aufmunterndes für Röttgen. Wenigstens das eine Argument - er sei als Bundesumweltminister, somit als Stratege der Energiewende zu erfolgreich, zu wichtig, ja einfach unersetzlich, als dass er sich jetzt schon für die Zeit nach dem 13. Mai festlegen dürfe -, wenigstens diese Wahlkampfhilfe hätte einem seiner Parteifreunde einfallen können.

          So aber zieht er, bleibt er über den 13. Mai hinaus in Düsseldorf, als beschädigter Minister in den Wahlkampf, dem offenbar - SPD und Grüne werden das genüsslich aufspießen - nicht einmal CDU und CSU zutrauen, die Energiewende zum Erfolg zu führen. Das könnte der FDP zu Leihstimmen verhelfen (weshalb auch sie kein gutes Haar an Röttgen lässt) und Frau Merkel abermals einen Nebenbuhler vom Hals schaffen.

          Es sei denn, Röttgen wird doch noch Ministerpräsident. Es ist ja möglich, dass die CDU das tatsächlich will.

          Jasper von Altenbockum

          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

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          Quelle: F.A.Z.

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