http://www.faz.net/-gpf-74722
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 07.11.2012, 14:49 Uhr

Wahl in Amerika Netanjahu und die Angst vor Obamas Revanche

Der israelische Ministerpräsident hatte im amerikanischen Wahlkampf Romney den Vorzug gegeben. Die Glückwünsche an Obama fielen also nicht besonders herzlich aus.

von , Jerusalem
© AFP Schrieb keine persönlichen Glückwünsche: Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu

Die Glückwünsche aus Jerusalem fielen nicht besonders herzlich aus. Er werde weiter mit Barack Obama daran arbeiten, dass die Sicherheit der israelischen Bürger gewährleistet bleibe, teilte Ministerpräsident Netanjahu am Mittwoch in einer knappen Presseerklärung mit, in der er ohne ein persönliches Wort die enge „strategische Allianz“ zwischen beiden Staaten lobte. Verteidigungsminister Barak wünschte Obama immerhin „viel Erfolg“, und Staatspräsident Peres sprach von einem „Fest der Demokratie“.

Hans-Christian Rößler Folgen:

Der israelische Regierungschef hatte schon während des amerikanischen Wahlkampfs kein Geheimnis daraus gemacht, dass er dem republikanischen Kandidaten Romney den Vorzug gab. Von Anfang an war sein Verhältnis zu Obama angespannt und kühl. Israelische Oppositionspolitiker rieten Netanjahu am Mittwoch, schleunigst seine Beziehungen zu Obama in Ordnung zu bringen. Es sei ein Fehler gewesen, sich so sehr in den amerikanischen Wahlkampf einzumischen, sagte der bekannte frühere Fernsehmoderator Jair Lapid, der Vorsitzende der neuen Jesch-Atid-Partei. Israelische Journalisten berichteten, dass man in Netanjahus Umgebung besorgt sei, dass sich Obama nun rächen und während des israelischen Wahlkampfs Netanjahu kritisieren könnte.

In Jerusalem wird zudem erwartet, dass sich bald der politische Druck aus Washington erhöhen könnte: Die israelische Regierung schuldet Amerika immer noch eine Antwort auf die Frage, wie die Grenzen eines künftigen Palästinenserstaats verlaufen sollen. Die amerikanische Regierung würde gerne wieder Verhandlungen in Gang bringen. Mit großer Skepsis verfolgt die israelische Führung zudem Berichte über angebliche Gesprächskontakte, die Obama nach Iran knüpfen will, um die Beziehungen zu normalisieren. Die militärische Option sei nicht vom Tisch, aber er erwarte, dass Verhandlungen mit den Iranern relativ bald beginnen werden, sagte der frühere amerikanische Botschafter in Tel Aviv Martin Indyk im israelischen Rundfunk.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Wahlkampf in Amerika Die Lügen der anderen

Eine objektive Betrachtung der beiden Kandidaten ist kaum mehr möglich. Die amerikanischen Wähler können nicht einmal mehr beurteilen, wer ein Lügner ist. Ein Kommentar. Mehr Von Andreas Ross, Washington

26.08.2016, 10:19 Uhr | Politik
Amerika Rassismusvorwürfe im Wahlkampf

Harter Schlagabtausch im amerikanischen Wahlkampf: Bei einer Rede in Reno, im Bundesstaat Nevada, wirft die Kandidatin der Demokraten, Hilary Clinton, ihrem Kontrahenten Donald Trump Rassismus vor. Mehr

26.08.2016, 19:39 Uhr | Politik
Farage trifft Trump Vereint gegen das Establishment

Nigel Farage spricht Donald Trump und dessen Anhängern Mut zu: Umfragen sei nicht zu trauen. Den Brexit nennt er als Vorbild für den republikanischen Kandidaten. Mehr

25.08.2016, 09:16 Uhr | Politik
Nach Unglück in Italien Renzi verspricht Wiederaufbau Erdbebengebiet

Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi hat versprochen, die bei dem jüngsten Erdbeben zerstörten Orte in Mittelitalien wieder aufzubauen. Zugleich sei es wichtig, die Maßnahmen zum Schutz vor Erdbeben in Italien zu verbessern. Künftig müsse man sich mehr auf vorbeugende Schritte konzentrieren. Mehr

26.08.2016, 13:24 Uhr | Gesellschaft
Trumps Wahlkampfchef Bannon Breitseiten erst für Amerika, dann für Europa

Dass Donald Trump den Rechtsaußen-Blogger Stephen Bannon zum Wahlkampfchef berufen hat, finden viele Amerikaner zum Fürchten. Dabei hat Bannon mit dem Portal Breitbart News angeblich noch etwas anderes vor. Mehr Von Nina Rehfeld, Phoenix

27.08.2016, 10:10 Uhr | Feuilleton

Ein verlorener Ruf

Von Berthold Kohler

Nichts belastet das Verhältnis Deutschlands zu den ostmitteleuropäischen Ländern stärker als die Flüchtlingspolitik der Bundeskanzlerin. Mehr 544