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Frankreich vor der Wahl : „Sie erzählen Unsinn!“ – „Sie sind arrogant!“

Unterstützer Macons verfolgen die TV-Debatte. Bild: EPA

Die TV-Debatte der französischen Präsidentschaftskandidaten Le Pen und Macron war von beispielloser Aggressivität geprägt. Der Favorit versucht es mit Gegenfragen, seine Konkurrentin konzentriert sich auf Angriff – und gibt sich eine peinliche Blöße.

          Frankreich wird auf jeden Fall von einer Frau regiert werden: entweder von mir oder von Angela Merkel“ – Bis zum Ende des Fernsehduells vor der entscheidenden Stichwahl in Frankreich hat Marine Le Pen versucht, ihren politischen Gegner Emmanuel Macron als Kandidaten der Unterwerfung zu diskreditieren. Le Pen ließ keine Gelegenheit aus, Macron verbal anzugreifen. Sie behauptete, er hole sich seine Order in Berlin und werde Frankreich einer ultraliberalen EU und einer „wilden Globalisierung“ schutzlos ausliefern. Unter ihrer Führung hingegen werde „Deutschland leiden“, drohte die Front-National-Politikerin. So werde die Rückkehr zum Franc automatisch eine Erhöhung der Deutschen Mark nach sich ziehen und die deutsche Wirtschaft werde leiden, sagte sie. Le Pen ist der Meinung, dass alle Länder wieder ihre nationalen Währungen einführen werden.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Macron bekundete, sein Modell sei das genaue Gegenteil. Er wolle mit der Bundesregierung zusammenarbeiten. Bei der Terrorismusbekämpfung hielt Le Pen Macron vor, sich mit dem vorgeblich „islamistischen“ Verein UOIF verbündet zu haben. Macron konterte ihre Attacke und hielt Le Pen einen „Geist der Niederlage“ vor. Sie wolle Frankreich von der Welt abschotten, er hingegen stehe für einen „Eroberungsgeist“, der schon immer die Stärke des Landes aufgemacht habe. Insgesamt war die Debatte so diffus und aggressiv wie noch nie in der Geschichte der französischen Fernsehduelle vor dem zweiten Wahlgang.

          Macron tritt unabhängig von den traditionellen Parteien an und hatte den ersten Wahlgang am 23. April mit 24 Prozent gewonnen, Le Pen kam auf 21,3 Prozent. Das Abschneiden seiner pro-europäischen Formation „En Marche!“ bei der Parlamentswahl gilt als großer Unsicherheitsfaktor für den 39-Jährigen. Laut jüngsten Umfragen geht Macron aber als Favorit in die Stichwahl am Sonntag.

          Übt Le Pen schon für ihre Rolle in der Opposition?

          Schon nach der ersten Viertelstunde gab sich Le Pen eine peinliche Blöße, sie verwechselte den Verkauf des Telekomunternehmens SFR mit dem Verkauf des Turbinenherstellers Alstom. „Sie verwechseln die Dossiers. Das ist traurig. Es zeigt, wie wenig Sie vorbereitet sind“, sagte Macron. Damit war der Ton gegeben: Unzählige Male beschwerte sich Macron über die Halb- und Unwahrheiten, die Le Pen verbreitete. „Sie erzählen Unsinn“, hielt er ihr vor. Le Pen hingegen behauptete, Macron sei „arrogant“. „Das Spiel vom Lehrer und der Schülerin gefällt mir nicht“, sagte sie. Die beiden Journalisten, die eigentlich die Debatte moderieren sollten, kamen kaum zu Wort und wirkten eigenartig erstarrt angesichts der Aggressivität der Debatte.

          Macron musste wiederholt selbst Gegenfragen stellen, da Le Pen sich auf Angriffe konzentrierte, aber so wenig wie möglich zu ihrem Programm Auskunft gab. Es wirkte fast so, als übe Le Pen für ihre künftige Rolle als Stimme der Opposition, die keine Regierungsverantwortung tragen muss. Bezeichnend war in diesem Zusammenhang der Austausch über das Wirtschaftsprogramm. Le Pen gab sich als Anwältin des Volkes, die den Franzosen „ihr Geld zurückgibt“, Familienleistungen und Rentenbezüge sowie den Mindestlohn erhöht. „Wie wollen Sie das finanzieren?“, fragte Macron. Le Pen antwortete nicht, sondern warf Macron vor, „seine“ Regierung habe die Schuldenlast erhöht. „Sie werden entweder die Steuern erhöhen oder die Schulden erhöhen“, argwöhnte Macron. Le Pen hielt dagegen, sie wolle Milliarden bei den Ausgaben für die Europäische Union und für die Einwanderung einsparen.

          Der frühere französische Präsident Jacques Chirac hatte sich 2002 geweigert, sich einem TV-Duell mit Jean-Marie Le Pen zu stellen. „Mit der extremen Rechten kann man nicht debattieren“, argumentierte er damals. Am späten Mittwochabend gab es auf den sozialen Netzwerken viele Franzosen, die Chirac nachträglich Recht gaben. Faktchecker stellten heraus, dass sie Le Pen zwölf Falschaussagen oder Lügen nachweisen konnten. Nach dieser Debatte wirkt Emmanuel Macron mehr denn je wie der Favorit für die Wahl am Sonntag. Laut jüngsten Umfragen könnte er mit 58 Prozent der Stimmen siegen.

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