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Wahlanalyse Obama als Fürsprecher der Armen und der Mittelklasse

Schwarze, Latinos, Frauen, Unverheiratete und Großstädter - bei diesen Wählergruppen konnte der Amtsinhaber punkten. Dennoch müssen die Demokraten einsehen, dass sie selbst mit Barack Obama auf ihre klassische Wählerklientel zurückgeworfen sind.

© dpa Vergrößern Barack Obama kann seinen Verbleib im Weißen Haus feiern, denn den Demokraten gelang es besser, ihre Wähler zu mobilisieren als den Republikanern

Vor vier Jahren war nach zwei Amtsperioden George W. Bushs die Wechselstimmung so ausgeprägt, dass Barack Obama knapp zehn Millionen Stimmen mehr als sein republikanischer Gegner John McCain bekam. Dieser Vorsprung ist nun erheblich zusammengeschmolzen. Weil Mitt Romney aber nur zwei Staaten - Nord-Carolina und Indiana - hinzugewann, in denen John McCain verloren hatte, fällt Obamas Mehrheit im Kolleg der Wahlmänner wieder überaus deutlich aus. Das hatte kaum jemand so erwartet.

Andreas Ross Folgen:  

Dennoch müssen die Demokraten einsehen, dass sie selbst mit Obama auf ihre klassische Wählerklientel zurückgeworfen sind: auf junge Leute und Unverheiratete, Frauen, Schwarze, Latinos und Einwanderer aus Asien, Großstädter, die am besten und die am wenigsten ausgebildeten Amerikaner, Geringverdiener und - ja, es gibt sie noch - Gewerkschaftsmitglieder. Weiße Männer aus ländlichen Gebieten oder aus den Vororten aber, die, sofern sie überhaupt Wechselwähler sind, vor vier Jahren in Scharen Obama zugelaufen waren, setzten in diesem Jahr auf Romney. Unter den Weißen, zumal den verheirateten und älteren sowie den Südstaatlern, war Romney ohnehin eine klare Mehrheit sicher.

Das galt auch für die meisten Kirchgänger: Mögen sich evangelikale Christen im Vorwahlkampf der Republikaner gegen den Mormonen Romney gewandt haben, die verbreitete Abneigung gegen Obama und die Demokraten ließ sie den Republikanern die Stange halten.

Infografik / Wahl in Amerika / Die Wählergruppen © F.A.Z. Vergrößern Die Stimmenanteile der beiden Kandidaten nach Wählergruppen

Dem Wahlkampf-Einsatz des früheren Präsidenten Bill Clinton dürfte Obama es mit zu verdanken haben, dass er in einigen Staaten auch von weißen Arbeitern gewählt wurde. In der Gruppe der jüdischen Wähler verlor Obama nach den Erkenntnissen der Nachwahlbefragungen etwa acht Prozentpunkte an Zustimmung, was auch an dem kühlen Verhältnis des Präsidenten zum israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu liegen könnte.

Wenn die Republikaner darauf gesetzt haben sollten, dass Angehörige der ethnischen Minderheiten aus Enttäuschung über Obama massenweise der Wahl fernbleiben würden, dann haben sie sich getäuscht. Mutmaßlich auch wegen der anhaltenden Vorwürfe vom rechten Rand, der erste schwarze Präsident der Vereinigten Staaten sei womöglich gar kein Amerikaner, unterstützten schwarze Wähler Obama abermals in großer Zahl - selbst wenn der Präsident bisweilen dafür kritisiert worden ist, für die Schwarzen wenig erreicht zu haben. Mehr als neunzig Prozent der schwarzen Wähler machten ihr Kreuz beim Präsidenten, selbst sieben von zehn Latinos taten das - deshalb konnte Romney sich nicht einmal in Florida durchsetzen.

Die Wählermobilisierung gelang den Demokraten insgesamt besser; die professionelle Kampagne mit vielen „Fußtruppen“ in den „Schlachtfeldstaaten“ hat funktioniert. Nicht zuletzt ermunterten vor allem die Demokraten viele ihrer Wähler, ihre Stimme frühzeitig abzugeben, was in etlichen Staaten schon seit sechs Wochen möglich war.

Die Wirtschaftslage hielten mehr als drei von fünf Wählern für das wichtigste Thema, mit sehr großem Abstand vor der Gesundheitspolitik oder gar vor der Außenpolitik. Nur ein Viertel vertrat die Ansicht, finanziell gegenwärtig besser dazustehen als bei Obamas Amtsantritt im Januar 2009. Doch etwa vierzig Prozent gaben an, sie sähen erste Zeichen einer Besserung. Andererseits stimmten 52 Prozent der Wähler der Aussage zu, dass das Land auf dem falschen Weg sei. Hatten vor vier Jahren noch knapp mehr als die Hälfte der Wähler eine größere Rolle des Staates in der Wirtschaftspolitik gefordert, sprach sich nun gut die Hälfte der Wähler dagegen aus.

Dass Obama trotz dieser Werte Romney besiegte, lag unter anderem daran, dass der Republikaner von einer Mehrheit als Interessenvertreter der Reichen wahrgenommen wurde, der das Leben normaler Amerikaner kaum kenne, während Obama als Fürsprecher nicht nur der Armen, sondern auch der Mittelklasse gesehen wurde.

Etliche Wähler vertraten bei der repräsentativen Befragung des Instituts Edison Research für die größten amerikanischen Medien die Auffassung, die schlechte Wirtschaftslage habe nicht Obama, sondern dessen Vorgänger Bush zu verantworten. Fast zwei Drittel aller Befragten sagten zudem, die Reaktion der Regierung auf den verheerenden Tropensturm Sandy in der vergangenen Woche habe ihre Entscheidung beeinflusst. Auch das kam Obama zugute.

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Quelle: F.A.Z.

 
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