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Macrons Wahltriumph : Frankreichs Marsch in eine neue Ära

Große Hoffnungen ruhen jetzt auf Emmanuel Macron. Bild: AP

Emmanuel Macron wird der jüngste Staatschef in Frankreich seit Louis-Napoléon Bonaparte. Seine Anhänger jubeln – und sehen Frankreichs Ehre gerettet. Und Marine Le Pen will ihre Partei tiefgreifend umbauen.

          Macron Président!“: Vor der Kulisse der früheren Königsresidenz des Louvre liegen sich die Menschen in den Armen. Es wird gejubelt und geklatscht, als das Bild Emmanuel Macrons auf der riesigen Leinwand erscheint. Es ist die Stunde des Frankreichs „En marche“, wie Macron seine vor gut einem Jahr begründete Bewegung getauft hat. Vor der gläsernen Pyramide, die jedes Jahr mehr als sieben Millionen Besuchern des Louvre-Museums als Eingang dient, sendet das Land eine Botschaft an die Welt: nein zur Abschottung, ja zu Europa. „Eine neue Ära beginnt“, sagt der Fernsehkommentator im staatlichen Sender France 2. Die Anhänger Macrons auf der Esplanade schwenken neben den französischen Trikolore-Fahnen auch Europa-Fahnen. Der mit 39 Jahren jüngste Präsident seit Beginn der V. Republik – und der jüngste Staatschef seit Louis-Napoleon Bonaparte – wird mit Jubelschreien herbeigerufen.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Doch Macron hielt seine erste Rede an die Nation nicht vor seinen Anhängern am Louvre. Vermutlich auch aus Sicherheitsgründen zeichnete er sie in seinem Wahlkampfhauptquartier auf. Ihm war deutlich die Last seiner künftigen Aufgabe anzumerken: „Ich werde Frankreich mit Demut in Ihrem Namen dienen“, sagte Macron. Er empfinde große Dankbarkeit, aber kenne die Wut, die Angst und die Zweifel, die das Land beherrschten. Er wolle die Spaltung des Landes überwinden, bekundete Macron. „Ich werde die Einheit der Nation garantieren“, sagte er. „Ich werde Frankreich und seine vitalen Interessen verteidigen.“ Und er werde Europa verteidigen, das er als „unsere Schicksalsgemeinschaft“ bezeichnete. „Heute Abend beginnt ein neues Kapitel“, bekundete Macron. Zugleich dankte er ausdrücklich dem scheidenden Präsidenten François Hollande für die vergangenen fünf Jahre. Hollande hatte zuvor seinem früheren Wirtschaftsminister herzliche Glückwünsche übermittelt.

          Zuvor hatte sich schon der frühere Präsidentschaftskandidat François Bayrou (2007: 18 Prozent) von der Zentristenpartei Modem, Macrons wichtigster Bündnispartner, zu Wort gemeldet. Er kommentierte das Ergebnis als „unglaubliche Botschaft der Hoffnung“. Alle hätten geglaubt, Frankreich sei übellaunig, pessimistisch und hoffnungslos. „Aber jetzt haben wir den jüngsten Präsidenten, den es je gegeben hat, seit die Republik existiert“, sagte Bayrou. Macron wird am kommenden Sonntag, 14. Mai, in sein neues Amt eingeführt. An diesem Montag wird er an der Seite des scheidenden Präsidenten François Hollande an der Gedenkfeier zum Ende des Zweiten Weltkrieges erwartet. Bundeskanzlerin Angela Merkel zählte zu den ersten ausländischen Regierungschefs, die Macron gratulierten. Macron hat angekündigt, dass er sich mit der Regierungsbildung noch einige Tage Zeit lassen will. Es ist üblich, dass der neue Präsident sofort auch ein neues Regierungskabinett einberuft. Die Parlamentswahlen finden am 11. und 18. Juni statt.

          Mit 34,9 Prozent der Stimmen hat Marine Le Pen das beste Ergebnis des Front National (FN) bei Präsidentenwahlen seit Gründung der Partei erzielt. Ihr Vater erreichte 2002 18 Prozent der Stimmen. Dennoch bedeutet der Stimmanteil einen Dämpfer für die 48 Jahre alte Kandidatin, die beim Fernsehduell zur Wochenmitte durch mangelnde Kompetenz und übertriebene Aggressivität aufgefallen war. Unmittelbar nach der Bekanntgabe des Ergebnisses kündigte Le Pen vor einigen enttäuschten Anhängern in einem Lokal am Bois de Vincennes eine „tiefe Veränderung ihrer Partei“ mit Blick auf die Parlamentswahlen im Juni an. „Wir werden die wichtigste Kraft der Opposition sein“, behauptete sie. Sie ließ offen, ob sie auch einen Namenswechsel ihrer Partei im Sinn hat. „Der zweite Wahlgang hat eine Neuordnung der politischen Landschaft zwischen Patrioten und Globalisierungsverteidigern eingeleitet“, sagte sie. Sie rufe alle Landsleute auf, die sich „für Frankreich entschieden“, sich ihr anzuschließen.

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