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Bremer CDU-Kandidatin : Ausbruch aus der Welt der Rüschenblusen

Christdemokratin im Kapuzenpulli: die Bremer Spitzenkandidatin Elisabeth Motschmann auf dem Marktplatz Bild: Patrick Slesiona

Grelle Turnschuhe, lässiger Kapuzenpulli: Elisabeth Motschmann will die politische Veränderung, die sie anstrebt, auch verkörpern. Der Wandel wird vor allem an ihrer eigenen Biografie deutlich.

          Mit norddeutschem Volksfestflair umgarnt die CDU die Wählerschaft auf dem Bremer Marktplatz. Im Angebot sind Kaffee, Bier und Seemannslieder. Es sind keine Menschenmassen, die dafür ihren Samstagseinkauf unterbrechen. Aber immerhin so viele, dass die CDU-Spitzenkandidatin nicht sofort zu sehen ist. „Achten Sie auf die Schuhe“, rät ein Herr. Und tatsächlich: Zwischen den blauen Hosen der älteren Herren vom Shantychor kreischt etwas Neongrelles heraus.

          Reinhard Bingener

          Politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.

          Elisabeth Motschmann trägt Turnschuhe, die farblich an die Zeiten von Tim Wiese im Tor von Werder Bremen erinnern. Dazu einen Pullover mit der Aufschrift „#motschimachts“ auf dem Rücken, dessen Kapuze sich Motschmann über den Kopf gezogen hat.

          Hier ist offensichtlich jemand bereit, einen hohen Preis dafür zu bezahlen, um von seinem alten Image loszukommen. Den Bremern soll klargemacht werden, dass Elisabeth Motschmann aus der Welt der Rüschenblusen und Seidenhalstücher ausgebrochen ist. Der neue Geist späht bei Motschmann allerdings nicht erst seit ihrer Nominierung zur Spitzenkandidatin im Herbst herein. Die Theologin und frühere Springer-Journalistin hat bereits vor einigen Jahren damit begonnen, die Zugbrücken ihrer konservativen Trutzburg herunterzulassen, von der aus sie zuvor über Jahre Feminismus, Sozialismus und andere Weltirrtümer befehdete.

          Die 62 Jahre alte geborene Baronesse von Düsterlohe setzte sich für eine gesetzliche Frauenquote ein und forderte 2009 die Zulassung von Frauen zur traditionellen Bremer Schaffermahlzeit. Nun will sie dafür sorgen, dass bis Sonntag auch jeder in Bremen davon mitbekommt.

          CDU holte 2011 gut 20 Prozent

          In den jüngsten beiden Umfragen vor der Wahl am Sonntag kommt die CDU auf 22 und 23 Prozent. Das ist immerhin etwas mehr als die 20,4 Prozent bei der Bürgerschaftswahl 2011, vor allem aber ist es deutlich mehr als die desaströsen 15,9 Prozent der Hamburger CDU vor drei Monaten. Aber auch nach der Bremen-Wahl wird wieder gesprochen werden über das allgemeine Problem der Union, in den Großstädten zu überzeugen.

          Die Kandidatur Motschmanns wirft allerdings vor allem ein Schlaglicht auf die sehr spezifischen Probleme der bremischen CDU, in Bremen zu überzeugen. In dem kleinen Zwei-Städte-Staat präsentiert sich die Partei seit Jahr und Tag als zerstrittener Haufen. Vor und nach der Bürgerschaftswahl 2011 etwa befehdeten sich die Unterstützer der damaligen Spitzenkandidatin Rita Mohr-Lüllmann mit dem Lager um den CDU-Fraktionsvorsitzenden Thomas Röwekamp. Mohr-Lüllmann lebt mittlerweile in Bayern und gehört der CSU an. An der Pattsituation zwischen den eigentlich Mächtigen in der Bremer CDU hat das aber wenig geändert.

          An der Spitzenkandidatur 2015 zeigten so weder der Fraktionsvorsitzende Röwekamp, in der großen Koalition einst Innensenator, noch der Landesvorsitzende Jörg Kastendiek, einst Wirtschaftssenator, Interesse. Eine Kandidatur des einstigen Bausenators Jens Eckhoff stieß bei der Bremerhavener CDU auf scharfe Ablehnung. In dieser verfahrenen Situation einigte sich die Partei auf den früheren Staatsrat Thomas vom Bruch als Kandidaten. Der allerdings musste aus gesundheitlichen Gründen einen Rückzieher machen. In der Not kam die Partei auf Motschmann.

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