http://www.faz.net/-gpf-8x66f

Kampf um den Élysée-Palast : Macron und Le Pen bei Frankreich-Wahl vorn

  • Aktualisiert am

Jubelnde Macron-Anhänger am Wahlabend Bild: AFP

Emmanuel Macron und Marine Le Pen haben nach Hochrechnungen die erste Runde der französischen Präsidentenwahl gewonnen. Die Stichwahl im Mai dürfte damit auch ein Votum über die EU werden.

          Bei der ersten Runde der Präsidentenwahl in Frankreich liegen der Mitte-Links-Politiker Emmanuel Macron und die Rechtspopulistin Marine Le Pen vorn. Das geht aus den Hochrechnungen nach Schließung der Wahllokale hervor. Je nach Quelle der Berechnung bekommt Macron bis zu 24 Prozent der Stimmen, Le Pen um die 22 Prozent. Zwischenzeitlich lag in der Auszählung jedoch Le Pen vor Macron, was womöglich mit den unterschiedlichen Schließzeiten der Wahllokale zusammenhängt.

          Der sozialliberale Präsidentschaftskandidat Emmanuel Macron will vor der zweiten Wahlrunde am 7. Mai ein breites Bündnis gegen die Rechtspopulistin Marine Le Pen schmieden. Macron sagte am Sonntagabend vor jubelnden Anhängern in Paris, er wolle „Präsident der Patrioten“ sein, die sich geschlossen der „Bedrohung durch die Nationalisten entgegenstellen“. Macron sagte weiter, er stehe für einen „Weg der Hoffnung für unser Land und für Europa“. Als einziger Präsidentschaftskandidat vertritt er einen ausgesprochen pro-europäischen Kurs und wirbt für vertiefte Beziehungen zu Deutschland.

          Le Pen nannte den Wahlausgang in einer kurzen Ansprache vor ihren Anhängern in Hénin-Beaumont „ein historisches Ergebnis“, das ihr eine „enorme Verantwortung“ auferlege. „Jetzt wird die große Debatte endlich stattfinden“, sagte sie in Anspielung auf die bevorstehende Auseinandersetzung mit Emmanuel Macron. Die Franzosen stünden jetzt vor der „Wahl zwischen einer wilden Globalisierung, die unsere Zivilisation in Gefahr bringt, und in der Terroristen frei zirkulieren können“ oder einem „Frankreich, dessen Grenzen sein Volk beschützt, seine Arbeitsplätze, seine Kaufkraft und seine sozialen Werte“. Macron bezeichnete sie als Erbe von François Hollande und seines Scheiterns. „Ja, ich bin die Kandidatin des Volkes“, rief sie der jubelnden Menge zu und zitierte die „1500 Jahre lange Geschichte“ Frankreichs. „Wir werden eine Mehrheit versammeln mit der Liebe zu unserem Land im Herzen.“


          Wahl in Frankreich

          Macron und Le Pen liegen laut dem Hochrechnungen klar vor dem Republikaner François Fillon und dem Linksaußen Jean-Luc Mélenchon, die demnach auf knapp unter 20 Prozent der Stimmen kommen. Weit abgeschlagen auf dem fünften Platz landete der Sozialist Benoît Hamon mit nicht einmal sieben Prozent. Sollten sich die Hochrechnungen bestätigen, reflektierte das Wahlergebnis recht genau die Umfragen der letzten Tage.

          Emmanuel Macron freut sich über den Wahlausgang.

          Fillon und Hamon gestanden ihre Wahlniederlage am Sonntag umgehend ein und riefen zur Unterstützung Macrons in der Stichwahl auf. „Die Enthaltung entspricht nicht meinen Genen, vor allem, wenn eine extremistische Partei sich der Macht nähert“, sagte Fillon mit Blick auf den Einzug der Rechtspopulistin Marine Le Pen in die Stichwahl gegen Macron. „Der Extremismus kann Frankreich nur Unglück und Spaltung bringen.“ Hamon sagte: „Ich rufe dazu auf, den Front National so deutlich wie möglich zu schlagen, mit Stimmen für Emmanuel Macron, auch wenn er nicht der Linken angehört.“

          Ebenso unterstützte am Sonntagabend der französische Ministerpräsident Bernard Cazeneuve Macron. Es gehe darum, den Front National zu schlagen, und „sein unheilvolles Programm eines Rückschritts Frankreichs und der Spaltung der Franzosen“ zu verhindern, sagte der Sozialist Cazeneuve. Weitere Ergebnisse, Beobachtungen und Reaktionen im FAZ.NET-Liveblog.

          Marine Le Pen strahlt am Wahlabend.

          Die 48 Jahre alte Marine Le Pen schnitt an diesem Sonntag wesentlich besser ab als vor fünf Jahren, als sie im ersten Wahlgang 17,9 Prozent der Stimmen geholt hatte. Ihr gutes Ergebnis bei dieser Wahl ist für viele Franzosen und Europäer ein Schock. Zum zweiten Mal seit 2002 steht ein Politiker des Front National in der Stichwahl. Le Pen will den Euro in Frankreich abschaffen und die Franzosen in einem Volksentscheid über die EU-Mitgliedschaft abstimmen lassen.

          Der entscheidende zweite Wahlgang am 7. Mai dürfte damit auch zu einer Abstimmung über Europa werden. Macron, Chef der politischen Bewegung „En marche!“ (Auf dem Weg), ist im Gegensatz zu Le Pen europafreundlich eingestellt. Wer dieses Duell gewinnen wird, dürfte klar sein: Umfragen sagen für den Fall einen deutlichen Sieg Macrons voraus. 


          Wahl in Frankreich

          Weitere Themen

          Zahlreiche Kinder getötet Video-Seite öffnen

          Anschlag auf Krim-Halbinsel : Zahlreiche Kinder getötet

          Der Rektor der Schule in der Stadt Kertsch sagte am Mittwoch, ein Angreifer habe sich im Inneren der Schule in die Luft gesprengt. Bewaffnete Männer seien zudem durch die Räume gegangen und hätten um sich geschossen.

          Topmeldungen

          Khashoggi-Kommentar : Kritik wird nicht geduldet

          Offensichtlich hat die saudische Führung die unangenehmen Folgen der mutmaßlichen Tötung des saudischen Dissidenten Jamal Khashoggi unterschätzt. Nun sucht die Führung nach einem Sündenbock.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.