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SPD-Kandidat Stephan Weil : Sturmfest, aber nicht erdverwachsen

Dieses ganz bestimmte Lächeln: Stephan Weil bei einem Wahlkampftermin im Oktober Bild: Reuters

Vor Wochen schien er am Boden. Nun könnte Stephan Weil die Wahl in Niedersachsen doch noch gewinnen und endgültig in die erste Garde der deutschen Politik aufsteigen. Über den Politikstil eines echten Alphatiers.

          Im Fernsehduell zwischen Stephan Weil und seinem Herausforderer Bernd Althusmann gab es einen Moment, in dem der niedersächsische Ministerpräsident jenes leicht pikierte Lächeln zeigte, mit dem er unbehagliche Situationen stets zu meistern versucht. Der SPD-Politiker sollte auf die Frage antworten, warum nur 45 Prozent der niedersächsischen Bürger bei einer Direktwahl für ihn stimmen würden. Für einen Amtsinhaber seien das Werte, die „doch eher schlecht sind, mit Verlaub“, sagte Moderator Andreas Cichowicz.

          Reinhard Bingener

          Politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.

          Weil reagierte deshalb so irritiert, weil seine eigene Wahrnehmung diesem Befund diametral entgegensteht. Der 58 Jahre alte Jurist quillt gegenwärtig über vor Selbstvertrauen, springt im Wahlkampf von einer Bühne auf die nächste und redet frei drauflos. Er schimpft über den politischen Gegner, preist die eigenen Erfolge und schafft es, seine Parteifreunde mitzureißen. Der Ministerpräsident führt einen testosterongeschwängerten Wahlkampf, der die Niedersachsen fast ein wenig an seinen Vorgänger Gerhard Schröder erinnern dürfte, obwohl die beiden sonst gar keine Ähnlichkeit haben. Weil scheint wie berauscht von dieser neuen Facette an sich selbst.

          Weil raffte sich nach Rückschlägen wieder auf

          Ihren Ursprung muss diese Entschlossenheit in den Tagen nach dem Verlust der rot-grünen Regierungsmehrheit haben. Am Freitag, den 4. August hatte die Grünen-Abgeordnete Elke Twesten ihren Wechsel zur CDU angekündigt. Am Tag darauf prasselten auf den niedersächsischen Ministerpräsidenten Vorwürfe ein, seine Reden im Landtag zu Volkswagen seien vom Konzern aus Wolfsburg zensiert worden. Die Geschichte hatte kaum Gehalt, aber sie entfaltete mediale Wucht. Weil wankte sichtlich, zumal er sich auch noch mit einer Affäre um fragwürdige Aufträge seiner Regierung an SPD-nahe Kommunikationsagenturen herumplagen musste. Angeblich soll er sich in diesen Stunden gefragt haben, ob ein Verbleib im Amt für ihn Sinn habe. Die Umfragewerte für die SPD waren zu dieser Zeit eine Katastrophe.

          Doch Weil raffte sich noch einmal auf, hielt auf allen Kanälen dagegen. Wer in dieser Zeit bei ihm anrief, bekam ein Interview. Sofort. Auf einem Parteitag scharte er als SPD-Landesvorsitzender dann seine Partei um sich, in der nicht wenige die Hoffnung bereits aufgegeben hatten und sich auf magere Jahre in der Opposition einrichteten. Der Geburt des energischen Wahlkämpfers Stephan Weil war eine aus dem Geist der Verzweiflung, doch vielleicht konnte die politische Persona dieses Politikers nur auf diese Weise komplettiert werden.

          Vergabeaffäre kommt ihm nicht zu nah

          Sicherlich, das Bodenständige, das man wahlweise als nüchternen Pragmatismus oder langweilige Biederkeit interpretieren kann, bildet auch weiterhin das Fundament von Weils Nimbus. Der Ministerpräsident kokettiert mit seiner Durchschnittlichkeit.

          Ein wenig Fußball, ein wenig Bier, ein bisschen Christentum, von allem etwas, von nichts zu viel. Einem wie ihm vertraut man im Sportverein gerne die Vereinskasse an.

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