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SPD-Triumph in Niedersachsen : Finale furioso in Hannover

Eine Laola für den Wahlsieg: Stephan Weil und die SPD feiern am Sonntag in Hannover. Bild: AFP

Lange sah es so aus, als hätte Stephan Weil keine Chance, sein Amt zu verteidigen. Nun ist er der strahlende Sieger der Landtagswahl – und kann trotzdem nicht mehr gemeinsam mit den Grünen regieren.

          Viel Lärm hat es im niedersächsischen Landtag in den vergangenen Monaten nicht nur im politischen Sinn gegeben. Der denkmalgeschützte Plenarsaal von 1962 wird aufwändig saniert und umgebaut. Der Plan war, dass sich das Land Niedersachsen zum geplanten Wahltermin im Januar 2018 als ein ansehnliches Bundesland mit einem ansehnlichen Landtag präsentieren wird. Der Wechsel der Abgeordneten Elke Twesten von den Grünen zur CDU im August hat auch diese Absicht zunichte gemacht. Obwohl die Eröffnung der neuen Räumlichkeiten bereits in einigen Tagen bevorsteht, ist es nicht möglich, dass sich Niedersachsen an diesem Festtag seiner Demokratie dort präsentieren kann. Jaja, die Vorschriften...

          Reinhard Bingener

          Politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.

          Justus Bender

          Redakteur in der Politik.

          Am Wahltag sind Fernsehstudios im Ergebnis auf das Messegelände hinausgezogen, mit der unangenehmen Folge für die Spitzenpolitiker, dass sie zwischen den Studios, den Wahlpartys ihrer Parteien und im Fall von CDU und SPD auch noch ihren Fraktionssälen im nicht von den Bauarbeiten betroffenen Fraktionssälen kreuz und quer durch die Stadt pendeln müssen.

          Ohrenbetäubend ist der Jubel, als erste Prognosen den SPD-Mitgliedern anzeigen, dass sie erstmals seit 1998 wieder stärkste Kraft sind. Ganz so, als würde sich in dieser Sekunde die Anspannung eines Wahlkampfes entladen, zu dessen Beginn die Aussichten der Partei schlecht wirkten. Erhobene Fäuste sind zu sehen. Zum Victory-Zeichen erhobene Fingerpaare. Von ganz hinten im Raum, wo zwei Sanitäter in Bereitschaft stehen, schaut Willy Brandt stumm als Metallskulptur in den Raum und erinnert an Tage, in denen die SPD ihre größten Erfolge feierte.

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          „Heute ist Twesten-Tag!“

          „Wir sind begeistert: erst zehn Prozent hinten, dann so gewonnen! Heute ist Twesten-Tag“, ruft ein SPD-Mann und meint, dass ausgerechnet die Frau, an der die rot-grüne Koalition zerbrochen war, nun den Sieg der SPD mitverursacht habe. An den vielen Stehtischen im Raum gleichen sich die Analysen der SPD-Politiker: Die Bürger hätten einen klaren Unterschied gemacht zwischen der Bundestagswahl und der Landtagswahl, lautet zum Beispiel ein immer wieder genannter Punkt. Die Geschlossenheit des Landesverbandes ein anderer. Nur so sei das Ergebnis zu erklären. Und: Es habe keine Wechselstimmung gegeben, sondern eine Zufriedenheit mit Ministerpräsident Stephan Weil.

          Die Gespräche werden abrupt von Applaus unterbrochen. Der Ministerpräsident hat den Raum betreten. Mit einer Traube von Fotografen und Kameraleuten schiebt sich Stephan Weil durch den Raum zur Bühne. „Stefan! Stefan!“-Rufe begleiten ihn. Mit einem breiten, zufriedenen Grinsen stellt sich Weil vor das Mikrofon. „Das ist ein großer Abend für die niedersächsische SPD“, ruft er. Hinter ihnen lägen zweieinhalb Monate Wahlkampf, „an die wir alle uns immer erinnern werden“. Damals habe der Unterschied zwischen SPD und CDU zwölf Prozentpunkte betragen – zugunsten der CDU. Der Wahlkampf sei eine „Charakterprobe“ gewesen. Es habe eine „rasante Aufholjagd“ begonnen, ruft Weil. Und: „Zum ersten Mal seit 1998 können wir wieder stärkste Fraktion werden!“

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