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Landtagswahl in Bayern : CSU gewinnt absolute Mehrheit zurück

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Wahlsieger: Die Bewährungszeit ist beendet - erwartet Bayern nun eine Ära Seehofer? Bild: Jan Roeder

Nach Hochrechnungen erringt die CSU in Bayern 49 Prozent - und kann wieder allein regieren. Ihr bisheriger Koalitionspartner FDP scheitert klar an der Fünfprozenthürde. Die SPD gewinnt leicht hinzu, Freie Wähler und Grüne liegen etwa gleichauf.

          Die CSU hat die Landtagswahl in Bayern am Sonntag klar gewonnen. Nach Hochrechnungen kam die Partei von Ministerpräsident Horst Seehofer auf etwa 49 Prozent der Stimmen und kann damit künftig wieder allein regieren. Bei der vergangenen Landtagswahl 2008 hatte die CSU nur 43,4 Prozent der Stimmen bekommen und musste eine Koalition mit der FDP eingehen. Die SPD konnte am Sonntag zwar leicht hinzugewinnen, blieb aber weit abgeschlagen – die Partei kam mit ihrem Spitzenkandidaten, dem Münchner Oberbürgermeister Christian Ude, auf knapp unter 21 Prozent. 2008 hatte die SPD mit 18,6 Prozent einen historischen Tiefpunkt in Bayern erreicht. Es war zuletzt befürchtet worden, dass dieses Ergebnis noch unterboten werden könnte.

          Die FDP verpasste den Einzug in den Landtag klar; in den Hochrechnungen lag die Partei mit ihrem Spitzenkandidaten, dem Wirtschaftsminister Martin Zeil, bei gut drei Prozent. 2008 hatte die FDP noch acht Prozent erhalten. Die Freien Wähler bleiben unter Führung von Hubert Aiwanger trotz leichter Verluste im Landtag. Sie kamen auf etwa 8,5 Prozent, 2008 waren sie mit 10,2 Prozent erstmals in den Landtag eingezogen. Auch die Grünen lagen am Sonntag bei etwa 8,5 Prozent. Zusammen kämen SPD, Grüne und Freie Wähler demnach auf etwa 37 Prozent der Stimmen. Über eine Koalition der drei Parteien war vor der Wahl spekuliert worden – eine Mehrheit, die das ermöglichen würde, wurde allerdings klar verfehlt.

          Seehofer: 2008 ist vergessen

          Klar verpasste abermals auch die Linkspartei den Einzug in den Landtag. In den Hochrechnungen wurde sie mit gerade einmal um die zwei Prozent taxiert. 2008 hatte sie noch 4,4 Prozent erhalten. Ebenfalls scheiterte die Piratenpartei, die zum ersten Mal in Bayern antrat, mit etwa 1,9 Prozent klar an der Fünfprozenthürde. Die „Alternative für Deutschland“ war in Bayern nicht zur Wahl angetreten.

          Jubel bei diesen CSU-Anhängerinnen im Landtag in München

          Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer sieht im Wahlergebnis der CSU einen historischen Erfolg seiner Partei. „Wir sind wieder da“, sagte Seehofer am Sonntagabend in München vor Anhängern. Das Ergebnis der Landtagswahl von 2008 sei damit vergessen, sagte Seehofer. „Das ist ein großartiger Wahlerfolg. Die CSU lebt als Volkspartei.“ Sie sei tief in der bayerischen Bevölkerung verankert, so Seehofer. Jeder Zweite habe die CSU gewählt.

          Ude: Die SPD hat eine Trendwende geschafft

          Trotz der absoluten Mehrheit der CSU hat die SPD bei der Landtagswahl in Bayern nach Ansicht ihres Spitzenkandidaten Christian Ude eine Trendwende geschafft. „Gerade diejenigen, die mit großer Lust einen Niedergang der SPD vorgesagt  haben, müssen zugeben, dass wir eine Trendwende in Bayern geschafft  haben“, sagte Ude am Sonntagabend in München. Über das Abschneiden der FDP sagte er: „Ich denke schon, dass für alle kleinen Parteien die Lehre sehr wichtig ist, dass man eine Koalition mit der CSU nicht überlebt.“

          SPD-Spitzenkandidat Christian Ude sieht trotzdem eine „Trendwende“

          Der SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hat den Zugewinn in Bayern als Rückenwind für die Bundestagswahl gewertet. Es sei „keine Überheblichkeit, aber eine ganze Portion von Selbstbewusstsein, mit der wir in die letzten sechs bis sieben Tage gehen wollen“, sagte Steinbrück am Sonntag. „Wir werden auf der hohen Umdrehungszahl von 8500 Umdrehungen - das ist längst der rote Bereich - auch die letzten Tage bis zur Bundestagswahl bestreiten.“ Die SPD habe seit Wochen „einen exzellenten Lauf“ und sei hoch motiviert.

          Bei Wahlveranstaltungen der FDP in Bayern und Berlin gab es dagegen lange Gesichter. Bayerns FDP-Spitzenkandidat und Wirtschaftsminister Martin Zeil bezeichnete die Niederlage der Liberalen als „schmerzlich“ und „enttäuschend“. Die FDP habe fünf Jahre lang erfolgreich in der Koalition mit der CSU gearbeitet. „Wir hätten mit unseren Erfolgen die Regierung gerne fortgeführt“, sagte Zeil. Der FDP-Bundesvorsitzende Philipp Rösler bezeichnete das Wahlergebnis als „Weckruf für alle Liberalen“. Er rief seine Partei in Berlin dazu auf, nach der Niederlage in Bayern „jetzt erst recht“ für einen Erfolg bei der Bundestagswahl zu kämpfen. „Ab jetzt geht es um Deutschland“, sagte Rösler. Das Ergebnis der Landtagswahl erklärte er so: „In Bayern ticken die Uhren anders.“

          Lange Gesichter bei der FDP: Außenminister Guido Westerwelle, Gesundheitsminister Daniel Bahr

          Die bayerische Grünen-Spitzenkandidatin Margarete Bause sagte: „Wir haben uns mehr erwartet.“ Und: „Wir haben unsere Wahlziele leider nicht erreicht.“ Der Vorsitzende der Freien Wähler, Hubert Aiwanger, zeigte sich hingegen zufrieden mit dem Ergebnis. „Ich glaube, die Freien Wähler haben sich wacker geschlagen“, sagte Aiwanger. Seine Partei sei immerhin „dreimal so stark wie die FDP“. Weitere Reaktionen auf den Ausgang der Landtagswahl lesen Sie im FAZ.NET-Liveticker (hier geht's zur Mobilversion).

          In Bayern konnten am Sonntag 9,5 Millionen Wähler ihre Stimme abgeben. Die Wahlbeteiligung lag offenbar deutlich höher als 2008. Das lag auch daran, dass die Wahlberechtigten regen Gebrauch von der Möglichkeit der Briefwahl gemacht haben.

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