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Ilse Aigner Almauftrieb

 ·  Ilse Aigner ist zurück in Bayern und kandidiert bei der Landtagswahl. Sie mag Fakten, keine Ellbogen. Aber auch die Macht. Ihr Nahziel ist ein gutes Ergebnis für die CSU. Über ihr Fernziel schweigt sie sich aus.

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© dpa Vergrößern Ganz entspannt, als wären da gar keine Kameras und Mikrophone: Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner bei der Hauptalmbegehung

Ein Mann steht auf einer Alm und beobachtet eine Frau. „Ja, sie is’, wie sie is’, die Ilse“, sagt er begeistert, „die spielt nix.“ Es ist die Erlbergalm, tausend Meter Höhe, Chiemgau, und der Mann ist in der CSU, genau wie die Ilse, nur dass er bloß Landtagsabgeordneter ist und sie eben die Ilse Aigner. Sie steht nicht, sondern sie sitzt im Gras, und sie spielt eben doch, eine ganze Weile jetzt schon. Denn neben ihr hockt das Simmerl, ein kleiner Junge, den sie gerade erst kennengelernt hat und der vor einer halben Stunde noch ihre Kirschschorle abgelehnt hat, obwohl er sehr durstig war. Jetzt aber hat das Simmerl seine Scheu überwunden und spielt mit der Ilse, so darf auch er sie nennen, und sie sagt zu ihm: „Da schau, ein Heuhüpfer!“

Das Bild ist aufdringlich schön, die Fotografen haben es schon etliche Male aufgenommen, und Ilse Aigner spielt mit, spielt immer weiter mit dem Kind, und als dann auch noch ein altdeutscher Schäferhund angetrottet kommt, klopft sie ihm aufs lange Fell. Aigner, 48 Jahre alt, kein Kind, kein Hund, ist zurück in Bayern. Am 15. September wird gewählt. Sie kandidiert für den Landtag. Aber es geht um mehr.

Berlin ist schon sehr weit weg

Ein paar Wochen noch bleibt sie Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Die Wohnung in Berlin ist aber schon leer. Aigner zieht jetzt ganz nach Feldkirchen-Westerham, in den Stimmkreis, in die Heimat. Die Mutter lebt nach wie vor dort, zwei Schwestern wohnen in der Nähe. Der Vater ist gestorben. Verheiratet ist Aigner nicht.

In Feldkirchen wird sie oft angesprochen. Nicht, weil die Leute die Frau Ministerin erkennen wie in Berlin. Sondern, weil sie die Ilse halt kennen. Das Herumreisen werde ihr nicht fehlen, sagt sie in den Bergen. Es ist die alljährliche Hauptalmbegehung des Almwirtschaftlichen Vereins. Hunderte wandern mit, viele mit Stock, Hut und Lederhose. Aigner trägt atmungsaktive Wanderklamotten, sie hat Trekkingstöcke dabei. Die Natur ist sommergrün und Berlin weit weg. Wird ihr was fehlen, wenn sie bald nicht mehr in der Hauptstadt ist? Aigner denkt nach. Sie antwortet: die netten Kollegen. Und der Gendarmenmarkt mit den beiden Domen sieht auch schön aus. Mehr sagt sie dazu nicht. Seit 1998 ist sie im Bundestag. Fünfzehn Jahre.

Rückkehr ohne Gegenleistung

Um Aigner hat sich gleich beim Abmarsch, als sie ihre Flipflops gegen Wanderstiefel tauschte, ein hartnäckiger Ring gebildet: Schreiber, Sprecher, Fotografen. Wenn einer ein schönes Motiv entdeckt, stoppt der Tross, weil Ilse Aigner immer mitspielt. Eine Buche tätschelt. Eine Kuh an ihrer Hand lecken lässt. Beim Marschieren beantwortet sie freundlich Fragen. Vor allem kommt immer wieder die, wann sie bayerische Ministerpräsidentin wird. Sie sagt weder, dass sie will, noch, dass sie nicht will. Dann kommt stets die Nachfrage, was der Seehofer ihr denn sonst versprochen habe dafür, dass sie den Posten im Kabinett aufgibt. „Nichts“, antwortet sie, und dass es ihr darum gehe, dass die CSU in Oberbayern, wo sie seit 2011 Bezirkschefin ist, besser abschneidet als 2008. Da war die katastrophale Landtagswahl, in der die CSU die absolute Mehrheit verlor. In Oberbayern, im Stammland, war der Einbruch besonders schlimm.

Es macht ihr nichts mehr aus, das alles immer wieder zu erzählen. Am Anfang fand sie das so künstlich im Politikbetrieb, aber sie hat sich daran gewöhnt. Auf eine seltsam unnahbare Art ist sie kumpelig-natürlich, mit einer Prise Koketterie. Bei jeder Rast prostet sie mit Radler und alkoholfreiem Weißbier den Bergbauern zu, auch mehrmals, wenn die es nicht gleich mitkriegen. Als ihr einer sein Klappmesser reicht, schlitzt sie routiniert ihre Fleischwurst auf. Ständig sagt sie: passt scho, servus, grüß di, und als sie einen Tisch signieren soll, schreibt sie: „Die do sitzn, sitzn guat!“

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