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David McAllister Der Mann mit der Maske

Der niedersächsische Ministerpräsident David McAllister kämpft um seinen Job - zum ersten Mal in einer erstaunlichen Karriere. Obwohl ihm Wahlkampf liegt, steht er unter Druck.

© dpa David McAllister

Vor ein paar Wochen besuchte der niedersächsische Ministerpräsident eine Moschee am Stadtrand von Hannover. Es war unbekanntes Terrain für ihn, und das will etwas heißen. Normalerweise kann David McAllister jeden Ortsbürgermeister mit Namen ansprechen. Aber nun standen da Unbekannte, Männer mit Bart, Frauen mit Kopftuch. McAllister sagte artig „Merhaba“, das hatte er auswendig gelernt. Und noch ein paar Sätze: dass er „auch ihr Ministerpräsident“ sei, dass er „genauso gerne in eine Moscheegemeinde wie in eine Synagoge und eine christliche Kirche“ gehe. Das klang wie auswendig gelernt. Er wollte nichts falsch machen, nicht so kurz vor der Landtagswahl, nicht an einem solchen Ort, vor laufenden Kameras.

Thomas Gutschker Folgen:

Wenn David McAllister angespannt ist, schaltet er in den Kontrollmodus um. Dann erstarren seine Gesichtszüge. Die Augen blicken ins Leere, und die helle Stimme wird dunkler, staatstragend, leiernd. Der Politiker McAllister sieht dann aus wie eine Maske, die spricht. Nur eines kann er nicht so gut kontrollieren, die Blutgefäße in seinen Wangen. Sie leuchten durch die Maske hindurch.

Die Moschee war ihm fremd. Er stellte Fragen. In welcher Sprache gepredigt werde, wer die Gebetszeiten „ausrechne“, ob Atatürk im Ersten Weltkrieg gekämpft habe. Das war etwa so, als wollte ein Muslim in einer christlichen Kirche wissen, wer denn der Mann am Kreuz sei und ob die Messe auf Aramäisch gehalten werde. Die Gastgeber bewahrten Haltung, sie waren stolz auf ihren Besucher. Nach einem Rundgang durften sie selbst Fragen stellen. McAllister war auf alles gefasst, seine Miene signalisierte höchste Alarmstufe.

„Everybody’s darling“

Aber dann tauten die Gesichtszüge langsam auf. Es ging selbst an diesem Ort um lauter Dinge, die ihn auch sonst beschäftigen: Studiengebühren, Bildungschancen, den Verfall des örtlichen Einkaufszentrums. Da war der Ministerpräsident wieder in seinem Element. Als er ging, lud er noch schnell zwei türkische Honoratioren zum CDU-Parteitag ein.

Eigentlich kennt man ihn so: locker, schlagfertig, immer einen Spruch auf den Lippen. David McAllister ist gerne „everybody’s darling“, das ist eine Triebfeder für sein politisches Engagement. Er kann auf Menschen zugehen, mit jedem ein Schwätzchen halten. So hat er Niedersachsen in den letzten zweieinhalb Jahren als Ministerpräsident erobert. Aber McAllister kann auch ganz anders sein: vorsichtig, verschlossen, misstrauisch.

Wenn er unsicher ist, wenn er unter Druck steht. Und momentan steht er mächtig unter Druck: Der Mann, der von Horst Seehofer schon zum Merkel-Nachfolger hochgejubelt wurde, könnte bald zum einfachen Landtagsabgeordneten herabgestuft werden. Zwar sagen die Umfragen der CDU ein hervorragendes Ergebnis bei der Landtagswahl am 20. Januar voraus. Doch was nutzt das schon, wenn ihr Partner, die FDP, auf der Strecke bleibt und es für SPD und Grüne zur Regierungsmehrheit reicht?

McAllisters Karrierebeschleuniger

Bislang fiel McAllister vieles wie von selbst zu. Er wurde Fraktionsvorsitzender, CDU-Parteichef, Ministerpräsident - immer als Nachfolger Christian Wulffs, der ihn früh förderte. Jetzt muss er zum ersten Mal richtig kämpfen, um an der Macht zu bleiben. Und alle sehen genau hin in Berlin, denn der Ausgang in Niedersachsen setzt den Ton, vielleicht auch den Trend, für die Bundestagswahl im Herbst. Zum offiziellen Wahlkampfauftakt am nächsten Samstag kommt die Kanzlerin nach Braunschweig, danach bleiben zwei kurze Wochen, um Wähler zu mobilisieren.

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