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Wahl in Frankreich Harald Schmidts wählende Französin befürchtet eine „Katastroff“

22.04.2007 ·  Sie ist wohl eine der bekanntesten Französinnen in Deutschland: Nathalie Licard aus der Harald-Schmidt-Show. Ihre Schwester wird für sie Ségolène Royal wählen, denn Sarkozy sei „schlimmer als Stoiber“. Zuversichtlich ist sie aber nicht.

Von Oliver Hoischen
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Nachgefragt bei Nathalie Licard, Wahlkölnerin und schönstes Accessoire der Harald-Schmidt-Show: Wie wählt eigentlich eine Französin in Deutschland an diesem Sonntag ihren neuen Präsidenten? „Isch könnte in meine Konsülat wählen“, sagt sie mit diesem wunderbaren französischen Akzent, in den man sich schon als Fernsehzuschauer verhört hat und der sich nun am Telefon als absolut echt herausstellt.

Aber das Konsulat ist eben in Düsseldorf, und da fährt eine Kölnerin nicht gern hin, auch Nathalie Licard nicht, weshalb sie ihrer Schwester im heimatlichen Dax eine Vollmacht gegeben habe - die kann jetzt für sie ins Wahllokal gehen; in Frankreich ist so etwas möglich. Und was die Schwester wählen wird, ist auch längst klar: Ségolène Royal nämlich, nicht weil sie eine Frau, sondern weil sie eine Sozialistin sei, und für die Sozialisten schlägt nun einmal das Herz von Nathalie Licard. Noch lieber freilich würde sie der Bürgermeisterin von Lille, Martine Aubry, ihre Stimme geben lassen oder dem früheren Wirtschaftsminister Dominique Strauss-Kahn - aber die treten ja nicht an.

Sarkozy? „Schlimmer als Stoiber“

Voll Leidenschaft spricht Nathalie Licard über die französische Politik, den Wahlkampf hat sie genau verfolgt: Das lange Ringen Ségolène Royals um den Posten der sozialistischen Präsidentschaftskandidatin sei so spannend wie ein Krimi gewesen. Was sie von Nicolas Sarkozy hält? Der sei eine „Katastroff - noch schlimmer als Stoiber“. Und Jean-Marie Le Pen? Der ist einfach „ein Albtraum“. Apropos: An jenem Abend vor fünf Jahren, als Le Pen überraschend in die zweite Wahlrunde mit Jacques Chirac kam, da war Nathalie Licard zu Gast bei deutschen Freunden - und die konnten ihren „Schoque“ offenbar nicht so richtig nachvollziehen, jedenfalls wollten sie mit ihr nicht in Ruhe die Berichterstattung aus Frankreich verfolgen.

So hat sie beschlossen, dieses Mal am Wahlabend ganz allein zu sein, „Arte“, „TV5“ und über Satellit auch den Fernsehkanal „TV Assemblée nationale“ zu schauen, da kann eine Exil-Französin zappen, wie sie gerade Lust hat. Im deutschen Internet gebe es - das nur als kleiner Hinweis einer offenkundigen Fachfrau - manche Prognose schon früher als im französischen Fernsehen, nämlich um 18 Uhr. „Und ich werde natürlich andauernd telefonieren mit meinen Freunden in Frankreisch“, sagt Nathalie Licard, die sich eines Tages in der deutschen Politik übrigens genauso gut auskennen möchte wie in der französischen; noch gehe das ja leider nicht - wegen der Sprache.

Bloß nicht wieder Le Pen

„Ich bin eine absolute Flasche beim Sprachenlernen. Ich 'asse Sprachen“, gesteht sie und schwärmt von Harald Schmidt, der ihr mit seinem guten Französisch zu Beginn ihrer Fernsehkarriere immer geholfen habe, ganz, ganz früher war das, als es noch ihre Aufgabe war, Stühle und Tische zu rücken, und sie noch nicht die schweigende Sängerin einer Band spielte. 1994 war sie nach Deutschland gekommen, natürlich der Liebe wegen. Heimweh aber hat sich bei ihr bis heute nicht eingestellt, schließlich ist sie von Köln aus immer ruck, zuck und oft in Paris. Ihr Wahltipp für diesen Sonntag? „Isch 'offe Sarkozy und Royal, aber isch 'abe Schiss.“

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 22.04.2007, Nr. 16 / Seite 12
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