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Nach der Wahl in Amerika Tiefe Gräben und alte Konflikte

 ·  Im zweiten Leben des Barack Obama bleibt alles wie gehabt. Den ersten Triumph des Wahlabends feierte John Boehner. Der führende Republikaner im Kongress bleibt der Mann, mit dem sich der Präsident einigen muss - am dringendsten auf Budgetkürzungen und eine Steuerreform.

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Mitt Romney hatte nicht die richtige Rede parat. Er musste sie in der Wahlnacht erst noch rasch schreiben. Noch am Morgen des Wahltages war er abermals nach Ohio geflogen, hatte einen weiteren Stopp in Pennsylvania eingelegt, ehe er schließlich nach Boston zurückkehrte, wo er den Ausgang der Wahlen abwartete. Im Flugzeug verfasste er eine Rede, die er zur Feier seines Wahlsieges vor seinen Anhängern und der Welt verlesen wollte. Eine Rede für den Fall der Niederlage bereitete er nicht vor.

Deshalb dauerte es bis kurz vor ein Uhr morgens Ostküstenzeit, bis Romney im Bostoner Kongresszentrum ans Mikrofon und vor die Kameras trat und Präsident Barack Obama zu dessen Wiederwahl gratulierte. Schon knapp zwei Stunden vorher hatten die Fernsehsender den Wahlsieg Obamas festgestellt, nachdem der wieder einmal so hart umkämpfte Bundesstaat Ohio und dessen 18 Wahlmännerstimmen den Kandidaten der Demokraten über die Schwelle von 270 Stimmen im „Electoral College“ gehoben hatte. Zu diesem Zeitpunkt war noch nicht klar, dass Obama später auch noch den nicht weniger hart umkämpften Bundesstaat Virginia gewinnen sollte. Dass die Auszählung im abermals hart umkämpften Florida ausgesetzt wurde, ohne dass es zu einer Entscheidung über Sieg und Niederlage im „Sunshine State“ gekommen wäre, spielte schon keine Rolle mehr.

Romney bedankte sich ordnungsgemäß bei seiner Frau, seiner Familie, seinen Mitarbeitern, den vielen Freiwilligen im ganzen Land und den Anhängern im Saal. Er habe alles dafür getan, um das Land in eine andere Richtung führen zu können, aber die Nation habe einen anderen politischen Führer gewählt. „Ich bete für den Erfolg des Präsidenten, wenn er weiter unsere Nation führt“, sagte Romney. „Unsere Nation befindet sich an einem heiklen Punkt“, fuhr er fort, deshalb müssten sich die politischen Führer „über die Parteigräben hinweg die Hand reichen und für das Volk arbeiten.“

Die Rede des Präsidenten

Mit einem vergleichbaren Aufruf zur Einigkeit nach einem kräftezehrenden und oft hässlichen Wahlkampf wandte sich Präsident Obama kurz darauf in Chicago an seine Anhänger und an die Nation. Seinen unterlegenen Herausforderer Romney lud er ein, sich an der Suche nach Lösungen für die drängenden Probleme des Landes zu beteiligen. Mit seiner Rede kehrte Obama zum hohen Ton des Wahlkampfes von 2008 zurück: „Wir haben erbittert gekämpft, aber nur weil wir dieses Land so sehr lieben und weil wir so sehr um seine Zukunft besorgt sind“, sagte er an Romney gerichtet. „Wir sind die Vereinigten Staaten von Amerika. Wir leben im großartigsten Land der Welt. Egal, woran du glaubst und wo du herkommst, ob du weiß bist oder schwarz, Latino oder Indianer, schwul oder heterosexuell: Hier kannst du es schaffen.“ Obama erinnerte an die Erfolge seiner ersten Amtszeit: Die Wirtschaft sei auf dem Weg der Erholung, das „Jahrzehnt des Krieges“ neige sich dem Ende zu. Und er rief sogar die Hoffnung wieder in Erinnerung, die er in den Mittelpunkt seines Wahlkampfes vor vier Jahren gestellt hatte: „Jenes hartnäckige Etwas in uns, das uns gegen alle schlechte Erfahrung sagt, dass uns etwas Besseres erwartet, so lange wir nur danach streben, dafür arbeiten, dafür kämpfen.“

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