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Vereinigte Staaten Der Gorilla mag es sanft

 ·  Nicht erst seit Romneys Wahlkampf heben die Mormonen ihre politische Neutralität hervor. Doch gelegentlich lassen sie ihren Einfluss deutlich spielen - besonders im Kampf gegen die Homosexuellenehe.

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© picture alliance / dpa Vergrößern Hörig oder nur aufmerksam? Zweimal im Jahr kommen 100.000 Mormonen nach Salt Lake City zu den Vorträgen ihrer Kirchenführer auf der Generalversammlung

Als Chris Herrod die Ungläubigkeit bemerkt, ruft er seine Frau. „Ihr müssen Sie es wirklich glauben, denn sie hat viel länger dort gelebt als ich.“ Also setzt sich Alia Herrod zu ihrem Mann auf das Sofa. In den achtziger Jahren hatte es ihn als Gastdozent in ihre ukrainische Heimat verschlagen. Vor 20 Jahren dann zog sie zu ihm hierher, nach Provo in Utah, wo die beiden Mormonen fünf Kinder bekamen, von denen sie eines Ronald nannten, nach Präsident Reagan.

„Es stimmt“, bekräftigt Alia Herrod: „Obama ist im Begriff, Amerika in ein sozialistisches Land wie die Sowjetunion zu verwandeln.“ Und das sage sie nicht einfach dahin: „Chris und ich haben die Hyperinflation dort erlebt. Wir spüren es, wenn eine Regierung beginnt, das Leben der Menschen zu kontrollieren.“

Chris Herrod trägt das Emblem der Abgeordneten von Utah auf dem blauen Hemd, das er zur Jeans trägt. Eigentlich ist gar nicht Obamas „sozialistische“ Gesundheitsreform sein großes Thema, sondern die illegale Einwanderung. Von Provo aus sind es gut 1.200 Kilometer bis Mexiko, aber auch in Utah können sich Großbetriebe und Rancher ein Wirtschaften ohne billige Latino-Arbeiter oft kaum noch vorstellen. Doch Herrod will keine Amnestie. „Je mehr wir illegales Verhalten belohnen, desto mehr illegales Verhalten werden wir ernten.“

Überall in Amerika nehmen republikanische Politiker ihre Wähler mit solchen Argumenten für sich ein. Und Utah ist eine der stärksten konservativen Bastionen. Rund 60 Prozent der Einwohner, 70 Prozent der Wähler und 90 Prozent der gewählten Mandatsträger gehören wie die Herrods der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage an. Nur etwa jeder fünfte Abgeordnetenkollege von Herrod im Repräsentantenhaus von Utah ist kein Republikaner. Herrod sah dieses Jahr den Zeitpunkt gekommen, sich um einen Sitz im amerikanischen Senat zu bewerben. Im Frühjahr stellte er sich der Basis der Republikaner. Er verlor krachend.

Vielleicht schmerzt ihn daran am meisten, dass das auch mit dem Vorgehen seiner Kirche zu tun hat. Nicht erst seit ihr Glaubensbruder Mitt Romney Präsidentschaftskandidat wurde, heben die Führer der Mormonen in Salt Lake City zwar ihre politische Neutralität hervor. Jede Frage nach Romney wird mit dem Namen Harry Reid pariert - auch der demokratische Mehrheitsführer im Senat ist Mormone.

Doch es ist kein Geheimnis in Utah, dass im Gremium der 15 Apostel Unbehagen über den Erfolg der Tea-Party-Bewegung bei den Republikanern und den Aufstieg von Hardlinern wie Chris Herrod herrscht. Die Mission ist das oberste Ziel der Mormonen. Ihr könnte es nur schaden, wenn die Kirche auf den Wogen einer politischen Polarisierung an extreme Ufer geschwemmt würde.

Der „Utah-Pakt“

Beim Versuch, wenigstens in Utah die politische Auseinandersetzung zu mäßigen, musste die Kirche subtil vorgehen. Von der Kanzel herab einen bestimmten Kandidaten zu empfehlen kam nicht in Frage. Doch allein der neutrale Aufruf an alle Gläubigen, im Vorwahlkampf die Caucus-Versammlungen ihrer Parteien zu besuchen - verbunden mit der dringenden Empfehlung, für die betreffenden Abende alle Gemeindeaktivitäten abzusagen -, verschaffte den Parteitreffen so viel Zulauf, dass radikalere Kandidaten nur noch wenig zu melden hatten.

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