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London nach dem Anschlag  : „Die werden nicht gewinnen“

Eine junge Frau hat Blumen zum Gedenken an die Terroropfer gebracht, die ein Polizist hinter dem Absperrband ablegen soll. Bild: AP

Die britische Hauptstadt zeigt sich nach dem zweiten Anschlag binnen weniger Monate unerschrocken. Augenzeugen loben das rasche Eingreifen der Polizei. Wie das Leben am Tag nach dem Anschlag weitergeht.

          Eine Szene aus der Terrornacht von London hat sich Richard Angell eingeprägt wie keine andere: „Die Rettungssanitäter“, sagt er. „Während ringsum auf der Straße alle um ihr Leben rannten,  beugten sie sich über ein am Boden liegendes Opfer der Messerattacke, um zu helfen“ Die Sanitäter hätten dabei ihr eigenes Leben riskiert. Denn zu diesem Zeitpunkt, unmittelbar nach dem Angriff, wusste niemand, wo die Täter waren. „Aber die Sanitäter knieten am Boden und hatten nur Augen für die verletzte Frau. Sie kehrten der Gefahr ihren ungeschützten Rücken zu“, sagt Angell. „Das war umwerfend.“

          Marcus Theurer

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Angell ist Direktor der Londoner Denkfabrik Progress. Er wohnt im Osten der Stadt und ist am Samstagabend in der Innenstadt gewesen, um mit Freunden in einer Kneipe ein paar Gin Tonics zu trinken und Spaß zu haben. Sie saßen im Arabica, einem Restaurant am Borough Market am Südufer der Themse. „Wir hatten ausgerechnet den Tisch direkt am Eingang“, berichtet Angell. „Plötzlich brach draußen das Chaos los.“ Tische, Stühle und Gläser flogen durch die Luft. Wie sich später herausstellte, versuchten einige Besucher des beliebten Kneipenviertels die bewaffneten Angreifer zurückzuschlagen. Angell dachte dagegen zuerst, da randalierten ein paar Betrunkene. „Aber die Sicherheitsleute schrien, wir sollten unter den Tischen in Deckung gehen. Niemand wusste, was da gerade passierte. Dann flüchteten die Restaurantgäste und das Personal ins Obergeschoss.

          Augenzeuge des Anschlags: Richard Angell, Direktor der Londoner Denkfabrik Progress.
          Augenzeuge des Anschlags: Richard Angell, Direktor der Londoner Denkfabrik Progress. : Bild: Marcus Theurer

          Und warum ist er jetzt am Sonntagmorgen, gut zwölf Stunden nach dem Terroranschlag zurück am Ort des Geschehens? Angell hat eine verblüffende Antwort: „Ich will meine Rechnung im Restaurant bezahlen, das ist mir wichtig“, sagt er. „Und dem Personal ein doppeltes Trinkgeld geben. Die haben super reagiert.“ Angell will ein Zeichen setzen, dass er sich vom Terror nicht unterkriegen lässt. Jetzt erst recht.

          Aus dem Bezahlen wird wohl so schnell nichts werden. Auch am Mittag ist die Gegend um den Borough Market von der Polizei noch immer weiträumig abgesperrt. Die nahe U-Bahnstation London Bridge ist ebenfalls gesperrt. „Feige und barbarisch“ nennt Angell die Tat der Terroristen. „Aber die werden nicht gewinnen. London ist die großartigste Stadt der Welt und Borough Market ist einer meiner Lieblingsorte. Wir lassen uns unser Leben nicht kaputtmachen.“

          Auf das Herz Londons gezielt

          Wie schon beim Anschlag von Westminster im März haben die Täter auf das Herz der Metropole gezielt. Die Markthallen von Borough Market mit ihren Restaurants und Bars sind einer der großen Touristenmagneten in London. Sie gehören zum Standardprogramm vieler Besucher der britischen Hauptstadt. Die London Bridge, wo die Attentäter ihre Opfer am Samstagabend mit einem Kleinbus niedermähten, nutzen werktags viele Tausend Berufspendler auf dem Weg ins Büro. Sie kommen mit dem Zug im Bahnhof London Bridge, südlich der Themse an, und marschieren über die Brücke ins Finanzviertel am Nordufer.

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