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Veröffentlicht: 19.08.2012, 16:03 Uhr

Maisanbau in Amerika Im Tank statt auf dem Teller

In Amerika wurde in diesem Jahr so viel Mais angebaut wie seit 75 Jahren nicht mehr. Die Hoffnung war groß, doch eine Dürre minderte die Ernte und obwohl die Nahrung knapp wird, soll nun aus den Kolben Sprit werden.

von , Washington
© DAMON WINTER/The New York Times/ Grün war mal die Hoffnung: Eine Rekordernte hatten sich die Amerikaner versprochen, stattdessen ist der Mais verdorrt. Präsident Obama besuchte in dieser Woche Bauern in Iowa

Die Angriffe kommen von allen Seiten. Von Republikanern und von Demokraten. Aus dem Kongress in Washington, aus den Bundesstaaten und sogar aus dem Ausland. Sie werden über Gerichte, über Lobbyisten und über die Medien vorgetragen. Aber bisher hat die amerikanische Umweltschutzbehörde „Environmental Protection Agency“ (EPA) in diesem Krieg noch jede Schlacht gewonnen. Alles spricht dafür, dass das so bleiben wird. Ihr Sieg wäre eine Niederlage für die Umwelt. Und für den Kampf gegen den Hunger in der Welt.

Matthias Rüb Folgen:

Es geht um „King Corn“, die Maispflanze. Sie dominiert in vielen amerikanischen Bundesstaaten, vor allem im Mittleren Westen, die Landwirtschaft. Die Vereinigten Staaten sind weltweit der mit Abstand größte Produzent von Mais, und sie exportieren auch so viel Mais wie kein anderes Land. Fast die Hälfte der weltweiten Maisexporte kommt von dort. Wenn der Ertrag der amerikanischen Farmer sinkt, schlägt sich das sofort in höheren Maispreisen nieder. Seit Wochen herrscht im Mittleren Westen große Trockenheit. Die Dürre ist die schlimmste seit fast sechs Jahrzehnten. Prompt sind die Maispreise im Terminhandel seit Juni um 60 Prozent gestiegen.

Am 10. August erreichten sie einen Höchststand: An jenem Tag hatte das Landwirtschaftsministerium in Washington mitgeteilt, dass der Mais-Ertrag in diesem Jahr um 13 Prozent unter dem des Vorjahres liegen werde. Im Frühjahr war der Optimismus noch groß gewesen. Auf 39 Millionen Hektar hatten die Bauern Mais ausgesät, so groß war die Anbaufläche seit 75 Jahren nicht. Doch statt der Rekordernte wird nun so wenig Mais wie zuletzt 2006 eingefahren.

42 Prozent der Ernte kommen in den Tank

Das wäre noch immer mehr als genug, um den weltweit steigenden Bedarf am Mais als Nahrung zu decken. Doch von der erwarteten Maisernte in den Vereinigten Staaten gehen in diesem Jahr allein 4,5 Milliarden Scheffel für die Erzeugung von Ethanol ab. Das bedeutet, dass 42 Prozent des amerikanischen Mais nicht auf den Teller kommen, sondern als „grüner“ Zusatz zum Benzin in den Tank der Autos gehen.

Das ist der Grund für die Angriffe von allen Seiten auf die Umweltschutzbehörde EPA. Viele hielten es für vernünftig, wenigstens für eine Übergangszeit weniger amerikanischen Mais zu verbrennen und ihn stattdessen zu Lebensmitteln zu verarbeiten oder als Grundstoff für die Nahrungsmittelherstellung auszuführen. Doch die EPA bewegt sich nicht.

Stattdessen will sie noch mehr Mais zu Ethanol destillieren lassen. Das vom Kongress 2007 verabschiedete Gesetz zum Standard für erneuerbare Treibstoffe schreibt nämlich vor, dass in diesem Jahr 13,2 Milliarden Gallonen (knapp 50 Milliarden Liter) Ethanol erzeugt und dem aus Erdöl hergestellten herkömmlichen Benzin zugefügt werden müssen. Für das Jahr 2013 beträgt der Pflichtanteil an Ethanol schon 13,6 Milliarden Gallonen (knapp 51,5 Milliarden Liter).

Industrieverbände klagten gegen EPA

In zehn der 50 Bundesstaaten ist ein Anteil von zehn Prozent Ethanol Pflicht. Im nationalen Durchschnitt liegt der Anteil von Ethanol am Kraftstoff bei gut acht Prozent. An manchen Tankstellen - vor allem im Mittleren Westen, wo sich die meisten der insgesamt rund 220 Ethanol-Destillen des Landes befinden - wird auch der preisgünstigere E85-Kraftstoff mit 85 Prozent Ethanol vertrieben.

Der amerikanische E10-„Biosprit“ soll nach dem Willen der EPA bald noch „grüner“, nämlich mit 15 Prozent Ethanol versetzt werden. Dagegen haben sich 25 Senatoren und 156 Abgeordnete beider Parteien in einem Brief gewehrt. Sie fordern von der EPA-Chefin, die Pflicht zur Mindestbeimischung von 10 oder gar 15 Prozent Ethanol für dieses und das nächste Jahr auszusetzen. Dieser Forderung schlossen sich die Gouverneure von Arkansas, Delaware, Maryland und North Carolina an - alle vier Demokraten. Auch der Direktor der UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation hat von Washington eine Aussetzung der Quote gefordert, damit mehr amerikanischer Mais für die Lebensmittelproduktion genutzt werden kann.

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