Home
http://www.faz.net/-gpf-76g6d
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Niedersachsen Burg ohne Töchter

SPD und Grüne haben ihr Bündnis in Niedersachsen festgezurrt. Die Grünen konnten den neuen Justizminister noch nicht gleich nennen. Gesucht wurde eine Frau, zwischen Harz und Meer aber nicht gefunden.

© dapd Stephan Weil mit der Landesvorsitzenden und dem Fraktionsvorsitzenden der Grünen, Anja Piel und Stefan Wenzel

Der nächste Kanzler muss ein Niedersachse sein.“ So lautete die Anzeigenkampagne des selbstgemachten Millionärs Carsten Maschmeyer, die Gerhard Schröder in Hannover einst an die Macht brachte und ihm damit den Weg zur Kanzlerschaft öffnete. Auch das Land ist seitdem gefühlt wichtiger geworden: Nicht nur wegen der kurzen Präsidentschaft Christian Wulffs; nein, auch Gabriel, Rösler, Steinmeier und Trittin zählen politisch zu Niedersachsens Söhnen. Jetzt ist sogar Braunschweig stolz, weil die künftige Bundesbildungsministerin zuletzt in der „Löwenstadt“ wohnte. Dabei wurde die in Sachsen geborene Politikerin erst 2010 gleichsam als Ost-Paket in das notleidende Kabinett Wulff geholt.

Reinhard Müller Folgen:

Frau Wanka ist jedenfalls jetzt erst einmal bekannter als der designierte, als besonnener Oberbürgermeister der Landeshauptstadt erprobte niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil, der nun mit den Grünen das versprochene Bündnis festgezurrt hat. Weil und Stefan Wenzel, der im Fall Wulff Anerkennung und Prominenz erwarb, werden das im Kern konservative zweitgrößte deutsche Flächenland, das seit der Varus-Schlacht schon einiges mitgemacht hat, nicht umpflügen (können). Die Streitpunkte Atomenergie, Verkehr und Massentierhaltung, in welcher Reihenfolge auch immer, geben den Grünen die Chance, ihre nicht immer zu hörende, Werte bewahrende Note zur Geltung zu bringen. Schon mahnt die Grünen-Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl, Katrin Göring-Eckardt, Gorleben als Endlagerstandort doch bitte nicht auszuschließen, worauf sich die niedersächsischen Parteifreunde eigentlich verständigt hatten. „Gorleben soll leben“ einmal anders.

Es leben aber auch noch andere in Niedersachsen, schließlich fehlten nur eine paar Stimmen, und David McAllister wäre mit einer - gemessen an den sogenannten Umfragewerten - sensationell erstarkten FDP an der Regierung geblieben. So verstärkt die rot-grüne „feste Burg und Wehr“ (Niedersachsenlied) nun die breite Front im Bundesrat, der sich die Koalition der Bundeskanzlerin gegenübersieht. Dass die Grünen, die im Landeskabinett fast so stark wie die SPD vertreten sind, den neuen Justizminister noch nicht gleich nennen konnten, ist ein starkes Signal: Ihr rechtspolitischer Sprecher ist ein Mann. Gesucht wurde aber eine Frau - gern auch von auswärts. Zwischen Harz und Meer gibt es offenbar keine mehr.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z.

 
()
Permalink

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Nach dem Urteil Nur Bayern will das Betreuungsgeld selber zahlen

Nach dem Stopp des Betreuungsgeldes durch die Verfassungsrichter will Bayern die Familienleistung in jedem Fall weiter zahlen, zur Not aus der eigenen Tasche. Die meisten anderen Länder winken ab. Mehr

21.07.2015, 14:48 Uhr | Wirtschaft
Ostercappeln in Niedersachsen Erster Deutscher an Folgen von Mers gestorben

Zum ersten Mal ist ein Deutscher an den Folgen der Atemwegserkrankung Mers gestorben. Ein 65 Jahre alter Mann habe sich im Februar auf der Arabischen Halbinsel mit dem Virus infiziert, teilte das niedersächsische Gesundheitsministerium in Hannover mit. Mehr

17.06.2015, 10:35 Uhr | Gesellschaft
Energiepolitik Niedersachsen will an Brennelementesteuer festhalten

Es geht um ein Einnahmen in Milliardenhöhe. Die rot-grüne Landesregierung in Niedersachsen will sich im Bundesrat für eine Verlängerung der Brennelementsteuer bis 2022 einsetzen. Mehr

27.07.2015, 14:43 Uhr | Politik
Merkel Griechenland ist Thema bei Kanzlerin und Grünen

Bundeskanzlerin Merkel will die Gespräche zwischen Griechenland und den Institutionen abwarten und Grünen-Chefin Peter hat Sorge vor dem Grexit. Mehr

31.03.2015, 14:57 Uhr | Aktuell
Cannabis-Freigabe in Bremen? Zweifelhafter Duft

Bremen erwägt die Freigabe von Cannabis. Auch der neue Bürgermeister Carsten Sieling spricht sich in Interviews dafür aus. Doch Fachleute warnen Rot-Grün davor, den Konsum des Rauschgifts zu verharmlosen. Mehr

20.07.2015, 12:58 Uhr | Politik

Veröffentlicht: 10.02.2013, 17:17 Uhr

Kein Rittersmann und kein Knapp

Von Berthold Kohler

Viele SPD-Mitglieder sind der Meinung, es gebe in der Partei bessere Kanzlerkandidaten als Gabriel. Wer aber sollte das sein? Mehr 0