http://www.faz.net/-gpf-747cf
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 07.11.2012, 20:29 Uhr

Obamas Wahlkampfmanager Stratege Jim Messina

Seit 2010 leitete Jim Messina von Chicago aus die Kampagne für Obamas Wiederwahl. Mit massig „Bodentruppen“ und Fernsehclips sorgte er für Obamas Sieg in den wahlentscheidenden „Swing States“.

von
© ddp/AP/Charles Rex Arboga 2008 stieß Jim Messina zum Team Obama

Zweifel haben ihn offenbar niemals beschlichen. Wann immer Jim Messina mit Zahlen und Trends konfrontiert wurde, die auf eine Aufholjagd, gar einen Vorsprung des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney hindeuten sollten, erwiderte er: „Wir werden es am Wahltag sehen. Jemand wird recht haben, und jemand wird sich täuschen. Ich glaube, wir werden recht haben.“ Jim Messina, Manager der Wahlkampagne für Obamas Wiederwahl, hat recht gehabt. Am meisten hat er seinen eigenen Zahlen vertraut: In Ohio, so rechnete er vor, verfüge das Team Obama über 123 Wahlkampfbüros, Romney bringe es nur auf 40; in Colorado sei das Verhältnis 59 Büros für Obama und 15 für Romney.

Matthias Rüb Folgen:

Zwar konzedierte Messina, dass Romneys Leute eine bessere Organisation aufgebaut hätten, als es dem Wahlkampfstab des republikanischen Kandidaten John McCain vor vier Jahren gelungen sei. Die Masse der „Bodentruppen“ aber werde schließlich den Unterschied ausmachen. Tatsächlich dürfte die bessere Organisation der „Wahlkampf-Infanterie“ in den besonders umkämpften Staaten den Ausschlag für Obama gegeben haben. Romney konnte nur einen der „Schlachtfeldstaaten“, die vor vier Jahren vom Lager der Republikaner an jenes der Demokraten gefallen waren, für die Partei zurückerobern: North Carolina. In den anderen schmolz zwar der Vorsprung der Demokraten, aber die „Feuermauer“ hielt. So wie es Messina vorausgesagt hatte.

Mit einer umfangreichen „Heuschrecken“-Kampagne

Jim Messina, Jahrgang 1969, wurde in Denver in Colorado geboren und wuchs in Boise in Idaho auf. Er studierte Politologie an der Universität von Montana. 1993 versuchte er sich erstmals als Wahlkampfmanager und verhalf dem Bürgermeister von Missoula in Montana zur Wiederwahl. 1995 kam er als Mitarbeiter des demokratischen Senators Max Baucus nach Washington, dessen Wahlkampf zur erfolgreichen Wiederwahl von 2002 Messina leitete. Zimperlich war Messina schon damals nicht: den republikanischen Herausforderer von Senator Baucus stellte er in einem Wahlwerbeclip unterschwellig als Homosexuellen dar.

Mehr zum Thema

2008 stieß Messina zum Team Obama und stieg bald zum Stellvertreter von Wahlkampfmanager David Axelrod auf. Nach dem Wahlsieg Obamas wurde Messina im Januar 2009 stellvertretender Stabschef im Weißen Haus, kehrte aber zwei Jahre später nach Chicago zurück und leitete von dort aus die Kampagne für Obamas Wiederwahl. Messina setzte nicht nur die „Bodentruppen“ zur Mobilisierung der Wähler frühzeitig in Marsch und stationierte sie in ungezählten Feldquartieren. Er sorgte auch mit einer umfangreichen Kampagne von Fernsehclips dafür, dass das Image von Mitt Romney als einem herzlosen „Heuschrecken“-Kapitalisten ohne Verständnis für die Sorgen der kleinen Leute tief ins Bewusstsein von ungezählten potentiellen Wählern sickerte. Und als es in Ohio und Virginia, Colorado und Iowa, Wisconsin und Pennsylvania ums Ganze ging, waren diese Wähler für Obama zur Stelle.

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Parteitag der Demokraten Michelle Obama kann es

Die First Lady begeisterte auf dem Parteitag der Demokraten die Massen. Nun möchten viele lieber von Michelle Obama als von Hillary Clinton regiert werden. Ihr Auftritt erinnert an eine andere Präsidentengattin aus einer TV-Serie. Mehr Von Aziza Kasumov

26.07.2016, 14:14 Uhr | Politik
Barack Obama Möglich, dass Russland sich in Wahlkampf einmischt

Präsident Barack Obama hat in einem Fernsehinterview erklärt, dass er den Versuch einer Einmischung Russlands in den amerikanischen Wahlkampf nicht ausschließe. Hintergrund ist die Hacker-Affäre um Tausende E-Mails aus der Führungsspitze der Demokraten. Experten vermuten Russland hinter der Veröffentlichung. Mehr

27.07.2016, 08:19 Uhr | Politik
Wahl in Amerika Trump überholt Clinton in Umfragen

Das erste Mal seit Monaten liegt der republikanische Präsidentschaftskandidat Trump in den Umfragen wieder vor seiner Konkurrentin Hillary Clinton. Doch sein Vorsprung könnte nur von kurzer Dauer sein. Mehr

25.07.2016, 16:33 Uhr | Politik
Parteitag der Demokraten Michelle Obama sorgt für Sturm der Begeisterung

First Lady Michelle Obama hat auf dem Parteitag der Demokraten in Philadelphia für einen Sturm der Begeisterung gesorgt. Sehen Sie hier ihre Rede in englischer Sprache. Mehr

27.07.2016, 14:02 Uhr | Politik
Parteitag der Demokraten Buh, wie Bernie

Viele Demokraten wollen immer noch nichts von Hillary Clinton wissen. Auf dem Konvent in Philadelphia zeigt sich die Partei gespalten. Bis Michelle Obama spricht. Mehr Von Andreas Ross, Philadelphia

26.07.2016, 17:51 Uhr | Politik
Vorwahlen in Amerika

Auch Deutschland ist ins Mark getroffen

Von Günter Bannas, Berlin

„Vorschnelle Schlüsse verbieten sich“ - das ist zum Konsens in der Koalition nach den Bluttaten in Bayern geworden. Trotzdem schwang der Ruf nach der Kanzlerin bei Seehofer mit. Angela Merkel hat verstanden, dass jetzt Präsenz gefragt ist.. Mehr 8