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Fernsehduell in Niedersachsen Anspruchsvoll auf Augenhöhe

Das Fernsehduell zwischen den Spitzenkandidaten der Landtagswahl in Niedersachsen verlief ausgeglichen. Nur selten brachten Ministerpräsident McAllister und SPD-Herausforderer Weil einander in Bedrängnis.

© dpa Attacke McAllister: Der Ministerpräsident nutzt die Angriffsfläche Linkspartei

David McAllister, amtierender Ministerpräsident von Niedersachsen, und Stephan Weil, der SPD-Mann, der dieses Amt bei der Wahl am 20. Januar anstrebt, waren gut vorbereitet. Die Kandidaten waren sachlich, sie kannten die Fakten und ihre Argumente. Das einzige direkte Aufeinandertreffen beider am Donnerstagabend im Fernsehprogramm des Norddeutschen Rundfunks, das wegen der zuletzt knappen Umfrageergebnisse ausschlaggebend sein kann, verlief auf hohem Niveau.

Und es war weitaus zivilisierter und aussagekräftiger als das „kleine Duell“ am Vorabend ebenfalls im NDR zwischen den Vorsitzenden der FDP, der Grünen und der Linkspartei. Das zeigte sich schon vor und nach der Sendung: Ihr Händedruck davor und danach sei, sagten sie, der längste gewesen im gesamten Wahlkampf.

Der Moderator Andreas Cichowicz, Chefredakteur des NDR, nannte es das anspruchsvollste Duell von den acht, die er bisher in Norddeutschland vor Wahlen moderiert habe: Dass aus Niedersachsen immer wieder herausragende Politiker kämen, sei offenkundig nicht Zufall.

Linkspartei als Angriffsfläche

Spannend war es zu Beginn, als Weil auf die Frage von Cichowicz zu einer möglichen Koalition der SPD und der Grünen mit der Linkspartei mehrfach ausweichend antwortete – das sei eine Splitterpartei, die er nicht aufwerten wolle, indem er auf sie „wertvolle Sendeminuten verschwende“. Das nutzte McAllister zum Angriff – Weil weiche aus und schließe eine Zusammenarbeit mit den Linken nicht aus. Brisanz hatte die Frage gewonnen, nachdem die Linkspartei die stellvertretende Bundesparteivorsitzende Sahra Wagenknecht als ihre Verhandlungsführerin vorstellte – damit hätte die Parteilinke den ersten Zugriff auf ein Ministeramt.

Als McAllister Weil vorwarf, er sei zum Thema Gorleben dogmatischer als sein Parteivorsitzender Sigmar Gabriel, sagte Weil einen Satz, der bei den Wählern gut ankommen mag: Für ihn gelte „erst das Land, dann die Partei“. Bei einer Äußerung McAllisters zur Energiewende war Weil, der zu Beginn des Wahlkampfs als eher bedächtig, fast dröge galt, mit nur einem Wort schlagfertig: Als der CDU-Politiker das Wort „ankündigte“ nutzte, wiederholte Weil das Wort mit leicht spöttischem Lächeln, um zu sagen, das sei eben nur eine Ankündigung, die man also nicht ernst nehmen müsse.

Versuche des Ministerpräsidenten, die überaus komplizierte Materie der Entscheidung über ein Endlager zu erläutern, konterte Weil mit einer klaren Kante. Ebenso dürfte sein Vorwurf, die Regierung habe bei der Insolvenz eines großen Windradunternehmens in Emden „eine unerklärliche Passivität“ gezeigt, besser angekommen sein als die Erklärung McAllisters, hier habe man nicht Steuergelder verschwenden dürfen. Schlagfertig war McAllister dann wiederum bei den Studiengebühren, deren Abschaffung die SPD von 2014 an fordert: Fast alle Hochschulpräsidenten seien für diese Gebühren, und mehrere von ihnen seien ja Sozialdemokraten.

So knapp wie selten

Unmittelbar vor der Sendung kamen gleich drei Umfragen – je eine des ZDF und der ARD und eine eines privaten Befragungsinstituts, die alle der niedersächsischen FDP erstmals seit Monaten jeweils fünf Prozent gaben. Zudem sahen alle die Linkspartei wie auch die Piraten bei drei Prozent.

Sollte sich das bestätigen, säßen im Landtag in Hannover vier Parteien – schwarz-gelb und rot-grün, zusammen nur ein oder zwei Prozent vor oder hinter dem anderen. Darin stimmten McAllister, Weil und Cichowicz überein: Der Wahlausgang werde so knapp wie kaum jemals zuvor in Niedersachsen.

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Quelle: FAZ.NET

 
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