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Tierschutz im Landtagswahlkampf Im Land der Hühner

 ·  Der Widerstand gegen den Riesenschlachthof im niedersächsischen Wietze geht weiter. Die Grünen haben die Landtagswahl am Sonntag zur Abstimmung über den Tierschutz erklärt.

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© Theodor Barth/laif Vergrößern Vierzig Tage durch die Wüste: eine Geflügel-Mastanlage in Niedersachsen

Die grün-weißen Hallen am Ortseingang könnten zu einem Schraubenhändler oder einem Paketdienst gehören. Gesichtlose Gewerbegebiets-Architektur, deren einziger Zweck der Zweck ist. In diesem Fall: Hühner aus dem Zustand „lebendig“ in den Zustand „tot“ zu überführen. Die Gebäude im niedersächsischen Wietze beherbergen den größten Geflügel-Schlachthof in Europa, mit einer genehmigten Kapazität von 432.000 Hühnern am Tag. Also umgerechnet 27.000 Hühner in der Stunde, 450 in der Minute oder 7,5 in der Sekunde. Oder, auf das Jahr gerechnet, einhundertvierundreißigmillionensiebenhundertvierundachtzigtausend tote Hühner.

Ein „unbehagliches Gefühl“ hat Uschi Helmers, die der örtlichen Bürgerinitiative gegen den Schlachthof der Firma Rothkötter vorsitzt. Sie und ihr Mann Gerd stehen vor der Anlage im kalten Regendunst und denken nach. Beide tun sich schwer, in Worte zu fassen, was sie an dem Riesenschlachthof verstörend finden. Nur ab und zu ist der Geruch über Wietze unangenehm und süßlich. Heute ist vom Sterben auf dem Gelände nichts zu sehen, nichts zu hören, nichts zu riechen. Das Unternehmen Rothkötter verhält sich zu Opas Hühnerstall wie ein im Gras pickendes Huhn zu den Hähnchen-Pattys, die man „geformt, paniert, gegart, frittiert und tiefgefroren“ im Geflügel-Shop des Schlachthofs kaufen kann.

Industrialisierung der Landwirtschaft

Ein Lastwagen rollt langsam auf das Firmentor zu. „Da kommt gleich der nächste und da hinten noch einer“, sagt Gerd Helmers. „Wahrscheinlich haben sie irgendwo ausgestallt.“ Die Lastwagen, die ein Laie nicht als Geflügeltransporter erkennen kann, sind grün und weiß - Rothkötters Farben. Die Geflügelmäster, die ihn beliefern, sind eng an sein Unternehmen gebunden, heißt es. Rothkötter ist ein „Integrator“. Er liefert den Bauern, die sich an ihn binden, also nicht nur die Küken, sondern auch das Futter und sogar die Tierärzte. Nach 40 Tagen Mast schickt der Integrator Lastwagen - seine Lastwagen -, holt die etwa 40.000 Tiere aus dem Stall und bringt sie nach Wietze.

Dort werden sie mit Kohlendioxid vergast und dann aufgeschlitzt, gebrüht, gerupft, zerlegt und schließlich verpackt. Die Bauern sind in dem Geschäft vor allem deshalb noch dabei, weil sie das Baurecht für die Ställe haben. Ihre Arbeit bei der Mast besteht im Wesentlichen darin, zweimal am Tag mit dem Eimer durch die Halle zu gehen und die toten und verendenden Hühner einzusammeln. Ausschussware im Agrar-Business.

Nirgendwo in Deutschland ist die Industrialisierung der Landwirtschaft - zumindest im Geflügelbereich - so fortgeschritten wie in Niedersachsen. Über tausend Ställe wurden in den vergangenen zehn Jahren errichtet, mehr als jedes zweite Huhn in Deutschland wird hier gemästet, vor allem nahe der niederländischen Grenze im Emsland. Wietze aber liegt 40 Kilometer nördlich von Hannover, weit von der Ems entfernt.

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