Home
http://www.faz.net/-gpf-746vm
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 07.11.2012, 12:09 Uhr

Nach Romneys Niederlage Wie viel Tea Party darf es sein?

Mitt Romneys Wahlkampf hatte seine Schwächen. Doch für die Republikaner wiegt schwerer, dass sie so wenige Latinos für sich einnehmen. Gesucht wird ein konservativer Weg, der auch Einwanderern gefällt. Die Partei steht vor einer Richtungsentscheidung.

© AFP Unterlegener Präsidentschaftskandidat Mitt Romney: Die Republikanische Partei sich mit einem strukturellen Problem konfrontiert

Seit Franklin D. Roosevelts Wahlsieg im Jahr 1940 war kein amerikanischer Präsident in seinem Amt bestätigt worden, wenn die Arbeitslosenquote höher als 7,5 Prozent lag. Doch Barack Obama darf im Weißen Haus bleiben, obwohl die Arbeitslosenquote im Oktober bei 7,9 Prozent lag. Rechnete man jene Erwerbslosen hinzu, die gar nicht mehr nach einem Arbeitsplatz suchen, wäre die Quote zweistellig. Selbst in Nevada, wo die Arbeitslosenquote mit 11,8 Prozent am höchsten liegt und wo mehr Eigenheime zwangsversteigert werden mussten als irgendwo sonst, schlug Obama seinen republikanischen Herausforderer Mitt Romney – obwohl die meisten Amerikaner fehlende Jobs als größtes Problem des Landes bezeichnen und eine Mehrheit Romney die höhere Kompetenz in Wirtschaftsfragen zuschrieb.

Matthias Rüb Folgen:

Darüber müssen die Republikaner grübeln, und ihre Ursachen- und Seelenforschung begann noch in der Nacht. Zunächst wurde auf die Folgen des Hurrikans Sandy verwiesen, der die Rolle der Oktoberüberraschung spielte. Obama zeigte sich im Augenblick der Not als der starke Führer, den die Nation in der Not braucht, und konnte sich dabei als der pragmatische, Parteigrenzen ignorierende Macher präsentieren, als der eigentlich Romney wahrgenommen werden wollte. Wenn enttäuschte Republikaner am Mittwochmorgen Sandy sagten, meinten sie deshalb auch Chris Christie: Der republikanische Gouverneur von New Jersey, in jeder Hinsicht ein Schwergewicht der Partei, hatte Obamas Krisenreaktion in der vorigen Woche überschwänglich gelobt.

Auch der Verzicht Romneys, von Präsident Obama aggressiv die Aufklärung der Hintergründe des Terroranschlags auf das amerikanische Konsulat in der ostlibyschen Stadt Benghasi vom 11. September mit vier getöteten Amerikanern zu fordern, wurde als taktischer Fehlgriff in der Endphase des Wahlkampfes genannt. Doch die meisten Analysten der Partei waren sich wohl bewusst, dass sie die Gründe für die verlorene Wahl nicht allein im Kampagnen-Kleinklein suchen konnten, sondern dass die Republikanische Partei sich mit einem strukturellen Problem konfrontiert sieht.

Der konservative Kommentator Charles Krauthammer mahnte sogleich, dass die Republikaner auch künftig die Partei bleiben müsse, die sich für einen Rückzug der Regierung aus dem Wirtschaftsleben und dem Leben der Einzelnen einsetzen müsse. Als schwersten Fehler nannten er und andere das Versagen der Republikaner, eine stimmige und vernünftige Position in der Einwanderungspolitik zu entwickeln. Tatsächlich hat sich die Partei noch nicht von der Verwundung erholt, die sie sich im Sommer 2007 selbst zugefügt hat: Damals scheiterte die von Präsident George W. Bush vorgelegte umfassende Reform der Immigrationspolitik am Widerstand seiner eigenen Partei im Kongress.

A Romney supporter watches voting returns at the election night rally for U.S. Republican presidential nominee Mitt Romney in Boston © REUTERS Vergrößern Betretene Miene: Bei den Republikanern wurde die Stimmung mit jeder Hochrechnung schlechter

Der Texaner Bush, ehedem Gouverneur dieses Bundesstaates mit seiner langen Grenze zum Nachbar Mexiko, wollte den rund zwölf Millionen illegalen Einwanderern einen Weg zur Legalisierung ihres Status und schließlich zur Staatsbürgerschaft öffnen. Die meisten illegalen Einwanderer in den Vereinigten Staaten sind Latinos aus Mittel- und Südamerika. Die damals oppositionellen Demokraten unterstützten Bush, doch die Republikaner widersetzten sich.
In den innerparteilichen Vorwahlen zu Beginn des Wahljahres 2012 positionierte sich Romney in dieser Frage am rechten Rand. Er sprach sich gegen jede Form der Amnestie für illegale Einwanderer aus und forderte diese zur „Selbstdeportation“ auf.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Vorwahlen in Amerika Ted Cruz – das bekannte Übel

Donald Trump gilt gemäßigten Republikanern als nicht wählbar. Doch Ted Cruz, der Gewinner der Wahl in Iowa, ist für viele noch schlimmer. Zahlreiche seiner Forderungen sind noch radikaler als die von Trump. Mehr

02.02.2016, 13:27 Uhr | Politik
Gegen Stimmungsmache Obama stärkt Muslimen den Rücken

Bei seinem Auftritt in einer Moschee im Bundesstaat Maryland hat sich Barack Obama von Stimmungsmache gegen Muslime distanziert. Auch international für Aufsehen gesorgt hatten diesbezügliche Äußerungen des republikanischen Präsidentschaftsbewerbers Donald Trump. Mehr

04.02.2016, 08:05 Uhr | Politik
TV-Debatte der Republikaner Ohne Trump wird es seriöser

Donald Trumps Weigerung, an der letzten TV-Debatte der Republikaner vor den Vorwahlen teilzunehmen, tut dem Tiefgang der Gesprächsrunde gut. Sein schärfster Konkurrent Cruz konnte sich einen Seitenhieb nicht verkneifen. Mehr Von Nina Rehfeld, Phoenix

29.01.2016, 08:50 Uhr | Politik
Vorwahlen in New Hampshire Haushohe Niederlage für Hillary Clinton?

Zweite Etappe der amerikanischen Vorwahlen: Im kleinen Ostküstenstaat New Hampshire entscheiden die Wähler, welchen Bewerber sie in die Präsidentenwahl schicken wollen. Bei den Demokraten droht Hillary Clinton eine haushohe Niederlage gegen den linken Senator Bernie Sanders. Bei den Republikanern ist die große Frage, ob Milliardär Donald Trump seinen ersten Sieg einfährt. Mehr

09.02.2016, 08:53 Uhr | Politik
Primary im Nordosten Trump und Sanders in New Hampshire vorn

Erstmals triumphieren bei den amerikanischen Vorwahlen die beiden großen Rebellen: Der Sozialdemokrat Bernie Sanders und der populistische Milliardär Donald Trump kommen im äußersten Nordosten des Landes am besten an. Mehr

10.02.2016, 05:28 Uhr | Politik

In der Heimat

Von Reinhard Müller

Die Basis der Union bricht auch in der Flüchtlingskrise keineswegs weg. Denn: Wer will eigentlich von denen regiert werden, die der Kanzlerin die Flucht nach Südamerika nahelegen? Mehr 19