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Kommentar zur CSU in Bayern : Kommt Zeit, kommt Tat

Auf Söder hatte seit Jahren nicht nur Söder gesetzt, sondern auch eine ganze Generation von aufstrebenden CSU-Leuten. Bild: dpa

Trotz der schweren Verluste bleibt Seehofer CSU-Vorsitzender. Früher oder später aber wird Söder nach dem Parteivorsitz greifen.

          Die Wahl-Watschn hat im Gesicht der CSU Spuren hinterlassen: auf der einen Backe das Entsetzen über die 37 Prozent, auf der andern die Erleichterung, dass es nicht 33 Prozent geworden sind. Die Alleinherrschaft und der Nimbus der Ausnahmepartei sind perdu, aber die CSU wird weiter die Regierung anführen und den bayerischen Ministerpräsidenten stellen. Die beste Nachricht an einem rabenschwarzen Wahlabend für die abgestrafte Partei lautete, dass es für eine Zweierkoalition mit den Freien Wählern reicht. Trotz der zweistelligen Verluste kann damit vieles in München beim Alten bleiben, minus drei plus x Ministerposten und möglicherweise abzüglich der dritten Startbahn für den Franz-Josef-Strauß-Flughafen.

          Schon vor der Wahl hatte für die CSU festgestanden, dass Söder Ministerpräsident bleiben wird, so es nicht zum GAU kommt, also zur Verbannung der Partei in die Opposition. Auf Söder hatte seit Jahren nicht nur Söder gesetzt, sondern auch eine ganze Generation von aufstrebenden CSU-Leuten. Die Landtagsfraktion, auf die es ankommt, steht hinter Söder, weswegen bei der Frage, was denn das größte Zeichen der von ihm angekündigten „Demut“ sei, alle Blicke sich auf den Parteivorsitzenden richten.

          Kraftvoll verwünscht

          Seehofer wurde in Teilen der CSU schon vor dem Schwarzen Sonntag ähnlich kraftvoll verwünscht wie Merkel in anderen. Die Zahl jener in der CSU, die „Seehofer muss weg“ rufen, ist nach diesem Wahlergebnis nicht kleiner geworden. Doch Seehofer will sich nicht zum Alleinschuldigen stempeln lassen, was er auch nicht ist. Tritt er nicht, wie seinerzeit Waigel, freiwillig zurück, könnte er nur auf einem Sonderparteitag vom Hof gejagt werden.

          Söder muss jetzt erst einmal seine schwarz-schwarze Koalition bauen, wofür ihm die Verfassung nur vier Wochen Zeit gibt. Früher oder später aber wird er auch nach dem Parteivorsitz greifen. Aigner wird mit dem Posten der Landtagspräsidentin abgefunden und damit endgültig aus einem Spiel genommen, in dem sie nie eine große Figur war. Herrmann bleibt der Vorsitz erspart, weil schon Söder Franke ist. Weber will EU-Kommissionspräsident werden. Und wer weiß, ob nicht in absehbarer Zeit in Berlin alles auseinanderfliegt? Bei einer solchen Explosion wäre der Innenminister nur ein Opfer unter vielen und sozusagen ein in München willkommener Kollateralschaden. Wie sagt doch der Mittelfranke: Kommt Zeit, kommt Tat.

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