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Veröffentlicht: 17.01.2013, 13:05 Uhr

David McAllister Schützenkönig mit nur einem Schuss

David McAllister war immer der Jüngste in seinen Ämtern. Am Sonntag muss er sich erstmals als Spitzenkandidat in einer wichtigen Wahl bewähren. Er weiß: Es wird eng. Seine Abneigung gegen große Auftritte und Rampenlicht ist sein Problem. Seine enge Bindung an Land und Leute ist seine Chance.

von , Hannover
© Pilar, Daniel Ziel im Visier: David McAllister vor dem Eingang der Staatskanzlei in Hannover

Horst Seehofer, der CSU-Vorsitzende sagt, er „bewundere“ ihn, und ruft Niedersachsens Ministerpräsidenten David McAllister zum Hoffnungsträger und nächsten CDU-Bundeskanzler nach Angela Merkel aus. Doch die guten persönlichen Beliebtheitswerte bei Parteifreunden wie bei den Wählern in Niedersachsen können trügen: McAllister weiß, dass er trotzdem am Sonntag als Regierungschef abgewählt werden kann. Eng wird es allemal.

Die Spitzenkandidaten McAllister und Stephan Weil (SPD) respektieren sich zwar, hinsichtlich Temperament und Wesensart sind die beiden allerdings so unterschiedlich, wie zwei Norddeutsche es nur sein können: Weil ist ein Mann nüchterner Zahlen und einer bei aller Verbindlichkeit gewollten menschlichen Distanz. Ein Großstädter. McAllister ist zwar gebürtiger Berliner, ihm behagt das Treiben in der Hauptstadt aber sichtlich nicht. McAllister ist ein kumpelhafter Mensch. Seine Heimat ist die Küstenregion um Bad Bederkesa. Gerne erzählt er, dass er in dem Städtchen bei Cuxhaven, wo er in jungen Jahren Bürgermeister und Schützenkönig war, an einem Samstag in kurzen Hosen mit seinen Töchtern zum Bäcker gehen könne, um zu hören, was die Leute sagen.

Dinge im Stillen einfädeln

Dort und in der Jungen Union lernte er jene kennen, die ihm wichtig sind - neben seinen Jugendfreunden ein ehemaliger Landrat als väterlicher Mentor, der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium Enak Ferlemann und der Parlamentarische Geschäftsführer der Unions-Bundestagsfraktion, Michael Grosse-Brömer. Die drei verbindet das gemeinsame strategische Interesse, in Berlin regionale Belange der Küste und des Landes vertreten zu wissen. McAllister selbst zog es bisher nicht nach Berlin. Er hätte den ersten Zugriff gehabt auf das Amt des stellvertretenden Bundesvorsitzenden der CDU, überließ das aber Ursula von der Leyen - und schuf sich so eine weitere Verbündete im parteiübergreifenden Geflecht der Niedersachsen in Berlin. Das ist seine Methode: McAllister versucht, die Dinge im Stillen einzufädeln. Das Rampenlicht Berlins überlässt er der Bundesarbeitsministerin.

Dort, in der Hauptstadt, bekäme er unter Umständen auch Schwierigkeiten. Denn der 42 Jahre alte Ministerpräsident schätzt das offene Wort, spöttelt auch mal gerne über Freund und Feind. Aus Selbstschutz nur noch in Sprechblasen zu reden ist seine Sache nicht. In Niedersachsen kann McAllister darauf bauen, dass seine Zuhörer, selbst wenn sie zum politischen Gegner gehören, diskret bleiben. Das wäre in Berlin anders. McAllisters bekundet, dass es ihn - neuerdings schränkt er das ein mit einem „derzeit“ - auch gar nicht nach Berlin ziehe. Zweimal lehnte er ein Angebot der Bundeskanzlerin ab, CDU-Generalsekretär zu werden. Bestätigt haben dürften ihn die Erfahrungen seines Freundes Philipp Rösler nach dessen Wechsel nach Berlin.

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Auch öffentliche Auftritte im Fernsehen sind nicht die Sache des David McAllister. Noch vor wenigen Monaten scheute er Talkshows - an Sonntagabenden schaue er lieber den „Tatort“, als an politischen Debatten teilzunehmen. Außerhalb Niedersachsens war McAllister darum auch lange wenig bekannt. Ob ihm das geschadet hat? Bei Frau Merkel zumindest eher nicht. Zur Kanzlerin und CDU-Bundesvorsitzenden hat er ein vertrautes Verhältnis. Innerhalb der Partei gilt er als einer der frühen Anhänger einer Modernisierung der Partei. Sie müsse ein offeneres Bild vermitteln, sagt McAllister.

Was das heißt, ist bisweilen schwer zu sagen. So sagt er auch mal gerne, er sei liberal, konservativ, christlich, sozial. Irgendwie scheint er in allen Parteirichtungen zu Hause zu sein. Eigene Parteifreunde bedrängen McAllister, dem ein vorsichtiges Naturell zu eigen ist, gelegentlich stärker klare Kante zu zeigen. Die Opposition haut in diese Kerbe und hält ihm vor, er sei als „Muttis Liebling“ zu zahm und erreiche weniger für Niedersachsen als lautstärkere süddeutsche Bundesländer. McAllister aber kokettiert im Wahlkampf mit seiner Nähe zu „Angela“.

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