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Doris Schröder-Köpf Es geht ja nicht um irgendwen

Doris Schröder-Köpf hatte entschieden, in die Politik zu gehen. In ihrem Wahlkreis gab es eine langjährige Abgeordnete. Bald nicht mehr.

© Shutterstock Vergrößern

Doris Schröder-Köpf steht im Foyer eines kleinen Theaters in Hannover und begrüßt ihre Gäste. Sehr schmal und zerbrechlich steht sie da, auf hohen Schuhen, und lächelt. Wenn Schröder-Köpf lächelt, ist das immer ein Strahlen, als könnte sie die ganze Welt umarmen. Jedem, der eintritt, gibt sie die Hand. Manchem, der seine Jacke abgegeben hat, gleich noch einmal.

Ein paar Meter weiter steht ihr Ehemann, Gerhard Schröder, breit und kantig, er lacht sein Kanzlerlachen. Bereitwillig lässt er Fotos von sich machen, legt seine Hände auf die Schultern fremder Menschen. Dabei soll eigentlich seine Frau im Mittelpunkt stehen: Sie kandidiert für ein Landtagsmandat in Niedersachsen, es ist ihre Veranstaltung, eine Diskussion über Integration. Der Spitzenkandidat der SPD, Stephan Weil, hat sie kurz zuvor, Mitte November, zur Schattenbeauftragten für das Thema gemacht. Sie soll zwar nicht Ministerin werden, aber immerhin ein Büro in der Staatskanzlei bekommen.

Der Vorsitzende des SPD-Stadtverbands, Alptekin Kirci, moderiert die Runde. Aber auch Schröder-Köpf wirkt auf dem Podium wie eine Moderatorin. Als wäre sie noch Journalistin, wie früher, nicht Politikerin. Sie stellt mehr Fragen, als sie Antworten gibt. Als ein junger Mann mit dunkler Hautfarbe den Titel der Veranstaltung, „Willkommenskultur in Deutschland“, kritisiert, weil er nicht willkommen geheißen werden will in seinem eigenen Land, gibt sie ihm recht. Sie finde den Ausdruck auch nicht gut, aber er werde nun mal gebraucht, und da habe sie sich nicht getraut, etwas Neues zu erfinden.

Wie eine Statue seiner selbst

In der ersten Reihe sitzt, wie eine Statue seiner selbst, der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder. Nur einmal meldet er sich zu Wort. Da hat jemand seiner Frau gerade die Frage gestellt, warum ihr Amt nicht auf Ministerebene angesiedelt werde. Sie hat gesagt, um sich durchzusetzen brauche sie kein Amt. Schröder dröhnt in den Saal: „Das kann ich bestätigen!“ Das Publikum lacht, Gerd auch. Doris nicht. Ihr Gesicht zeigt keine Regung. Nach der Diskussion schickt sie ihn nach Hause, den Babysitter ablösen. Sie selbst bleibt noch eine Weile. Er ist jetzt nicht dran.

Doris Schröder-Köpf mit Ehemann © dpa Vergrößern Doris Schröder-Köpf mit Ehemann: „Jetzt kommen wir mal zu mir“

In Interviews wird sie fuchtig, wenn sie nur über ihren Mann reden soll. Als Markus Lanz sie über Gerhard Schröders Hausmannqualitäten ausfragte, wich das Lächeln für einen Moment aus ihrem Gesicht, ihre Stimme wurde tiefer. „Jetzt kommen wir mal zu mir“, sagte sie zu ihm. Der „Hannoverschen Allgemeinen“ hat sie gesagt, der Promifaktor sei in der SPD „ganz bestimmt kein Vorteil, sondern eher eine Barriere“. Ist das wirklich so?

Schon vor fünf Jahren fragte sie der damalige Landesvorsitzende Wolfgang Jüttner, ob sie nicht für den Landtag kandidieren wolle. Damals sagte sie nein - die beiden Adoptivkinder waren noch zu klein. Aber sie entschied, es beim nächsten Mal zu probieren. 2011 dann fand sie, dass ihre Zeit gekommen war. Ihr Mann offenbar auch. Er unterstützt seine Frau im Wahlkampf, damit hilft er auch der SPD, auch Stephan Weil. Hannover ist noch immer stolz auf seinen Kanzler, trotz Agenda-Politik, trotz Gasprom. Und der „a.D.“ ist plötzlich wieder da, liest Kindern in einer Schule vor, taucht zum ersten Mal seit Jahren wieder auf einem SPD-Landesparteitag auf.

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