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Nach Romneys Niederlage Wie viel Tea Party darf es sein?

Mitt Romneys Wahlkampf hatte seine Schwächen. Doch für die Republikaner wiegt schwerer, dass sie so wenige Latinos für sich einnehmen. Gesucht wird ein konservativer Weg, der auch Einwanderern gefällt. Die Partei steht vor einer Richtungsentscheidung.

© AFP Unterlegener Präsidentschaftskandidat Mitt Romney: Die Republikanische Partei sich mit einem strukturellen Problem konfrontiert

Seit Franklin D. Roosevelts Wahlsieg im Jahr 1940 war kein amerikanischer Präsident in seinem Amt bestätigt worden, wenn die Arbeitslosenquote höher als 7,5 Prozent lag. Doch Barack Obama darf im Weißen Haus bleiben, obwohl die Arbeitslosenquote im Oktober bei 7,9 Prozent lag. Rechnete man jene Erwerbslosen hinzu, die gar nicht mehr nach einem Arbeitsplatz suchen, wäre die Quote zweistellig. Selbst in Nevada, wo die Arbeitslosenquote mit 11,8 Prozent am höchsten liegt und wo mehr Eigenheime zwangsversteigert werden mussten als irgendwo sonst, schlug Obama seinen republikanischen Herausforderer Mitt Romney – obwohl die meisten Amerikaner fehlende Jobs als größtes Problem des Landes bezeichnen und eine Mehrheit Romney die höhere Kompetenz in Wirtschaftsfragen zuschrieb.

Matthias Rüb Folgen:

Darüber müssen die Republikaner grübeln, und ihre Ursachen- und Seelenforschung begann noch in der Nacht. Zunächst wurde auf die Folgen des Hurrikans Sandy verwiesen, der die Rolle der Oktoberüberraschung spielte. Obama zeigte sich im Augenblick der Not als der starke Führer, den die Nation in der Not braucht, und konnte sich dabei als der pragmatische, Parteigrenzen ignorierende Macher präsentieren, als der eigentlich Romney wahrgenommen werden wollte. Wenn enttäuschte Republikaner am Mittwochmorgen Sandy sagten, meinten sie deshalb auch Chris Christie: Der republikanische Gouverneur von New Jersey, in jeder Hinsicht ein Schwergewicht der Partei, hatte Obamas Krisenreaktion in der vorigen Woche überschwänglich gelobt.

Auch der Verzicht Romneys, von Präsident Obama aggressiv die Aufklärung der Hintergründe des Terroranschlags auf das amerikanische Konsulat in der ostlibyschen Stadt Benghasi vom 11. September mit vier getöteten Amerikanern zu fordern, wurde als taktischer Fehlgriff in der Endphase des Wahlkampfes genannt. Doch die meisten Analysten der Partei waren sich wohl bewusst, dass sie die Gründe für die verlorene Wahl nicht allein im Kampagnen-Kleinklein suchen konnten, sondern dass die Republikanische Partei sich mit einem strukturellen Problem konfrontiert sieht.

Der konservative Kommentator Charles Krauthammer mahnte sogleich, dass die Republikaner auch künftig die Partei bleiben müsse, die sich für einen Rückzug der Regierung aus dem Wirtschaftsleben und dem Leben der Einzelnen einsetzen müsse. Als schwersten Fehler nannten er und andere das Versagen der Republikaner, eine stimmige und vernünftige Position in der Einwanderungspolitik zu entwickeln. Tatsächlich hat sich die Partei noch nicht von der Verwundung erholt, die sie sich im Sommer 2007 selbst zugefügt hat: Damals scheiterte die von Präsident George W. Bush vorgelegte umfassende Reform der Immigrationspolitik am Widerstand seiner eigenen Partei im Kongress.

A Romney supporter watches voting returns at the election night rally for U.S. Republican presidential nominee Mitt Romney in Boston © REUTERS Vergrößern Betretene Miene: Bei den Republikanern wurde die Stimmung mit jeder Hochrechnung schlechter

Der Texaner Bush, ehedem Gouverneur dieses Bundesstaates mit seiner langen Grenze zum Nachbar Mexiko, wollte den rund zwölf Millionen illegalen Einwanderern einen Weg zur Legalisierung ihres Status und schließlich zur Staatsbürgerschaft öffnen. Die meisten illegalen Einwanderer in den Vereinigten Staaten sind Latinos aus Mittel- und Südamerika. Die damals oppositionellen Demokraten unterstützten Bush, doch die Republikaner widersetzten sich.
In den innerparteilichen Vorwahlen zu Beginn des Wahljahres 2012 positionierte sich Romney in dieser Frage am rechten Rand. Er sprach sich gegen jede Form der Amnestie für illegale Einwanderer aus und forderte diese zur „Selbstdeportation“ auf.

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