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CDU-Kandidat Althusmann : Image-Suche im Merkel-Dilemma

Bewegender Wahlkampf: Der niedersächsische CDU-Spitzenkandidat Bernd Althusmann Bild: Reuters

Patchwork-Vater, Reserve-Offizier, Afrika-Auswanderer: Der CDU-Spitzenkandidat in Niedersachsen hat viele Gesichter. Aber kann Bernd Althusmann das richtige zeigen, um den Abwärtstrend noch umzukehren?

          Es ist ein rätselhaftes Drehbuch, dem der Landtagswahlkampf in Niedersachsen folgt. In der Anfangsszene durfte Bernd Althusmann noch in der Annahme vor die Fernsehkameras treten, dass er Hauptdarsteller und Autor zugleich ist. Das war am 4. August, als die Abgeordnete Elke Twesten mit ihrem Wechsel von den Grünen zur CDU die rot-grüne Mehrheit im Landtag zu Fall brachte. Plötzlich schien in Niedersachsen nicht mehr der sozialdemokratische Ministerpräsident das Geschehen zu bestimmen, sondern der CDU-Spitzenkandidat.

          Reinhard Bingener

          Politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.

          Ein konstruktives Misstrauensvotum vermied Althusmann. In der CDU-Spitze hatte man Furcht vor Abweichlern in den eigenen Reihen. Lieber ging man den Weg vorgezogener Neuwahlen, da die Umfragen Anfang August äußerst günstig für Althusmann standen. Die Bundes-CDU befand sich in einem stabilen Umfragehoch. Die Kampagne von SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz lag danieder. Im Windschatten von Angela Merkel sollte Althusmann in die niedersächsische Staatskanzlei segeln. Das Bundesland mit seinen weiten Ebenen im Norden und den sanften Gebirgen im Süden würde nach dem Betriebsunfall bei der Wahl 2013 wieder unter die Kontrolle der Union kommen. Nach viereinhalb Jahren unter der bürokratischen Fuchtel von Rot-Grün sollte es für die Menschen in Niedersachsen eine Heimkehr sein.

          Das Image des Spitzenkandidaten wurde entsprechend koloriert. Getragen und sanft trat der CDU-Landesvorsitzende auf. Althusmann verfügt über eine sonore, sehr angenehme Stimme. Im Wahlkampf sprach er viel über seine Jahre in Afrika. Althusmann war dorthin gezogen, nachdem er 2013 nicht nur sein Amt als Kultusminister, sondern auf höchst unglückliche Weise auch sein Mandat im Landtag verloren hatte. Viel habe er in Afrika über das Leben gelernt, erklärte Althusmann nun. Der Sohn eines lutherischen Pastors sprach in Interviews auch über den Alltag mit seiner Patchwork-Familie. Erkennbar ging es dabei darum, Althusmanns alten Spitznamen „Panzer“ aus den Köpfen herauszubekommen. Das Wort stammt noch aus der Zeit, als der Reserveoffizier Althusmann Parlamentarischer Geschäftsführer seiner Partei war und somit den groben Teil des Landtagsgeschäfts zu bewältigen hatte.

          Es galt außerdem, Eindrücke aus Althusmanns Zeit als Kultusminister zu verwischen. Die verkürzte Gymnasialzeit („G8“) hatte er befürwortet, ebenso die Studiengebühren. Althusmann hatte damals zu spät registriert, dass der Hochleistungs-Konservativismus nach dem Vorbild Edmund Stoibers („Benchmark Bayern“) seinen Zenit überschritten hatte.

          Die Botschaft im Wahlkampf lautete deshalb, Althusmann habe dazugelernt. Jeder darf sich bei ihm sicher sein. Der 50 Jahre alte Pädagoge und Betriebswirt würde die Probleme des Landes Niedersachsen zwar mit mehr Entschlossenheit angehen als Stephan Weil. Aber ebenso wie der amtierende Ministerpräsident würde er mit ruhiger Hand handeln, mit Augenmaß und den Schwachen stets im Blick. Bernd Althusmann, der moderne und mitfühlende Konservative.

          Anfang August deutete alles darauf hin, dass dieser Plan aufgeht. Doch dann setzte in den Umfragen ein merkwürdiger Sinkflug ein. Immer weiter ging es abwärts für die CDU. Hatte die Union unmittelbar nach dem Wechsel Twestens noch bei 40 Prozent gelegen und die SPD bei 32 Prozent, näherten sich die Werte Schritt für Schritt aneinander an. In der vergangenen Woche haben die Sozialdemokraten die Union eingeholt. Inzwischen haben sich die beiden Kurven gekreuzt – das Momentum liegt klar auf Seiten der SPD. Die möglichen Ursachen für diese Entwicklung sind seit Wochen das Thema Nummer eins in der politischen Szene der Landeshauptstadt.

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